zur Navigation springen

Sozialzentrum Husum und Umland : Obdachlosenbericht 2015: Wohnungsnot erreicht neue Schichten

vom

Das Sozialzentrum hat den Obdachlosenbericht 2015 vorgelegt – und schlägt Alarm: In Husum herrsche mittlerweile regelrechte Wohnungsnot.

Husum | Wohnraum für nur ein bis zwei Menschen ist in der Stadt seit Jahren ein äußerst knappes Gut – und macht dem Sozialzentrum Husum und Umland weiterhin Sorgen. „Es ist großer Bedarf da, der nicht gedeckt werden kann“, klagte Jürgen Laage bei der Vorstellung des Obdachlosenberichts 2015.

 Dazu kämen Engpässe bei bezahlbaren, innerhalb der Mietobergrenzen liegenden Drei-Zimmer-Wohnungen. Wer es sich leisten könne, suche statt der gewünschten Ein-Zimmer-Wohnung im Bereich der Zwei-Zimmer-Wohnungen und die, die eigentlich Zwei-Zimmer-Wohnraum wollten, drängten dann in den Markt der Drei-Zimmer-Wohnungen. „Die Lage ist so angespannt, dass man von Wohnungsnot reden kann, zumal auch Wohraum von sozialen Einrichtungen angemietet wird“, erläuterte der Fallmanager.

Und diese Not treffe nicht nur die unteren Schichten der Bevölkerung: „Das gilt auch für alleinstehende Soldaten, von denen nach der Aufstockung des Spezialpionierbataillons 164 zum Regiment mehr nach Husum kommen, oder für Scheidungsfälle, wo ein Partner die gemeinsame Wohnung verlässt.“ Der angeschobene Wohnungsbau greife nur langsam. „Schön wären hier mehr Angebote von privaten Vermietern.“

Zwar hätten die 2015 erstmals seit fünf Jahren neu angepassten Miethöchstgrenzen durch den Kreis Nordfriesland als Träger des Jobcenters und der Sozialhilfe in geringem Umfang zur Entspannung beigetragen. „Das hätte aber gerne mehr sein können, nur war das beim verarmten Kreis nicht durchzusetzen“, so Laage. 

Für ihn sei die Gesamtzahl der Fälle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit ein „Anzeiger für die Wohnungsnot“. Und die Fälle, in denen Menschen von Wohnungslosigkeit bedroht seien, hätten sich in den vergangenen elf Jahren mehr als verdoppelt. „Wobei es von 2014 mit 242 Fällen zu 2015 mit 295 Fällen erneut eine deutliche Steigerung gab.“ Wobei Männer, die nach einer Scheidung eine neue Wohnung suchen, einen immer größer werdenden Anteil an dem von Wohnungsnot bedrohten Kreis ausmachten.

Die Zahl der Mitteilungen zur Zwangsräumung sei nur wenig auf 17 Fälle im Jahr 2015 gestiegen. Häufig wurden aber rechtzeitig neue Wohnungen gefunden, so dass die Zwangsräumung nicht in Obdachlosigkeit gemündet sei.

Die neue Anerkennungspraktikantin Christine Rudolph äußerte sich zu den durchreisenden Obdachlosen und Tagessatz-Empfängern. Die Anzahl derjenigen, die den Tagessatz von 13,30 Euro bekommen hätten, sei von 17 auf 20 gestiegen. Auch hier sei der Wohnraummangel, der sich durch die Unterbringung von Migranten verstärke, für die Steigerung verantwortlich, zudem würden aber auch Probleme anderer Städte nach Husum verlagert. „Dabei hat sich die Anzahl derjenigen, die sich nur ein bis zwei Tage in der Stadt aufhielten, von sieben auf acht erhöht“, so Rudolph.

Neun Menschen seien länger als einen Monat geblieben, die längste Aufenthaltsdauer habe bei 113 Tagen gelegen. „Durchschnittlich waren es 29 Tage, und insgesamt haben wir 7400 Euro an Tagessätzen ausgezahlt – halb so viel wie 2014.“ Weitere 15 Wohnungslose würden nicht in der Statistik auftauchen, obwohl sie diesem Personenkreis zuzurechnen seien, weil sie sich ständig in Husum aufhielten, telefonisch erreichbar wären und ein Konto hätten. „Hier wurden keine Tagessätze ausgezahlt, sondern die monatliche Regelleistung aufs Konto überwiesen – das war verwaltungstechnisch einfacher.“

Die Anzahl der nachbetreuten Obdachlosen sei mit 28 Personen – darunter sechs Frauen – gegenüber 2014  gleich geblieben. „Das sind oft Menschen, die  immer  so am Rande der Obdachlosigkeit stehen, für die bin ich  Ansprechpartner in Notlagen“, sagte Laage.

Gut angenommen worden sei die Einrichtung der Straßensozialarbeit im Rahmen der Kriminalprävention und niedrigschwelligen Kontaktaufnahme für Jugendliche und junge Erwachsene. „Leider sind in diesem Bereich gute Angebote wie das des betreuten Notbettes in der Diakonie und der Frauenwohnung wieder eingeschlafen“, bedauerte er. „Wir brauchen nicht nur ein Winternotprogramm, sondern Angebote für alle Jahreszeiten. Das fehlt in Husum.“

Entscheidend für den Erfolg der Unterstützung durch  das Sozialzentrum sei die Möglichkeit der niederschwelligen  Ansprache von Obdachlosigkeit, sagte Laage abschließend.  „Damit die Betroffenen sich nicht gleich durch einen Wust von Anträgen wühlen müssen, der sie nur abschreckt.“

zur Startseite

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 13:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen