zur Navigation springen

Tönning : Notfallversorgung: Kreis in der Kritik

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach der Absage der BG-Klinik: Die Tönninger Stadtvertreter wollen nun rechtlich prüfen, ob der Kreis Nordfriesland Fehler gemacht hat.

Sichtlich betroffen reagierten Tönnings Stadtvertreter in jüngster Sitzung auf die Information von Büroleiter Matthias Hasse, dass die für Eiderstedt vom Kreis Nordfriesland zugesagte zusätzliche 24-Stunden-Notfallversorgung abends, nachts und am Wochenende durch die BG-Klinik in St. Peter-Ording nun doch nicht zustande kommt. Das sei erst durch Nachfrage der Stadtvertreterin Mery Ebsen (AWT), zugleich Abgeordnete der Wählergemeinschaft Nordfriesland/Die Unabhängigen (WGNF), in der Kreistagssitzung vergangene Woche ans Tageslicht gekommen (wir berichteten).

Offensichtlich, so Hasse, setze der Kreis in Notfällen nun allein auf den Rettungsdienst. Ihn wundere, dass die Stadt Tönning darüber bisher nicht informiert worden sei. „Das ist unter aller Sau und ein unhaltbarer Zustand. Macht die Klinik wieder auf und die Sache ist gegessen“, machte Hans-Joachim Teegen (CDU) seinem Ärger Luft. „Ich bin sehr enttäuscht, dass es so gekommen ist. Nun wurde das Krankenhaus schon im Dezember geschlossen. Ich war immer am Ball“, so Mery Ebsen.

„Ich finde es auch nicht gut. Es muss rechtlich geprüft werden, ob der Kreis Fehler gemacht hat“, erklärte Friedrich Busch (CDU). Er gebe aber zu bedenken, dass von der Sache her im Raum Bredstedt und Mittleres Nordfriesland eine ähnliche Situation besteht. Notfälle würden in Husum oder Niebüll abgewickelt. Für Eiderstedt wären das eben nun die Kliniken Husum oder Heide. „Eiderstedt hat zwei Brücken und zwei viel befahrene Bundesstraßen. Der Vergleich hinkt. Wir müssen uns gemeinsam überlegen, was wir tun können“, konterte Hauke Schmidt (AWT). „Ganz eindeutig hat der Kreis Zusagen nicht erfüllt“, bekräftigte Stefan Runge (SPD). Einen weiteren Aspekt fügte Mery Ebsen hinzu: „Das Tönninger Haus ist bis heute nicht vollständig an Ärzte oder Gesundheits-Dienstleister vermietet. Da fehlen dem Kreis auch Einnahmen. Auch der Förderverein sollte Druck machen.“ Bürgervorsteher Jan Diekmann resümierte: „Wir müssen das Thema in allen Fraktionen besprechen und gemeinsam überlegen, was wir tun können.“

Um das Thema Gesundheit ging es auch beim Tagesordnungspunkt „Beratung und Beschlussfassung zur hausärztlichen Versorgung im Raum Eiderstedt“. Vorweg: Einstimmig wurde beschlossen, dass die Trägerschaft für das Projekt „Nachhaltige Strukturen zur Sicherstellung der ambulanten hausärztlichen Versorgung in Eiderstedt und Tönning“ dem Amt Eiderstedt übertragen werden soll. Die Stadt Tönning übernimmt für das Projekt einen Eigenanteil von 13.000 Euro, der im Haushalt 2018 bereitgestellt werden soll. Ein Förderantrag soll durch die Aktiv-Region gestellt werden. Dahinter steckt ganz einfach die Aufnahme des Ist-Zustandes der auf Eiderstedt niedergelassenen Ärzte und gutachterliche Beurteilung für die zukünftige Entwicklung. Angeblich sei die Eiderstadt, so erläuterte Mery Ebsen, überversorgt. Im Moment gebe es hier genug Ärzte, doch im mittleren Bereich, insbesondere Garding, sehe die Sache anders aus. Hausärzte würden demnächst aus Altersgründen in den Ruhestand gehen. In St. Peter-Ording dagegen gebe es eine Überversorgung. Junge Ärzte seien schwer in den ländlichen Raum zu locken. Die meisten wollten zudem eher angestellt werden und nicht selbstständig sein. „Das Gutachten soll zeigen, was geht, vor allem, wie die Versorgung nachhaltig für Eiderstedt sicher werden kann“, so Ebsen.

Ob denn die Lösungsansätze umgesetzt werden, müsse man sehen. Von der Aktiv-Region sei das Projekt bereits positiv bewertet worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen