Amt Nordsee-Treene : „Notfalls droht Zwangsverwaltung“

Engagiertes Duo: Eva-Maria Kühl (li.) und Kirsten Schöttler-Martin wollen für Politik begeistern.
Engagiertes Duo: Eva-Maria Kühl (li.) und Kirsten Schöttler-Martin wollen für Politik begeistern.

Die Amtsvorsteherin und die Gleichstellungsbeauftragte veranstalten einen Informationsabend, um mehr Menschen für Kommunalpolitik zu begeistern.

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12. Januar 2018, 18:00 Uhr

Die Politikverdrossenheit macht sich auch in den Kommunen des Amtes Nordsee-Treene bemerkbar. Es fehlt der Nachwuchs, und viele scheuen sich aus verschiedenen Gründen davor, in den Gemeindevertretungen mitzuwirken.

„Demokratie fängt vor der eigenen Haustür an. Wenn wir nicht aufpassen, geht sie uns verloren“, sind sich Amtsvorsteherin Eva-Maria Kühl und Gleichstellungsbeauftragte Kirsten Schöttler-Martin einig. Deshalb haben sie sich entschlossen, eine Veranstaltung der besonderen Art zu organisieren. Unter dem Motto „Demokratie mit gestalten“ laden sie für Donnerstag (18.), 19 Uhr, in den Mildstedter Kirchspielkrug. Die beiden Frauen haben sich vorgenommen, bei mehr Menschen das Interesse dafür zu wecken, in der Kommunalpolitik mitzumischen.

Welches Handwerkszeug brauche ich für das politische Amt? Kann ich als Vertreter einer kleinen Kommune überhaupt etwas bewegen? Über diese und andere Fragen soll an diesem Abend diskutiert werden. Dazu haben Kühl und Schöttler-Martin auch die Bürgermeister der 27 Gemeinden des Amtes Nordsee-Treene eingeladen, die dann von ihren Erfahrungen und ihrer Motivation berichten können.

Hintergrund der Veranstaltung sei in erster Linie, dass man dringend mehr Menschen brauche, die sich politisch engagieren, erklärt die Amtsvorsteherin. Bis zur Kommunalwahl seien es nicht mal mehr vier Monate und bis zum 12. März, punkt 18 Uhr, müssen die Wahllisten beim Amt eingereicht sein. „Wer sich nicht darauf befindet, kann auch nicht gewählt werden“, betont Kühl. Viele Bürgermeister, die lange im Amt waren, geben in diesem Jahr ihren Posten auf. So einige Dörfer haben noch keinen Kandidaten für die Nachfolge und kämpfen damit, genügend Gemeindevertreter zu finden, erklärt Kühl. „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Kommunen ohne Gemeindevertretung ihre Selbstständigkeit verlieren. Dann müssen sie notfalls zwangsverwaltet werden.“

Sorge bereitet Kühl und Schöttler-Martin außerdem, dass die Zahl der militanten Wutbürger ansteige, genauso wie die Radikalisierung von rechts. Und es gibt noch ein weiteres Problem: Frauen sind nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Sie machen zwar mehr als 50 Prozent der Bevölkerung aus, haben aber nur ein Viertel der Sitze in den Parlamenten inne. „Das gilt auch für das Amt Nordsee-Treene“, so Schöttler-Martin.

„Wir wollen mit der Veranstaltung versuchen, die Leute für die Kommunalpolitik zu begeistern und Hemmschwellen abzubauen“, sagt Amtsvorsteherin Kühl, die auch Bürgermeisterin von Ostenfeld ist und sich seit 19 Jahren in der Politik engagiert. „Auch ich habe klein angefangen und musste da erst mal hineinwachsen.“ Jetzt habe sie viel Spaß am Gestalten. Schöttler-Martin nickt lächelnd und fügt hinzu: „Bestimmt sind welche dabei, die sich nur noch einen Ruck geben müssen. In Mildstedt können sie Unklarheiten ausräumen.“

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