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Konzept für Eiderstedt : Notfall-Versorgung bleibt gesichert

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie geht es auf Eiderstedt nach der Schließung des Tönninger Krankenhauses zum 1. Januar 2017 weiter? Das war Thema einer Podiumsdiskussion in Tating.

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erstellt am 08.Dez.2016 | 09:00 Uhr

Auch nach der Schließung des Tönninger Krankenhauses – zum 1. Januar 2017 beschlossene Sache – ist es um die Notfall-Versorgung auf Eiderstedt nicht grundlegend schlecht bestellt. Das mag der eine oder andere der 115 Zuhörer vielleicht aus den unterschiedlichsten Gründen – ob persönlicher, prinzipieller oder populistischer Natur – auch nach der zum Teil emotional geführten Podiumsdiskussion in Tating immer noch nicht so recht glauben. Aber es ist nun mal die zentrale Botschaft, die am Dienstagabend im Eiderstedter Krog verbreitet wurde.

Und zwar von Beteiligten, die es eigentlich richtig einzuschätzen wissen sollten: Christian von der Becke (Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland), Nina Schmeck (beim Kreis unter anderem für das Rettungswesen zuständig), Dr. Frauke Mehret (die in Tönning niedergelassene Allgemeinärztin ist Notdienst-Beauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein), Johann Stauch (DLRG St. Peter-Ording) sowie die Kreistagsabgeordneten Thomas Nissen (SPD), Ulrich Stellfeld-Petersen (SSW) und Uwe Schwalm (Bündnis 90  /  Die Grünen). Deren drei Fraktionen waren auch die Initiatoren des etwas mehr als zweistündigen Abends, den Nordfrieslands Bundestagsabgeordneter Matthias Ilgen (SPD) moderierte. Komplettiert wurde das Podium von Hans Jacob Peters, Bürgermeister von Tating und Vorsitzender des Fördervereins Krankenhaus Tönning.

Zurück zur zentralen Botschaft: „Wir werden die 24/7-Notfall-Versorgung sicherstellen können, davon gehe ich aus“, erklärte Klinikums-Chef von der Becke. Und das nicht nur über den jederzeit unter Telefon 112 erreichbaren Rettungsdienst. Das am Krankenhaus angedockte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) werde weiterhin betrieben. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ein Regionales Gesundheitszentrum Tönning entstehen zu lassen.“ Den 14 Arzt-Sitzen im MVZ sollen zwei weitere (Innere Medizin und Chirurgie) hinzugefügt werden – im Zuge einer Sonderbedarfs-Anmeldung, für die der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung noch seine Zustimmung geben müsse. Für die Zeit nach 18 Uhr habe man sich intensiv auf die „Suche nach einer Sektoren-übergreifenden Lösung“ gemacht, so von der Becke – und sei fündig geworden. Die Einbindung der BG Nordsee Reha-Klinik in St. Peter-Ording in das Notfall-Konzept des Kreises für Eiderstedt sei allerdings noch nicht in trockenen Tüchern. „Wir suchen nur nach einem Weg, das Geld an die richtige Stelle zu kriegen“, sagte er: „Aber das wird uns gelingen.“ Alle Beteiligten seien sehr willig und die Verhandlungen gerade ganz oben an politischer Stelle angesiedelt. „Wenn wir weiter Gas geben, können wir zeitnah Vollzug melden“, so von der Becke.

Bevor sich der Klinikums-Chef für diese Ankündigung Beifall abholte, hatte Hans Jacob Peters deutlich gemacht, dass der Förderverein noch nicht müde sei, weitere Unterschriften für den Erhalt der Klinik Tönning zu sammeln: „Und wir werden die Sylter mit ihrem Bürgerbegehren sehr aktiv unterstützen.“ Apropos: Dessen Umsetzung werde den Kreis nach jetzigem Stand fünf bis sechs Millionen Euro kosten, rechnete Thomas Nissen vor, der sich in seiner SPD-Fraktion aufs Gesundheits- und Finanzwesen spezialisiert hat und auch im Aufsichtsrat der Klinikum Nordfriesland GmbH sitzt.

Letzteres trifft auch auf Uwe Schwalm zu, der genauso wie Nissen mit der Kreistags-Mehrheit das alternativlose Aus der hochdefizitären Klinik Tönning besiegelt hatte und als Tatinger dazu noch ein schweres Heimspiel hatte. Leidlich angefressen von persönlichen Attacken auf einer einschlägigen Social-Media-Plattform forderte der Grüne die Versammlung auf, das Ganze doch mal zu Ende zu denken: „Würde ich einen Beschluss fassen und mir das eigene Grab schaufeln, wenn es keine Lösung gäbe? Wir sind doch keine Selbstmörder.“ Auch Ulrich Stellfeld-Petersen übernahm noch mal die undankbare Aufgabe, die normative Kraft des Faktischen in Erinnerung zu rufen: „Der einzige profane Grund ist, dass die wirtschaftlichen Mittel gefehlt haben und wir die Reißleine ziehen mussten.“ Im Übrigen habe man überall im Kreis das Problem, „dass die Leute fahren müssen“, sagte der SSW-Politiker, der in Langenhorn wohnt und im Notfall auch nicht gerade kurze Wege zu den Kliniken in Niebüll oder Husum hat.

Ebenso unpopulär war die Wahrheit, die Dr. Frauke Mehret aussprach: Was die Hausärzte angehe, so sei Eiderstedt eigentlich überversorgt. Und: „Wer wirklich ernsthaft erkrankt, dem wird hier weiterhin geholfen – niemand braucht Angst zu haben.“ Der Mann von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft unterstützte die Ärztin in dieser Auffassung: „Die akute Notfallmedizin wird in keiner Weise gefährdet“, sagte Johann Stauch und verwies dabei unter anderem auf die First-Responder-Einheit der DLRG, die die Zeit bis zum Eintreffen eines Rettungswagens überbrückt. Und auch die Vertreterin des Kreises warb darum, dem System das nötige Vertrauen entgegenzubringen: „Der Rettungsdienst kommt wirklich bei einem Anruf unter 112“, so Nina Schmeck – „oder man wird Sie weiterleiten an den fahrenden Dienst“.

Schlusswort von der Beckes: „Die Möglichkeiten sind nicht so schlecht wie Sie glauben, es ist nur unbequemer geworden – und wir arbeiten daran, diese Unbequemlichkeiten zu reduzieren. Wir tun alles Erdenkliche, um die Gesundheitsversorgung sicherzustellen.“

 

FSD unterstützt Bürgerbegehren zur Gesundheitsversorgung

Unterdessen unterstützen die Freien sozialen Demokraten (FSD) als erste von sieben Fraktionen im nordfriesischen Kreistag das Bürgerbegehren „Zukunft Grundversorgung Nordfriesland“. Die drei Abgeordneten – sie sind jetzt alle Mitglied der Partei Die Linke –  hatten sich eigenen Angaben zufolge auf Einladung des FSD-Fraktions-Chefs Manfred Thomas   zuvor zu einem ausführlichen Gespräch mit Initiatoren  des Bürgerbegehrens getroffen.  Dieses ist von  dem Wyker  Markus Herpich sowie den beiden Syltern  Lasse Lorenzen und  Lars Schmidt auf den Weg gebracht worden (wir berichteten).

Die FSD-Abgeordneten sicherten diesen ihre volle Unterstützung zu. Die Freien sozialen Demokraten hatten bereits gegen die Schließung des Krankenhauses Tönning gestimmt  und auch einen Vorschlag zur möglichen Weiterführung des Hauses gemacht.

Die FSD begrüßt, dass der Förderverein Tönninger Krankenhaus und andere  das Bürgerbegehren ebenfalls unterstützen.  „Die Bürger dürfen sich durch Politik und Verwaltung nicht  gegeneinander ausspielen lassen“, betont Thomas. Er warnt vor  nur schwer rückgängig zu machenden Entscheidungen bezüglich der Nutzung von vorrübergehend freiwerdenden Gebäuden. Außer Sicherstellungszuschlägen würden  bei gutem Willen und entsprechendem Einsatz aller Beteiligten möglicherweise  weitere Finanzierungsmittel für den Erhalt und Ausbau zur Verfügung stehen. Die Gründe für die Schließung stammten  im Wesentlichen aus nicht öffentlich zugänglichen Gutachten. Deshalb hält die FSD die Informationspolitik  für unverantwortlich und fordert „eine grundlegende Verbesserung der politischen Kultur  im Kreis mit deutlich mehr Bürgerbeteiligung“.

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