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Raritäten-Festival in Husum : Noten-Schatz erfolgreich gehoben

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Musikfreunde in der ganzen Welt freuen sich auf die „Raritäten der Klaviermusik“ in Husum. Initiator und künstlerischer Leiter Peter Froundjians stellt das Programm vor.

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erstellt am 11.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Peter Froundjians Augen leuchten. Er hat wieder in die große Schatztruhe gegriffen, in der sich 300 Jahre Klavier-Literatur befinden. Herausgezogen hat der Berliner Pianist und Klavierpädagoge zahlreiche Musikstücke, die bisher nicht ans Tageslicht oder in den Konzertsaal geholt wurden, verborgene Schönheiten jenseits der bekannten Kompositionen von Beethoven, Schubert oder Chopin.

Vom 19. bis 27. August wird Husum wieder zum Mekka der Fans des außergewöhnlichen Klavier-Repertoires, wenn zum 30. Mal das Festival „Raritäten der Klaviermusik“ stattfindet. Dann locken Pianisten aus aller Welt Musikbegeisterte in den Rittersaal des 400 Jahre alten Schlosses und nehmen sie mit auf ihren Ausflug in unbekanntes Terrain.

Für ihn sei es jedes Mal wieder ein neues Abenteuer, ein neuer Aufbruch, erklärt Froundjian, der Initiator und künstlerischer Leiter des Festivals ist. Bei der Organisation stehen ihm Johanna Jürgensen und Nathalie Gerstle von der Stiftung Nordfriesland zur Seite. Er vergleicht sich mit einem Maler, der am Anfang vor einer weißen Leinwand steht und noch nicht weiß, wie sein Bild am Ende aussehen wird. Und dann fängt er an zu kramen in dem riesigen Fundus, den die Klavier-Literatur zu bieten hat. Bis zu ein halbes Jahr kann es dauern bis er das Programm zusammengestellt hat. Unter einer Rarität versteht Froundjian Werke, die noch nie auf Konzerten beziehungsweise von den Komponisten nur selten gespielt wurden. „Stücke, die nicht unbedingt sofort ein Ohrwurm sind, erst beim zweiten oder dritten Zuhören“, sagt er. „Trotzdem sind sie nicht beliebig ausgesucht und müssen Substanz haben. Es geht hier nicht um Kuriositäten, sondern um Raritäten“, betont Stiftungs-Geschäftsführerin Jürgensen.

Was vor drei Jahrzehnten als Wagnis begann, hat mittlerweile internationales Renommee erreicht. Bislang ist die Husumer Raritätenwoche weltweit ein Unikat. Die Besucher kommen mittlerweile nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus England, den Niederlanden, Polen, Japan und den USA. Die „Raritäten der Klaviermusik“ sind längst ein geistiges Schwergewicht in der Festival-Landschaft und werden von der internationalen Musikexperten-Gemeinde genau beäugt.

30 Jahre Raritäten-Festival – das ist ein Grund zum Feiern, finden die Organisatoren. Aus diesem Grund hat Froundjian einige Leckerbissen vorbereitet. Einer davon: die Reihe „Young Explorers“. Sie besteht aus einer Folge von vier einstündigen Rezitals, die von vier sehr jungen Pianisten bestritten wird. Sie treten am 20. und 21. August jeweils um 16.30 Uhr und 20 Uhr auf.

Zur Auflockerung des Programms sollen zwei Matineen beitragen, von denen die erste am 21. und die zweite am 27. August, jeweils um 11 Uhr, geplant sind. Begonnen wird mit dem „teuflisch schweren“ Husum-Piano-Quiz, in dem Klaviermusikkenner ihr Wissen mit anderen messen können – dabei wird englisch gesprochen. „Selbst wenn man sich nicht so gut auskennt, macht es Spaß, dabei zu sein“, ist Froundjian überzeugt. Als Preise winken CDs. Die zweite ist eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Who made a better case for Piano Music – Artur Schnabel or Vladimir Horowitz?“. Dabei diskutieren Kritiker Bryce Morrison und Produzent Jesper Buhl über Richtungskämpfe in der Musikgeschichte. Die Veranstaltung ist ebenfalls auf Englisch.

Zu den Konzert-Höhepunkten zählt unter anderem der in Husum bestens bekannte britische Pianist Jonathan Plowright, der gemeinsam mit dem polnischen Szymanowksi-Quartett,Werke von Ludomir Rózycki und Ignaz Friedman aufführt. Ein weiteres Bonbon: Erstmals werden in der Storm-Stadt der weltberühmte Pianist Cyprien Katsaris und die in Paris lebende kanadische Pianistin Hélène Mercier gastieren. Die beiden spielen an zwei Klavieren unbekannte Werke von Schumann und Brahms.

Das Rahmenprogramm bietet neben der Ausstellung über den Pianisten und Komponisten Ferruccio Busoni den täglichen Publikumstreff in Hartmann’s Landküche sowie zwei Empfänge im Schloss.

Zum Jubiläum hat die Veranstalterin des Festivals, die Stiftung Nordfriesland, eine neue Homepage spendiert, die unter www.raritaeten-der-klaviermusik.de zu finden ist. „Sie ist jetzt moderner gestaltet, aktueller und einfacher zu bedienen. Wir denken, dass ist ein passendes Geburtstagsgeschenk“, erklärt Jürgensen.

Auf die Frage, ob ihm nicht irgendwann die Raritäten ausgehen, antwortet Froundjian lächelnd: „Es gibt kaum ein Repertoire, das so umfangreich ist, wie das fürs Klavier. Und da sind noch genügend Werke, die auf ihre Aufführung warten.“ Allein 133 Komponisten und rund 2500 Werke wurden den Festival-Besuchern in den vergangenen 30 Jahren präsentiert. Und noch einen Vorteil hat das Festival: Es kommen auch Musiker zum Zug, die noch nicht so häufig die Chance hatten, auf der großen Bühne zu spielen. „Pianisten, die interessant sind, aber nicht unbedingt bei großen Agenturen unter Vertrag stehen, sind für mich besonders attraktiv“, macht Froundjian deutlich. Eben auch bislang verborgene Schönheiten.


Kartenbestellungen:
Museumsshop im Schloss vor Husum oder online unter karten@raritaeten-der-klaviermusik.de

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