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Filial-Schliessungen : Nospa: Kritik am Rückzug aus der Fläche

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die geplanten Filial-Schließungen der Nord-Ostsee-Sparkasse sind zwar für viele nachvollziehbar, sorgen aber trotzdem für Unmut. Viele Kunden ärgern sich über weitere Wege, und die Bürgermeister kleinerer Orte befürchten Nachteile für ihre Bürger.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Die Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa) will Filialen ganz schließen oder sie in Selbstbedienungs-Standorte (SB) umwandeln (wir berichteten) – und diese Pläne bewegen die Bürger in der Region. Denn allein 13 der 39 betroffenen Außenstellen befinden sich im südlichen Nordfriesland. Mit der Umsetzung will die Nospa Ende des Jahres beginnen, so Pressesprecher Burkhard Lauritzen auf Anfrage. Der Prozess soll Ende 2015 abgeschlossen sein. Konkrete Termine für die einzelnen Filialen stehen aber noch nicht fest. Der Nospa-Sprecher betonte, dass niemand entlassen werde.

Besonders betroffen sind die Pellwormer. Auf der Insel wird die Nospa gar nicht mehr vertreten sein, dort gibt es dann nur noch die Husumer Volksbank. „Auf dem Festland ist es ja einfacher, künftig eine andere Filiale anzusteuern, aber auf der Insel geht das schlecht“, macht Bürgermeister Jürgen Feddersen das Problem deutlich. Er hat sich bereits dafür eingesetzt, dass wenigstens eine SB-Außenstelle installiert wird, möglicherweise in einem der beiden Supermärkte. Zu dem Argument der Nospa, dass andere Standorte der Sparkasse gestärkt werden, bemerkte er: „Das nützt denen, die alles verlieren, nichts.“ Neben den Nachteilen für die älteren Bürger denkt er auch an die Touristen, die die Sparkasse nutzen.

„Natürlich bin ich damit einverstanden. Ich habe es im Verwaltungsrat ja selbst mit entschieden.“ So fasst Husums Bürgermeister Uwe Schmitz die beabsichtigte Schließung beziehungsweise Umwandlung zahlreicher Filialen der Nospa zusammen. In Husum sind fünf Filialen betroffen. So werden die bisher Mitarbeiter-besetzten Geschäftstellen im Osterende und in der Marktstraße in SB-Filialen umgewandelt. Eine weitere Mitarbeiter-besetzte Filiale in der Friedrichstraße wird ganz aufgegeben. Dasselbe gilt für die SB-Standorte an der Messehalle und in Schobüll.

Für Aufregung sorgten die Nospa-Pläne gestern auch bei den Kunden. Überrascht von der Schließung seiner Filiale zeigte sich Dennis Klimm. Er wohnt in der Lorenz-Lassen-Straße und damit direkt gegenüber von seiner Sparkasse in der Friedrichstraße. Jetzt stellt er sich auf weitere Wege ein. „Online-Banking ist mir zu unsicher“, sagt der 21-Jährige, der deshalb bisher gerne auf die Hilfe am Schalter gesetzt hat.

„Vielleicht muss ich das Online-Banking jetzt lernen“, meint dagegen der 75-jährige Hartmut Drebes aus Rödemis. Er findet es schade, zukünftig nicht mehr persönlich bedient zu werden. „Man fühlt sich mit den Leuten verbunden. Wenn ich früher hier hereinkam, wurde ich von einem Mitarbeiter immer mit ‚Guten Morgen‘ und statt meines Namens mit meiner damaligen Kontonummer angesprochen.“

Michael Klissing ärgert sich über die Umwandlung der Filiale in der Marktstraße. Er nutze die persönliche Beratung regelmäßig. „Vor kurzem erst brauchte ich Hilfe in Nachlass-Angelegenheiten“, so der 46-Jährige. „Meine Arbeitsstelle ist hier in der Nähe. Das ist praktisch.“ In Zukunft müsse er dann leider weiter fahren. „Online-Banking ist nichts für mich. Man hört doch so viel über Datenklau.“

Entspannter sehen das Ralf Mörs (41) und Ingrid Hartmann. Ihnen reicht die Selbstbedienung. „Mir fehlt nichts. Ich hole Geld und Kontoauszüge. Alles andere mache ich online“, sagt die 62-Jährige. Gerade für Bewohner des Seniorenheims gegenüber der Marktstraßen-Filiale und für ältere Leute generell finde sie es aber wichtig, dass der persönliche Kontakt zu den Bankangestellten erhalten bleibt.

Vor allem die zukünftig weiteren Wege ärgern Yvonne Schmidt (55). „Das ist schade, schließlich ist das hier in der Markstraße doch ‚meine Filiale‘. Wenn ich jetzt an mein Sparkbuch will, muss ich bis in die Großstraße fahren“, kritisiert die Husumerin.

Die Schließungen waren gestern auch Thema im städtischen Hauptausschuss, den Bürgermeister Schmitz schon vorab schriftlich informiert hatte. Mit der Entscheidung stelle sich die Nospa den Herausforderungen eines veränderten Marktes, fasst der Verwaltungs-Chef die Situation zusammen. Im Tagesgeschäft gewinne das Online- und Mobile-Banking zunehmend an Bedeutung. Dem habe das Unternehmen mit seiner Entscheidung Rechnung getragen. So hätten sich die Kundenkontakte in der Friedrichstraße und im Osterende zuletzt weitgehend auf Ein- und Auszahlungen beschränkt. Daraufhin seien Öffnungszeiten und Personaleinsatz bereits reduziert worden. „Und es ist ja nicht so, dass die Kunden durch die Schließungen oder Umwandlungen nicht mehr an Geld kommen“, so Schmitz. So werde es im Bedarfsfall einen mobilen Bringdienst geben. Aber auch Vereinbarungen mit Geschäftspartnern über Auszahlungsmöglichkeiten beispielsweise in Supermärkten seien angedacht. „Andere Banken machen das ja schon“, sagt der Bürgermeister. Und bei Messen oder Volksfesten ist der Einsatz eines mobilen Geldautomaten, des sogenannten Zaster-Lasters vorstellbar. Die Versorgung sei also sichergestellt. Wichtig ist Schmitz der Hinweis, dass zwar Filialen geschlossen, aber niemand entlassen werde. Der Personalkörper habe in der Vergangenheit schon genug geblutet.

Der Einsatz des Zaster-Lasters bei Großveranstaltungen wird auch von der Messegesellschaft Husum angesstrebt, denn der Geldautomat im Nordsee-Congress-Centrum soll ebenfalls verschwinden. „Die Nospa hat uns mitgeteilt, dass die Nutzung des ohnehin nicht stark frequentierten Automaten weiter rückläufig ist“, sagt Messechef Peter Becker. Der Abbau sei daher nachvollziehbar. Probleme im Messebereich erwarte er keine: Hier sei ohnehin schon überall Kartenzahlung möglich.

„Die Gründe für das Aus der Nospa in Schwabstedt sind für mich teilweise nachvollziehbar, doch es gibt offensichtlich zwei verschiedene Geschäftsmodelle, denn die andere Bank bei uns im Ort hat lange Öffnungszeiten und bleibt“, sagt Jürgen Meyer, Bürgermeister der Treene-Gemeinde. Durch den Abzug der Nospa sieht Meyer aber auch eine Schwächung des örtlichen Markt-Treffs. Bislang kamen die Nospa-Kunden aus den umliegenden Gemeinden nach Schwabstedt und kauften nach den Bankgeschäften beim örtlichen Kaufmann ein. „Wenn die Nospa-Kunden künftig nach Friedrichstadt fahren müssen, dann werden sie auch dort einkaufen und nicht noch mal zu unserem Markt-Treff kommen“, ist sich Meyer sicher.

Eva-Maria Kühl, Gemeinde-Chefin von Ostenfeld, äußert Verständnis für die Entscheidung, die Ein-Mann-Filiale in Ostenfeld in einen SB-Betrieb umzuwandeln. Allerdings bedauert sie diesen Schritt und beklagt den Rückzug aus der Fläche. Besonders die vielen älteren Kunden dürften mit den Automaten Schwierigkeiten haben – und so wird nach ihrer Meinung das zweite Geldinstitut im Ort gestärkt.

Alexander Schmitz-Neuber dagegen ist frustriert. „Der Abzug der Nospa ist schlimm, denn unser Ortszentrum verkommt zur Wüste“, beklagt der Bürgermeister von Süderstapel. Groß darüber lamentieren nütze wohl aber nichts, obwohl nach seinen Beobachtungen die Nospa-Filiale im Ort immer sehr gut besucht worden sei.

Enttäuscht über das Filial-Konzept der Nospa zeigt sich auch Ralf Jacobsen, stellvertretender Bürgermeister von Hattstedt. In dem Ort mit seinen 2600 Einwohnern gibt es künftig nur noch eine SB-Außenstelle. „Ich kann es nicht verstehen – die Frequenz in der Filiale erscheint mir immer sehr, sehr hoch. Sie wird besonders von den älteren Bürgern sehr gut angenommen.“ Außerdem sei der Amtsweg, in dem die Nospa ihren Sitz hat, auch mit Blick auf den Kundenverkehr für viel Geld saniert worden.

Auf Nordstrand heißt es künftig ebenfalls Selbstbedienung. Nach dem Willen von Bürgermeister Werner-Peter Paulsen soll der Service aber umfangreicher sein: „Es muss möglich sein, dass eine Beratung beispielsweise für Investitionen beim Kunden stattfindet.“ Auch Senioren müssten die Möglichkeit haben, mit einem Bankberater vor Ort zu sprechen. Und was sei mit den Gastronomen oder Ferienquartiers-Vermietern, die viel Bargeld einnehmen? „Die müssen das abends hier auf der Insel bei der Sparkasse abgeben können.“

Bredstedts Bürgermeister Knut Jessen sieht den Abbau des Geldautomaten im Sky-Markt pragmatisch. „Wenn der Umsatz nicht mehr stimmt, dann ist auch der Bedarf nicht da.“ Ihm sei von der Nospa gesagt worden, dass die Zweigstelle am Marktplatz aufgewertet werde und Berater ständig vor Ort seien. „Damit können wir zufrieden sein.“

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