Brechdurchfall : Norovirus-Welle: Nordfriesland stark betroffen

Am Norovirus erkrankte Menschen leiden unter Brechdurchfall.
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Am Norovirus erkrankte Menschen leiden unter Brechdurchfall.

Die Zahl der am Norovirus erkrankten Menschen steigt. In Husum wurden 14 Hotelgäste mit Brechdurchfall ins Krankenhaus gebracht.

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02. Januar 2018, 06:00 Uhr

Husum | Eine Welle von Norovirus-Erkrankungen rollt durch Nordfriesland. „Knapp 40 Fälle sind uns in den letzten Tagen gemeldet worden, aber es gibt natürlich auch immer eine Dunkelziffer“, erklärt Dr. Heike Hill aus dem Gesundheitsamt des Kreises.

Am Silvestertag ist sie ins Theodor-Storm-Hotel in Husum gerufen worden: 14 an Brechdurchfall erkrankte Gäste zweier Reisegruppen holte der Rettungsdienst des Kreises über den Tag verteilt dort ab, um sie in die Kliniken in Husum und Niebüll zu bringen. Ob ihre Symptome vom Norovirus oder von einer Lebensmittelvergiftung herrühren, ist noch nicht bekannt. „Der Notdienst des Kreisveterinäramtes hat Proben der verzehrten Speisen sichergestellt und in ein Labor geschickt. Anfang der Woche rechnen wir mit den Ergebnissen“, sagt Heike Hill. Sämtliche Erkrankten der Reisegruppen seien spätestens am Montagmorgen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, erklärt Hotel-Chef Karl-Heinz Häuber auf sh:z-Nachfrage. „Ich habe als Hotelier ja schon viel erlebt, aber so etwas auch noch nicht“, so Häuber. Allerdings hat sich die Lage offenbar schnell wieder beruhigt: Im Hotel herrschte am Montag wieder Normalbetrieb, nur die Zimmer der Erkrankten müssen zusätzlich desinfiziert werden.

Im Theodor-Storm-Hotel wollten neben den dort untergebrachten noch 100 weitere Gäste ins neue Jahr hineinfeiern. Die Ärztin des Gesundheitsamtes wies sie auf die Ansteckungsgefahr hin und legte ihnen nahe, andernorts zu feiern. Diesen Hinweis nahmen die Gäste ernst.

Das Gesundheitsamt des Kreises fordert alle Nordfriesen und Urlaubsgäste auf, verstärkt auf ihre Hygiene zu achten: Noroviren verbreiten sich als Schmierinfektion insbesondere über den direkten Kontakt mit Erkrankten, aber auch etwa über Türklinken und Handläufe. Tröpfcheninfektionen über die Luft sind ebenfalls möglich. „Deshalb ist es wichtig, sich zum Beispiel nach jeder Benutzung einer Toilette gründlich die Hände zu waschen und nicht jede Türklinke anzufassen. Wer zuhause Erkrankte pflegt, sollte dabei Einmalhandschuhe tragen und ein Hände-Desinfektionsmittel verwenden“, rät die Medizinerin Hill. Auch im Bad sollten, was normalerweise nicht erforderlich ist, keimabtötende Reiniger eingesetzt werden.

Menschen mit gesundem Immunsystem leiden meist nicht länger als einen bis zwei Tage unter dem Brechdurchfall. Gefährlicher ist er für kleine Kinder und Senioren: Durch den Flüssigkeitsverlust drohen Kreislaufprobleme. In diesen Fällen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wenn nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Gruppen am Norovirus erkranken, muss der behandelnde Arzt dies dem Gesundheitsamt melden. Das Gleiche gilt für Personen, die im Lebensmittelbereich arbeiten. Die aktuellen Fälle in Nordfriesland wurden größtenteils in Reha-Einrichtungen und Kindergärten festgestellt.

Dr. Hill weist darauf hin, dass Kita-Kinder und Erwachsene, die mit Lebensmitteln arbeiten, frühestens zwei Tage nach dem vollständigen Abklingen der Symptome wieder in die Kita oder zur Arbeit gehen dürfen: „Vorher ist die Ansteckungsgefahr einfach zu groß.“

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