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Pläne für die Zukunft : Nordseebad gegen Wildwuchs aus Beton

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gemeinde St. Peter-Ording will die Bebauungspläne für den Badeort überarbeiten – für eine gesunde Mischung aus Erst-, Zweit- und Ferienwohnungen sowie Hotels. Dazu wird eigens ein Stadtplaner eingestellt.

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erstellt am 04.Apr.2014 | 13:00 Uhr

Steigender Beliebtheit erfreut sich St. Peter-Ording bei Urlaubern. Die Investitionen in Badbrücke, Gesundheits- und Wellnesszentrum sowie Strandpromenade machen sich bezahlt. An sich eine feine Sache, lebt der Ort doch vom Tourismus. Doch hat das auch Nebeneffekte. Immer mehr Ferien- und Zweitwohnungen entstehen. „Doch das ist von Land und Gemeinde nicht gewollt“, sagt Bürgermeister Rainer Balsmeier. Gehört doch zu einer gesunden Ortsstruktur auch ein entsprechender Anteil an Bürgern mit erstem Wohnsitz. Um das Verhältnis zwischen Erst-, Zweit- und Ferienwohnsitzen zu steuern, hat sich die Gemeindevertretung entschlossen, mehr Einfluss zu nehmen. Sie hat begonnen, die Bebauungspläne zu überarbeiten. Ein Mammutprojekt. Denn rund 70 Stück gibt es für das 2825 Hektar große Gemeindegebiet. Nur einige wenige Ecken sind nicht überplant.

Denn einfach drauf los bauen – das geht in Deutschland nicht. Viele Gesetze und Verordnungen regeln, was wo und wie errichtet werden darf. Bund, Land, Kreis und Kommune haben alle ein Wörtchen mitzureden bei der Gestaltung von Gebäuden und Grundstücken. Die Gemeinde bestimmt, wie ihre einzelnen Ortsteile aussehen sollen – im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. Sie entscheidet, wo Wohnungen und Häuser stehen sollen, wo sich Handwerksbetriebe und Gewerbe ansiedeln, wo Hotels und Läden Nachbarn sein dürfen. Die Instrumente, mit denen dies geregelt wird, sind Flächennutzungs- und Bebauungspläne.

„Die Bebauungpläne für St. Peter-Ording stammen aus den 1970er Jahren. Damals galten andere gesetzliche Rahmenbedingungen“, erläutert Carsten Eritt das Problem. Er ist Leiter des Fachbereichs Bauen und Entwicklung des Amtes Eiderstedt, zu dem St. Peter-Ording verwaltungstechnisch gehört. Als Beispiel nennt er die Abstandsregelung zu Reetdachhäusern: Waren es früher zwölf Meter, sind es heute nur noch sechs. Da könne auf Grundstücken ganz anders gebaut werden. Oder in einem allgemeinen Wohngebiet, in dem auch Ferienwohnungen eingerichtet werden dürfen: Nach den derzeit gültigen Festsetzungen können anstelle von einer Ferienwohnung fünf entstehen. Ein anderes Problem lauert in reinen Wohngebieten, in denen nur Erst- und Zweitwohnungen erlaubt sind, wenn die Gemeinde nicht bestimmte Vorgaben festlegt: „Dann wird daraus plötzlich ein totes Wohngebiet, wenn nur noch Zweitwohnungen vorhanden sind“, so Eritt. Ursache dieser Entwicklung sind zum einen der Generationswechsel bei den Besitzern der Grundstücke, so Balsmeier. Die neuen haben oft ganz andere Interessen bei der Nutzung. Zum anderen sei es eine Folge der Finanzkrise, die Flucht des Geldes in Beton. Ein anderer Themenkomplex, weswegen die Bebauungspläne nun angefasst werden, ist die Modernisierung, Erweiterung oder der Neubau von Hotels. Hier ist die Gemeinde gefragt, zu entscheiden, an welcher Stelle neue errichtet werden und wie hoch sie sein dürfen. In der Überplanung ist derzeit beispielsweise die Strandpromenade. Jüngst sprach sich der Bauausschuss für eine maximale Firsthöhe von 15 Meter aus. Generell habe die Gemeinde regelmäßig Anfragen von Investoren, aber lange nicht alles werde realisiert, so Balsmeier.

Nicht alle Bauherren freut das Vorgehen der Kommune. Sie wollen Ferienquartiere auf ihren Grundstücken errichten, wollen Hotels modernisieren oder erweitern oder einfach ein Einfamilienhaus errichten. In St. Peter-Ording herrscht Aufbruchstimmung. Doch so ein Bebauungsplan ist nicht mal eben so überarbeitet. Daher hat der Gemeinderat für einige bereits Veränderungssperren erlassen. Das heißt innerhalb der nächsten zwei Jahren darf dort nichts am Bestand geändert werden. Oder die Bauanträge können auch erst einmal für ein Jahr zurückgestellt werden. Wie gesagt, nicht alle Bauherren freut das. Manche drohen schon einmal mit einer Schadensersatzklage. Um die Pläne zügig zu bearbeiten, wird beim Amt nun extra für St. Peter-Ording ein Stadtplaner eingestellt.

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