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EU-Projekt verbindet deutsche und dänische Kultur : „Nordmus“ macht Kunst grenzenlos

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

53 deutsche und dänische Kulturstätten sollen nachhaltige Kooperationsmodelle finden, wofür die EU 1,2 Millionen Euro bereitstellt.

Kunst ist ihrer Natur nach grenzenlos und entzieht sich weitgehend jeder nationalen Beschränkung oder gar nationalistischen Deutung. Das ist das Ergebnis einer Podiumsdiskussion, zu der die Partner des deutsch-dänischen Museumsprojekts „Nordmus“ ins Nordsee-Museum (Nissenhaus) in Husum eingeladen hatten. Für diese These fanden Dr. Uwe Haupenthal (Nordfriesland Museum) und Dr. Alexander Bastek (Museum Behnhaus Lübeck) sowie Anne Højer Petersen (Fuglsang Kunstmuseum Lolland) und Ove Mogensen (Kunstmuseum Tondern) reichlich Belege. „Kulturelle Identität ist immer in Bewegung“, betonte Dr. Haupenthal und nannte Emil Nolde ein „Paradebeispiel“. Unbeeindruckt von den zu seinen Lebzeiten verschobenen Staatsgrenzen habe er sein Werk fortgeführt.

Schnell war auch der von Ove Mogensen (Kunstmuseum Tondern) verwendete Begriff einer „nordischen Kunst“ relativiert, wie er von den Nazis pervertiert worden war. Mogensen bezog nämlich Filme und Musik sowie das international begehrte dänische Design mit ein und fand so zu dem für deutsche Ohren neutralen Begriff der nordeuropäischen Kunst. Wo die genau zu verorten sei, überlegten alle und beendeten ihre gedankliche Reise erst an den Alpen. So habe der französische Impressionist Claude Monet (1860 bis 1926) seine Begeisterung für jene Landschaft mal von Süden, mal von Norden ausgedrückt – aus Sicht der Teilnehmer ein weiterer Beleg für grenzenlose Kunst.

Daher waren für eine erste gemeinsame Ausstellung mit dem Titel „Begegnungen“ Ende 2016 auch keine lokalen oder nationalen Themen gewählt worden, sondern hüben wie drüben entstandene Kinder- und Blumenbilder sowie Porträts und Stillleben bedeutender Künstler der Zeit zwischen 1860 und 1960 wurden nebeneinander gehängt. Das habe interessante Vergleiche ermöglicht. So fand Dr. Bastek „spannende Unterschiede in den Frauenbildern“. Die Auswahl aus den Sammlungen habe dazu geführt, auch „die eigene Kunst neu entdecken zu können.“

In Stichworten trugen die Museumsleiter Vorteile des neuen Verbundes zusammen: größere Sammlungen, neue Impulse, Kooperationen und Netzwerke sowie Kontakte zu den Medien an den jeweiligen Standorten.

Als eher nachteilig, vor allem für kleinere Museen, stelle sich das von der EU geforderte Berichtswesen heraus. Jenseits der bei den Akteuren spürbaren Begeisterung für die Kunstprojekte sind aber organisatorische Ziele zu erfüllen. Der Fokus der EU liegt laut Nordmus-Projektleiter Dirk Keil darauf, auf Dauer tragfähige Strukturen zu schaffen, Folglich hatten sich die Teilnehmer kurz vor dem Husumer Event in Oldenburg versammelt, um nach einer schlüssigen Organisationsform zu suchen. Vereine könnten zwar dies- oder jenseits der Grenze gegründet werden, würden die Partner im anderen Land aber nur zu „Anhängseln“ degradieren, beschrieb Keil die Lage. Es mangele an grenzübergreifenden Organisationsformen, und die wenigen seien so kompliziert wie ihre Namen klingen: „Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit“ oder „Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung“. Zu letzterer tendieren die Akteure von Nordmus.

Wie das auch inhaltlich passt, machte Anne Højer Petersen deutlich. Wohl die meisten Museen deckten inzwischen auch Ziele der Tourismuswirtschaft ab. Ihr Haus sei eindeutig ein „Ausflugsmuseum“ mit Shop, Bewirtung und sogar Bed & Breakfast-Angeboten im benachbarten Gutshaus. Dafür habe sie hinzu lernen müssen. „Wir Kunsthistoriker sind nicht gerade geborene Betreiber von Cafés.“

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erstellt am 14.Jul.2017 | 10:10 Uhr

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