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Herzdruckmassage rettet 70-Jährigen : Nordfrieslands Kreiswehrführer lobt Lebensretter

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Meldung von der Rettung eines 70-Jährigen durch Herzdruckmassage am Außenhafen in Husum ruft Fernsehteams auf den Plan.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 11:00 Uhr

Der blitzschnelle Einsatz von drei Ersthelfern, die freiwilligen Feuerwehren in Uelvesbüll, Ost-Langenhorn und von der Hallig Gröde angehören, hat einem 70-Jährigen das Leben gerettet (wir berichteten). Die Nachricht rief jetzt Fernsehteams an den Ort des Geschehens. Sie stellten mit den drei Rettern das dramatische Szenario nach.

Michael Schmidt (23) und Jan-Peter Petersen (24) sitzen in ihrem Golf und machen ihre Frühstückspause. Der Kaffee dampft in ihren Tassen. Beide blicken über den Außenhafen. Da sehen sie, wie in Sichtweite ein Pkw mitten auf dem Parkplatz hält. Eine Frau reißt die Autotür auf, springt hinter dem Lenkrad hervor und ruft gellend um Hilfe – dann geht alles ganz schnell. Michael Schmidt ist Feuerwehrmann in Uelvesbüll, sein Kollege in Ost-Langenhorn. Sie lassen die Frühstücksbrote fallen und rennen zu dem Auto hinüber. Schnell ist die Lage klar: Auf dem Beifahrersitz kauert der Ehemann der Fahrerin – bewusstlos. Michael Schmidt und Jan-Peter Petersen erkennen keinerlei Vitalfunktionen mehr. Sofort heben sie ihn aus dem Wagen, legen ihn auf den Asphalt und beginnen mit der dringend gebotenen Reanimation. Ein Passant eilt zum Hafenamt und bittet Hafenmeister Dieter Haubenreißer, sofort den Notruf 112 zu wählen. Das erledigt dort Luey Hikmat (41). Auch er rennt sogleich an den Einsatzort. Er ist Mitglied der Feuerwehr auf der Hallig Gröde. Auch er erkennt die ernste Lage und unterstützt Michael Schmidt bei der Herzdruckmassage. Petersen, der den Bewusstlosen beatmet, hält per Handy Kontakt mit der zentralen Rettungsleitstelle in Harrislee, die von Achim Hackstein geleitet wird. Die Disponenten dort sind so ausgebildet, dass sie über Telefon auch jedem Laien präzise Anweisungen zur Durchführung der Reanimation geben können.

Die Männer vor Ort sind durch die wiederholten Fortbildungen in Wiederbelebung fit. Einer der Passanten rennt an die Straße, um den etwa sechs Minuten Minuten später eintreffenden Rettungswagen (RTW) sowie das parallel alarmierte Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) einzuweisen. Zum Glück ist der Bahnübergang zum Außenhafen offen. Notärztin Anette Mauch und die Rettungsteams finden vor Ort für diese bilderbuchartige Hilfeleistung ausschließlich lobende Worte. Nach längerer Behandlung vor Ort wird der 70-jährige Patient auf die Intensivstation eines Klinikums verlegt.

Kreiswehrführer Christian Albertsen erfährt von dem Einsatz der Ersthelfer aus den Reihen der freiwilligen Feuerwehren im Kreis Nordfriesland. Er findet nachdenkliche Worte: „Es ist in der heutigen Zeit leider nicht selbstverständlich, dass Menschen ihrer Pflicht, Erste Hilfe zu leisten, nachkommen – stattdessen verlangen sie es immer öfter von anderen.“

Zu diesem spontanen Einsatz merkt er an: „Ich bin schon stolz, Kreiswehrführer dieser drei Kameraden zu sein, dabei kann doch eigentlich jeder helfen.“ Albertsen spielt den Fall noch einmal in Gedanken durch: Hätte die Frau nicht sofort angehalten und um Hilfe gerufen und wären die beiden Kameraden nicht sofort hinübergelaufen – es wäre wertvolle Zeit verstrichen mit offenem Ausgang für den Patienten. Der Bevölkerung empfiehlt der Kreiswehrführer „dringend zu überlegen, ob man nicht Mitglied in einer der Hilfsorganisationen sein könnte. Jeder kann morgen ebenfalls Hilfe benötigen.“

Auch Christian Wehr, Leiter des Rettungsdienstes des Kreises, betont, dass Ersthelfer eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Rettungskette spielen. „Sie haben einen entscheidenen Zeitvorteil – das muss hier klar gesagt werden.“

Zurückhaltend reagieren die drei Feuerwehrmänner. „Das möchte man nicht alle Tage erleben, aber wir sind halt für den Fall der Fälle ausgebildet“, sagt Jan-Peter Petersen.

Michael Schmidt sieht seine lebensrettende Herzdruckmassage „als eine Hilfeleistung, zu der eigentlich jeder in der Lage sein sollte.“ Für Luey Hikmat war es „einfach selbstverständlich, meinen Feuerwehrkameraden bei der Herzdruckmassage abzulösen“.

Als NDR-Redakteur Frank Goldenstein den beherzten Männern dankt und schließlich ganz deutlich signalisiert: „Ihr habt einem Menschen das Leben gerettet – dafür gesorgt, dass er weiterleben kann“, bekennen sie übereinstimmend: „Für uns war das alles ganz selbstverständlich – wir würden es jederzeit wieder machen.“

Darum, dass Lob und Anerkennung auch noch von höchster Stelle in Kiel, direkt aus der Staatskanzlei von Ministerpräsident Daniel Günther kommt, will sich Kreiswehrführer Christian Albertsen bemühen. Sein deutliches Signal: „Ich bleibe da fest am Ball.“ Und wer Christian Albertsen kennt, der weiß auch: Sein Wort zählt – zuverlässig.


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