Panzerfäuste und Handgranaten : Nordfriesland: Polizei entdeckt riesiges Waffen-Arsenal in Einfamilienhaus

Experten des Kampfmittelräumdienstes rückten in Winnert mit Schutzwesten, Helmen und einer Bombentransportkugel an.
Experten des Kampfmittelräumdienstes rückten in Winnert mit Schutzwesten, Helmen und einer Bombentransportkugel an.

Wieder ermittelt die Polizei gegen einen Waffennarren. In Winnert handelt es sich um einen Zufallsfund.

shz.de von
08. Juli 2015, 07:01 Uhr

Winnert | Nach dem Panzer sind es nun Panzerfäuste. Die Polizei ist wieder bei einem Waffennarren angerückt. Was die Beamten am Dienstag in Winnert (Kreis Nordfriesland) entdeckten, dürfte zu den größten jemals in Schleswig-Holstein gemachten Funden zählen: Ein Einfamilienhaus voller Panzerfäuste, Handgranaten, Maschinenpistolen, Munition und Sprengstoff – vorwiegend aus dem Zweiten Weltkrieg. „Es ist unvorstellbar, was da rausgetragen wurde“, sagt Bürgermeisterin Jutta Rese. „Es war eine ungeheure Gefährdung der Bevölkerung, ein Feuer oder auch nur ein Kurzschluss hätten zu einer Katastrophe geführt.“

Das Arsenal war ein Zufallsfund. Die Kripobeamten wollten einen Durchsuchungsbeschluss vollstrecken. „Wir ermitteln wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz“, sagt Otto Gosch, Sprecher der zuständigen Flensburger Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte soll fünf Waffen aus der Slowakei eingeführt haben, die als „Salutwaffen“ deklariert waren. Tatsächlich soll es aber möglich gewesen sein, sie mit einfachen Mitteln wieder kriegstauglich zu machen.

Sichergestellt: Etliche Munitionskisten und rostige Waffenteile in Winnert in Nordfriesland.
sh:z
Sichergestellt: Etliche Munitionskisten und rostige Waffenteile in Winnert in Nordfriesland.
 

Federführend bei den Ermittlungen ist das Bundeskriminalamt in Wiesbaden, das deutschlandweit gegen Personen ermittelt, die sich im Internet diese „Salutwaffen“ bestellt haben.

Als die Ermittler das Einfamilienhaus in einer Neubausiedlung betraten, informierten sie sofort den Kampfmittelräumdienst. Dessen Experten mussten gleich eine Handgranate im Garten sprengen, die nicht mehr transportiert werden konnte. „Wir alle mussten dazu unsere Häuser verlassen“, berichtet Nachbarin Bärbel Fehr.

Danach begannen die Experten mit der Bergung. Ein Lkw fuhr dazu Gitterboxen vor, in die Beamte im Minutentakt Waffen und Munition legten. Auch illegales Feuerwerk soll zum Sortiment des 35-jährigen Waffennarren zählen, der nach Informationen des sh:z als Techniker für Windkraftanlagen arbeitet und alleine in dem Einfamilienhaus lebt. Teilweise soll die Munition auch vergraben im Garten gelegen haben.

Wegen der unglaublichen Menge konnten am Dienstag noch nicht alle Gegenstände sichergestellt werden. Der Abtransport ging am Mittwoch weiter, die Durchsuchungen dauern an.

Bisher stellten die Ermittler knapp 90 Kilogramm des Sprengstoffs TNT sicher. „Außerdem beschlagnahmten die Beamten 40 Langwaffen, darunter ein Maschinengewehr, diverse Kurzwaffen, zwei Panzerfäuste und eine Landmine russischer Herkunft“, sagte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Mittwoch. Der Besitzer hat keinerlei Vorstrafen. „Der Hintergrund ist völlig unklar“, so Stahlmann-Liebelt weiter.

Das Bundeskriminalamt will zu den „Salutwaffen“-Ermittlungen keine Auskunft geben. Oberstaatsanwalt Gosch sagt: „Laut des BKA-Waffensachverständigen sollen die ,Salutwaffen‘ mit allgemein gebräuchlichen Werkzeugen wieder nutzbar gemacht werden können, was einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz darstellt.“

Ein Razzia bei einem Waffennarren im Villenviertel von Heikendorf bei Kiel hatte vergangene Woche bundesweit für Aufsehen gesorgt: Zwei Tage brauchten Pioniere der Bundeswehr, um einen Panzer vom Typ „Panther“ mit zwei Bergepanzern aus dem Keller eines Hauses zu holen.
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