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Konjunkturumfrage : Nordfriesland gehen die Fachkräfte aus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die aktuelle Konjunkturlage ist nicht schlecht. Dennoch blicken nordfriesische Firmen-Chefs verhalten optimistisch in die Zukunft. Große Sorgen bereiten der Fachkräfte-Mangel und fehlender Breitband-Ausbau.

So durchwachsen wie das Wetter präsentiert sich die wirtschaftliche Lage an der Westküste: „Es gibt erste Anzeichen dafür, dass der konjunkturelle Aufschwung seinen Zenit überschritten hat“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste, Ken Blöcker. Aber auch: „Der Blick in die Zukunft ist nicht komplett duster.“ Mit einem großen konjunkturellen Wetterumschwung werde auch für 2017 nicht gerechnet. Seine Einschätzung fußt auf den Ergebnissen der aktuellen Konjunkturumfrage der Arbeitgeber-Organisation.

Ihr gehören rund 350 Unternehmen mit mehr als 36.000 Mitarbeitern zwischen der dänischen Grenze und Norderstedt an. 130 von ihnen, darunter 23 aus Nordfriesland, haben sich an dem Stimmungstest beteiligt. Details stellten Blöcker, sein Geschäftsführer-Kollege Sebastian Koch und der Verbands-Vize sowie Chef der Tönninger Firma Adolf-Nissen-Elektrobau, Dieter Wade, gestern in Husum vor. Als Gastgeber fungierte Erik Weißflog, Geschäftsführer der Firma Corax, eine Agentur für Kommunikation und Design.

Die Situation in Nordfriesland stellt sich danach einmal mehr etwas anders dar als an der südlichen Westküste. 29 Prozent der Unternehmen und damit doppelt so viele wie im Verbandsdurchschnitt bewerten die generelle wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Halbjahr deutlich schlechter. Und von mehr Aufträgen profitieren im Kreisgebiet nur 17 Prozent der Firmen – gegenüber 30 Prozent insgesamt. Deutlich pessimistisch werden im Norden auch die Aussichten für das kommende Jahr beurteilt. Dennoch rechnen 55 Prozent der Firmen-Chefs mit einer positiven Umsatzentwicklung. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es nur 44 Prozent. Insgesamt ist die Auftragslage zurzeit aber noch relativ gut, wenn auch „ausbaufähig“, wie Blöcker anmerkte.

Neben Infrastruktur-Defiziten wie beim B  5-Ausbau, steigenden Energiepreisen und überbordende Bürokratie machen Unternehmen im Norden vor allem zwei Probleme massiv zu schaffen: Zum einen leidet Nordfriesland immer stärker unter dem Mangel an Fachkräften – ein Umstand, der bereits 58 Prozent (plus acht Prozent) der Unternehmer belastet. Zum anderen gerät Nordfriesland durch fehlende Breitband-Versorgung immer mehr ins Hintertreffen. 41 Prozent fühlen sich dadurch massiv in ihrem wirtschaftlichen Handeln beschränkt. In Dithmarschen oder Steinburg klagen darüber deutlich weniger Chefs.

Auffällig ist die Tatsache, dass die Investitionen der Unternehmen nach wie vor nicht mit der Auftragslage Schritt halten, obgleich die Mittel dafür angesichts des Zinsniveaus günstig zu haben wären. In Nordfriesland herrscht diesbezüglich sogar eher Zurückhaltung – ein Umstand, den Dieter Wade aus unternehmerischer Sicht nicht nachvollziehen kann. „In der Tat ist jetzt eigentlich die richtige Zeit, um zu investieren“, räumt auch Koch ein. Er und Blöcker gehen aber davon aus, dass vielen Unternehmen derzeit im Tagesgeschäft nur wenige Planungs- und Organisationskapazitäten bleiben, um Investitionen in Angriff zu nehmen. Und Weißflog vermutet, dass sich auch in diesem Bereich schon der Fachkräfte-Mangel bemerkbar macht. Fakt ist, dass sich dieser überall an der Westküste zuspitzt. Auch qualifizierte Auszubildende werden händeringend gesucht. So gaben bei der Umfrage nur noch 15 Prozent der Firmen-Chefs an, eine Stelle binnen 30 Tagen besetzen zu können. Überdies klagt inzwischen mehr als jedes vierte Unternehmen über zu hohe Personal- und Arbeitskosten. Die allgemeine Entwicklung sieht Sebastian Koch mit Sorge: „Das führt über kurz oder lang dazu, dass sich Unternehmen gegenseitig Arbeitnehmer abjagen. In einer Region, in der Wirtschaft auch von Solidarität geprägt sei, könne das künftig zu Verwerfungen führen.

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erstellt am 13.Dez.2016 | 15:00 Uhr

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