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„Sechzig kleine Welten“ : Nordfriesland erdet Friedel Anderson

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der bekannte norddeutsche Maler Friedel Anderson wird zu seinem 60. Geburtstag in Husum mit der Ausstellung „Sechzig kleine Welten“ geehrt, die seine eigene Idee war.

Friedel Anderson gehört zu den bedeutendsten Malern Norddeutschlands. Geboren 1954 in Oberhausen, ist er im Kreis Steinburg aufgewachsen. Zu seinem 60. Geburtstag ehrt das Landesmuseum Schleswig-Holstein den zurückhaltenden, beinahe scheu wirkenden Künstler aus Itzehoe mit einer Retrospektive. Schon eine Woche zuvor ist in der Galerie Lüth in Husum-Halebüll eine Werkschau mit „Sechzig kleinen Welten“ des Künstlers eröffnet worden. Über das Künstler-Dasein mit 60, das Verhältnis zu seinem Galeristen, die Norddeutschen Realisten und mögliche Zukunftsprojekte äußerte sich Friedel Anderson im Gespräch mit unserer Zeitung.

 

Irgendwann musste es ja passieren:  Wie fühlt man sich mit 60 Jahren?

Eigentlich nicht anders als vorher. Allerdings macht 60 zu werden viel Arbeit – allein schon wegen der Ausstellungen. Die bei Hein Lüth habe ich mir  allerdings selbst gewünscht. Und  von Schloss Gottorf habe ich gerade erfahren, dass ich der erste Künstler bin, dem dort zu runden Geburtstagen regelmäßig eine Ausstellung beschert wurde. Da möchte ich zu meinem Sechzigsten natürlich das Beste zeigen. Aber dafür muss ich auch sehr viele Leihgaben zusammenholen. Ich glaube, es sind so um die 40 Leihgeber.

 

Wie wichtig sind solche langjährigen Beziehungen zu Galeristen  – noch dazu in einer Zeit, da das Internet für den Kunst-Handel zusehends an Bedeutung gewinnt?

Wenn man wie ich lieber Bücher und Zeitungen liest, ist einem alles Virtuelle schon suspekt. Mir ist handfester Kunsthandel lieber. Hein Lüth ist mir seit Langem ein loyaler Partner und Freund. Deshalb wollte ich auch gern bei ihm ausstellen. Er hat mir kürzlich erzählt, dass er sich wegen meines Geburtstages gar nicht zu fragen getraut hatte. Na ja, dafür habe ich ihn  gefragt und die Idee mit den 60 kleinen Welten eingebracht.

 

Im Wenzel-Hablik-Haus haben Sie Bilder gezeigt, in denen Sie sich auf Ikonen Ihrer Zunft beziehen  – von Dürer bis Corinth. Wie wichtig sind solche Vorbilder? Und wie geht man als Künstler damit  um?

Wenn man erkannt hat, dass  alles auf allem aufbaut, ist die Sache eigentlich ganz einfach. Mir ist dieser Zusammenhang  schon während meines Studiums klar geworden. Und mehr noch als beim Malen habe ich dann  in Archiven und Bibliotheken festgestellt, wie wichtig die Vergangenheit für die Zukunft ist. Man entdeckt immer wieder Neuland, auch in den kleinsten Städten. Es ist ein unerschöpfliches Reservoir. Lucian Freud hatte Tag und Nacht Zugang zu den Londoner Museen. Was für eine wunderbare Vorstellung...

 

Sie haben in der Vergangenheit wiederholt an nordfriesischen Themen gearbeitet. Was bedeutet Ihnen dieser Landstrich?

Klaus Fußmann hat mal gesagt, die Westküste sei eher langweilig: Hier ne graue Wolke und darunter nix. Das habe ich nie so gesehen, aber ich habe auch noch  nie ernsthaft darüber nachgedacht.  Ich denke, wenn man – wie ich – oft im Süden ist, bringt einen diese Landschaft wieder auf den Boden zurück. Erdung ist wichtig.   Und dann dieses einfache Grundmuster aus waagerecht und   senkrecht – wie ein Kreuz.

 

Die Ausstellung Ihres Kollegen Christopher Lehmpfuhl im Nordsee-Museum in Husum war enorm erfolgreich. Auch Sie stehen hoch im Kurs. Wie erklären Sie sich diesen Hype der Realisten? Und finden Sie das Ganze nicht manchmal ein bisschen beängstigend?

Beängstigend? Einerseits ja, aber andererseits auch wieder nicht, also jedenfalls nicht (lacht) beängstigend beängstigend.  Ich frage mich eher: Stimmt das so? Ist das berechtigt? Hoffentlich basiert das nicht auf einem Irrtum!  Andererseits habe ich natürlich auch darauf hingearbeitet. Das war ja nicht immer so. Und den Hype der Realisten? Das hat sicher auch mit  Identifikation zu tun.

Unabhängig vom Erfolg der   Realisten gibt es Skeptiker, die das Ende des Tafelbildes propagieren. Was sagen Sie dazu?

Das ist eine Frage, mit der ich mich schon lange nicht mehr befasst habe, weil sie für mich irgendwie unattraktiv geworden ist.  Der Tod des  Tafelbildes ist schon so oft propagiert worden. Aber als damals die sogenannten Neuen Wilden kamen, haben alle „Hurra“ geschrien. Oder denken Sie an Joseph Beuys, der mal gesagt haben soll, es sei an sich schon ein Fehler, eine Leinwand zu bespannen. (Pause) Was soll man da noch sagen?

 

Eigentlich sollte man mit 60 Jahren  vielleicht etwas kürzer treten. Das dürfte Ihnen in diesem Jahr kaum gelingen, oder?

Nee, erst mal nicht. Und das muss ja jetzt auch alles zu Ende gebracht werden.

 

Gibt es ein Projekt, dass Sie bisher nicht haben angehen können, aber gern realisieren würden?

Ja, mehrere. Ich würde zum Beispiel gern noch einmal plastisch arbeiten. Das möchte ich schon seit vielen Jahren. Es  zeigt, wie eingebunden ich bin, dass es mir bislang nicht gelungen ist. Und dann würde  ich auch gern noch eine Maler-Reise nach Griechenland machen, und mich auf die Spuren von Carl Rottmann (1797 bis 1850) begeben.  Der wurde seinerzeit von König Ludwig I. mit einem Griechenland-Zyklus beauftragt, der heute in München hängt. Ja, das würde ich gern machen. Aber darüber  denke ich jetzt auch schon acht Jahre nach.

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