zur Navigation springen

Wacken Open Air - WOA : Nordfriesische Seelsorger für Metal-Fans in Not

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zwei Nordfriesen kümmern sich als Seelsorger beim Metal-Festival Wacken um diejenigen, denen alles zu viel wird.

Wenn die Metal-Fans aus der ganzen Welt am Wochenende im beschaulichen Wacken eintreffen, dann sind auch Mirko Pludrzinski aus Mildstedt und Lars Wulff aus Koldenbüttel mit dabei.

Beide verbindet eine lange Freundschaft: Als Sechzehnjähriger war Mirko Teilnehmer einer von Lars Wulff organisierten kirchlichen Jugendfreizeit. Die beiden kamen ins Gespräch – Mirko strebte später die gleiche Laufbahn an wie sein Mentor und wurde ebenfalls Diakon. Jetzt – 17 Jahre später – treffen sie sich in Wacken. Nicht nur als Metall-Fans, sondern eher wie die Blues-Brothers „im Auftrag des Herrn“: Sie arbeiten ehrenamtlich für das Jugendwerk der Nordkirche als Seelsorger auf dem Festival. Hier sind die Rollen neu und diesmal andersrum verteilt: Mirko ist diesmal der alte Hase und Lars Wulff mit seinem dritten Festivaleinsatz noch fast ein Neueinsteiger.

„WOA-Seelsorger“ steht auf ihren Shirts, sie tragen das Armband mit der Aufschrift Crew und gehören somit zum offiziellen Festival-Team. 18 Personen – Pastoren, Therapeuten, Berater und Laien – gehören zu den ehrenamtlichen Seelsorgern, die in der Festivalzeit in ihrem Zelt im Sanitätsbereich anzutreffen sind. Sie machen Dienst vom frühen Nachmittag bis in die späte Nacht, um Ratsuchenden eine Gesprächsmöglichkeit zu bieten. „Hier gibt es zwei Grundsätze“, erklärt Mirko Pludrzinski, der beim WOA bereits zum sechsten Male als Seelsorger tätig ist: „Wir sind nicht die Notfall-Seelsorge, sondern bieten Ratsuchenden einen Rat. Und das, was Menschen uns anvertrauen, gelangt nicht in die Öffentlichkeit.“ Viele Menschen interessiere, mit welchen Problemen die Wacken-Fans zu den Seelsorgern kommen, aber das fällt in den Bereich der Verschwiegenheit. „Wir sind auf dem Gelände der einzige Ort, an dem so etwas wie eine Privatsphäre geboten werden kann“, erklärt Pludrzinski. Aber gesagt werden darf, dass die Menschen mit ganz alltäglichen Anliegen kommen. Es gehe um Beziehungen oder um nicht erreichte Schulabschlüsse und Probleme mit Eltern und Freunden. „Oftmals brechen diese Themen in der Festivalsituation auf, denn da haben die Metall-Fans Zeit nachzudenken. Dabei geht es um einfache, aufmunternde Gespräche oder auch um Vermittlung von weiterer professioneller Hilfe in den Wohnorten der Ratsuchenden.“

Und Lars Wulff erinnert sich: „Im letzten Jahr kamen viele junge Menschen zu uns, die wegen der schlechten Wetterlage einfach fertig waren. Die Zelte waren abgesoffen, die Kleidung vom Dauerregen durchnässt und gute Freunde zerstritten. Da mussten wir oft mit warmen Worten, warmen Getränken und warmen Decken ein bisschen Zuwendung leisten.“

Im Gegensatz zu den normalen Festivalteilnehmern gönnen sich Mirko und Lars mit den anderen Seelsorgern ein bisschen Luxus: Sie wohnen im Gemeindehaus der Kirchengemeinde, dort gibt es ein festes Nachtlager, eine Dusche und immer einen Kaffee. Außerdem dient das Gemeindehaus als Besprechungsraum des Teams – denn alle Einsätze werden am Folgetag noch einmal besprochen, und verbindliche Dienstpläne für die Festivaltage werden aufgestellt. Professionalität und Absprachen sind dem Team an diesem sehr improvisierten Arbeitsplatz sehr wichtig, damit bestmögliche Arbeit geleistet werden kann. Auch die Freizeit ist für alle Seelsorger gut bemessen, denn die Arbeit kann sehr fordern. Freizeit bedeutet auch für die Seelsorger Festivalgenuss. „Dann freue ich mich auf Steel Panther und die Red Hot Chili Pipers“ verrät Lars Wulff lächelnd.


 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen