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Vorbild für andere Regionen : Nordfriesische Ideen machen Mut

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stiftung „Kulturlandschaft“ will einen mit 15.000 Euro dotierten Preis an den Kreis Nordfriesland verleihen. Gewürdigt wird damit dessen Daseinsvorsorge in Zeiten des demografischen Wandels.

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erstellt am 06.Mär.2015 | 09:00 Uhr

Lob und Geld für Nordfriesland: Der Kreis erhält in diesem Jahr den Preis der Deutschen Stiftung „Kulturlandschaft“. Das gab der Stiftungsvorsitzende Helmut Born in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung in Berlin bekannt. Der Preis mit dem doppeldeutigen Namen „Landschafft“ wird laut Stiftung alle zwei Jahre vergeben und soll solche Regionen auszeichnen, die „eine attraktive Kulturlandschaft in Verbindung mit einer positiven Entwicklungsbilanz besitzen“ und außerdem „zusätzliche Anstrengungen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse unternehmen“. Born: „Wir würdigen das eigenverantwortliche Engagement des Landkreises sowie seiner Gemeinden und Bürger bei der Bewältigung des demografischen Wandels.“

Vorangegangen war ein zweistufiges Auswahlverfahrens, an dem sich auch der Deutsche Landkreistag beteiligt hatte. Urkunde, Plakette und ein Scheck über 15.000 Euro werden am 29. Mai im Rahmen einer Kreistagssitzung im Kreishaus in Husum offiziell überreicht.

„Trotz seiner peripheren Lage ist es Nordfriesland immer wieder gelungen, wirtschaftliche und soziale Entwicklungsperspektiven für seine Bewohner zu entwickeln, die in Deutschland beispielgebend Mut machen“, begründete Stiftungschef Born die Auszeichnung des Kreises. So schaffe es Nordfriesland beim Wirtschaftswachstum mit dem Land Schleswig-Holstein mitzuhalten, obwohl der Kreis nur dünn besiedelt ist und die Bevölkerungszahl leicht rückläufig. Gründe für den Erfolg seien die „leistungsfähigen Hotel- und Gaststättenbetriebe“, die „kräftig gewachsene Energiewirtschaft“ und die „wettbewerbsfähige Landwirtschaft“. Aber auch die naturnahe Landschaft mit ihrer „artenreichen Flora und Fauna“ sei ein Erfolgsfaktor.

Der Landkreis Nordfriesland verfügt über eine beispielhaft gepflegte und genutzte Kulturlandschaft. Historisch geprägt durch die Herausforderungen des Küstenschutzes und der Land(rück)gewinnung, haben Bauern, Fischer und Seeleute die Landschaft und Siedlungsstrukturen geprägt und den jeweiligen Erfordernissen angepasst. Zugleich wurde aber auch – naturräumlich unterschiedlich – erfolgreicher Arten- und Biotopschutz betrieben. „Nordfriesland zeigt auf attraktive Weise, dass Nutzung und Schutz natürlicher Ressourcen kein Gegensatz sind. Nur die Verbindung beider Ziele sichert die Bleibeperspektiven für die junge Generation in Nordfriesland“, betonte Dr. Helmut Born.

Besonders lobt die dem Bauernverband nahestehende Stiftung (gegründet 2006) den „Masterplan Daseinsvorsorge“ des Kreises, der Ende 2011 vorgestellt worden war. In die Vorarbeiten für diesen Plan waren ehren- und hauptamtliche Entscheidungsträger, viele weitere Akteure vor Ort sowie Experten und Wissenschaftler eingebunden. Sie hatten sich mit den Bereichen Feuerwehr und Rettungswesen, Kinderbetreuung und Pflege von Senioren, der medizinischen Versorgung, mit kulturellen Einrichtungen, den Schulen sowie der Sicherung der Mobilität befasst. Auf Grundlage des Masterplans sind dann bis Ende 2013 ein Kooperationsraum- und ein Mobilitätskonzept erarbeitet worden. Vorschläge aus beiden Papieren sind seitdem eine Ideenschmiede für Nordfrieslands 133 Kommunen. Bereits in vielen Orten umgesetzt, ist die Einrichtung von Markttreffs, um in dem 162.000-Einwohner-Kreis eine wohnortnahe Grundversorgung sicherzustellen. Wo das nicht möglich ist, werden Bürger-, Gemeinde- und Vereinsbusse oder sogar private Gemeinschaftsautos angeboten, um die Menschen dorthin zu bringen, wo sie ihre Besorgungen erledigen können. Auch der Einsatz von Mobilitäts-Gutscheinen für Bewohner sehr kleiner Siedlungen oder windkraftbetriebene Elektroautos sind als Möglichkeiten.

Kreispräsident Heinz Maurus war zur Vorstellung des Preises nach Berlin gereist und betonte erfreut: „Er bestätigt uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Die ländlichen Räume sind dem demografischen Wandel keineswegs hilflos ausgeliefert: Kleine Gemeinden, die sich rechtzeitig vorbereiten, können die Lebensqualität ihrer Bürger auch zukünftig sicherstellen und damit als Wohnstandorte attraktiv bleiben.“ Per Mitteilung gratulierte auch der nordfriesische CDU-Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing: „Ich bin stolz, dass mein Heimatlandkreis diese Auszeichnung bekommt. Der Preis wird dem Kreis verliehen, weil die Region in einem strukturschwachen Raum liegt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Beispielhaftes zur nachhaltigen Landentwicklung geleistet hat. Mit dem Masterplan ‚Daseinsvorsorge‘ leistet der Kreis Nordfriesland zudem bundesweit Pionierarbeit.“

Prognose

2025 soll die Zahl der jüngeren Nordfriesen bei etwa 17 Prozent liegen und die Gruppe der über 60-Jährigen auf etwa 35 Prozent gestiegen sein.

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