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Die Wunder der Natur : Nordfriesin im Zauber des Polarlichts

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine junge Meeresbiologin aus Almdorf lebt seit drei Jahren in Norwegen und arbeitet an der Universität Tromsø an ihrer Doktorarbeit. Die Feiertage verbringt sie allerdings in Nordfriesland bei ihrer Familie.

Von Nordfriesland in den Norden der Welt zog es Anja Striberny aus Almdorf. Zunächst nur der Liebe wegen. Doch inzwischen bindet die junge Meeresbiologin weitaus mehr an das Land der Gnome und Trolle: die unglaublich faszinierende Natur – allem voran das Nordlicht.

„Ich bin infiziert mit dem Bazillus Aurora borealitis“, lacht die 28-Jährige, „eine schwere Sucht, die mich in sternklaren Nächten raus in die Natur zieht.“ Ihre Begeisterung steckt an. Sie schildert das Polarlicht in den schillerndsten Farben, schwärmt von dem unglaublich intensiven Grün, das mystisch über den nachtblauen Himmel tanzt. Mal feengleich, wie von Geisterhand bewegt, mal sternförmig strahlend im Kontrast zu einem leuchtenden Violett.

Unzähligen Touristen hat die Nordfriesin schon als Nordlicht-Guide die Naturwunder Norwegens näher gebracht. Doch jetzt stürzt sie sich voll in ihre Arbeit. Denn seit April dieses Jahres ist sie Doktorandin im Institut für arktische und marine Biologie an der Universität in Tromsø. „Das nimmt viel Zeit in Anspruch“, erzählt sie. Aber über die Feiertage legt sie eine Pause ein und kommt mit ihrem Freund nach Hause. Auch für Bernd Ketelsen (34) bedeutet der Weihnachts-Besuch in Nordfriesland ein Wiedersehen mit der Familie und mit Freunden – denn er stammt aus Ahrenviölfeld.

Anja Striberny und Bernd Ketelsen haben beide die Theodor-Storm-Schule in Husum besucht. Aber sie trafen sich dort nie, denn Bernd war Abitur-Jahrgang 1999, Anja 2005. Erst beim Biologie-Studium in Kiel lernten sie sich kennen – und lieben. Als ihr Freund im Sommer 2007 für seine Doktorarbeit nach Tromsø zog, besuchte ihn Anja Striberny, so oft sie nur konnte. Im Februar 2011 schloss sie ihr Studium als Diplombiologin ab und zog zu ihm. Um erst einmal Arbeit zu bekommen, absolvierte sie einen Kursus zur Fremdenführerin – eigentlich für Stadtrundfahrten und Landschaftsfahrten in und um Tromsø. Aber im Winter gingen dann die Nordlicht-Touren los, und da war die Biologin voll in ihrem Element: „Drei von sieben Nächten war ich dafür unterwegs.“

Die Sprache war für die Nordfriesin kaum ein Problem. In der Schule hatte sie als dritte Fremdsprache Dänisch, „das hat mir sehr geholfen“. Aber das meiste lernte sie dann doch vor Ort im alltäglichen Leben. Die Absprachen mit den Busfahrern bei den Besichtigungs-Touren schulten sie, und inzwischen spricht sie fließend Norwegisch und kann sogar mit ihrem Chef in der Uni fachsimpeln, ohne auf Englisch zurückgreifen zu müssen.

Die 28-Jährige ist nicht nur total glücklich mit ihrem Leben in Norwegen, sondern auch mit ihrer Arbeit und dem Forschungsprojekt. Wieder kommt sie ins Schwärmen, wenn sie erzählt. „Meine Arbeit schreibe ich über einen Süßwasserfisch“, erläutert sie. „Eine ganz spannende Sache, denn der Wandersaibling – mit dem Lachs verwandt – lebt in Nordnorwegen und hat eine Besonderheit.“ Das Skurrile ist: Im Sommer zieht der Wandersaibling ins Meer und haut sich die Wampe voll, im Winter kehrt er in den See zurück – und frisst gar nichts mehr. Fettsucht und Magersucht, immer wiederkehrend, gekoppelt an die Jahreszeit. Da muss ein Forscherherz höher schlagen! Bei Anja Striberny ist es jedenfalls so, und sie versucht nun, zusammen mit ihrem Chef in einer Grundlagenforschung herauszufinden, wie der Hunger bei Fischen hormonell gesteuert wird. Die spannende Fragestellung lautet: Wie kann man den Appetit abschalten?

„In der Forschung wird es nie langweilig“, fasst Anja Striberny zusammen. „Wenn man ein Türchen aufmacht, stehen schon wieder neue Fragezeichen dahinter.“ Ihr großer Wunsch wäre es, nach ihrer Promotion 2016 weiter in der Forschung arbeiten zu können – entweder an der Uni oder in einem Forschungsinstitut. Ob in Norwegen oder in einem anderen Land – das lassen die beiden offen.

Zurzeit genießen sie das Leben in Tromsø. Mit 70 000 Einwohnern eine kleine Stadt, die eher wie ein riesiges, gemütliches Dorf wirkt – ganz wie aus dem Bilderbuch. Vom Wohnzimmer seiner Wohnung aus blickt das Paar auf die Eismeer-Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt, und die Brücke, die zum Festland führt. 20 Autominuten entfernt ist man mitten in der Natur, kann Skifahren oder Wandern. Von der Nachbarinsel lassen sich sogar Buckelwale und Orkas beobachten, die bis auf 50 Meter ans Ufer herankommen. Ein Erlebnis für jeden Naturliebhaber, das sich auch Vater Walther Striberny nicht entgehen lassen wollte. Der pensionierte Biologie-Lehrer war erst kürzlich wieder bei seiner Tochter zu Besuch. Er arbeitet ehrenamtlich im Naturzentrum in Bredstedt mit – und so lag die Idee nahe, die Buten-Nordfriesin zu bitten, einen Vortrag über die Naturwunder Norwegens zu halten.

„In diesen hektischen Tagen vor dem Fest eine wunderbare Möglichkeit, bei diesen schönen Bildern zur Ruhe zu kommen“, freut sich Organisatorin Annemarie Matthiessen vom Naturzentrum über die Zusage der Referentin. Jeder ist eingeladen, sich in die Welt des Polarlichts entführen zu lassen. Beginn ist Freitag (20.) um 19 Uhr im Bredstedter Naturzentrum. Der Eintritt ist frei.


 

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