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Gesundheitsreport : Nordfriesen sind am wenigsten krank

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Krankenstand in Nordfriesland ist laut DAK-Gesundheitsreport gesunken. Doch die Zahl derjenigen, die unter psychischen Problemen leiden, nimmt zu.

Hauptsache gesund! Viele Nordfriesen haben in dieser Hinsicht zuletzt ein eher gutes Jahr erwischt. Dies weist der aktuelle Report der DAK-Gesundheit für 2015 aus. Die Krankenkasse hat allein in Nordfriesland rund 21.000 Versicherte und in diesem Jahr eine gute Botschaft: „Nordfriesland hat den geringsten Krankenstand in Schleswig-Holstein“, freut sich Simone Hansen-Zobel, Leiterin des DAK-Servicezentrums in Husum.

Mit ihrem Report legt die Krankenkasse bereits zum achten Mal in Folge auch Daten für Nordfriesland vor. Bei einer überregionalen Befragung ist überdies das Thema „Doping am Arbeitsplatz“ in den Fokus genommen worden.

Der Krankenstand bei den Kassen-Mitgliedern im Kreisgebiet ist der Untersuchung zufolge 2014 spürbar gesunken. An jedem Tag des Jahres waren statistisch gesehen 34 von 1000 (Vorjahr 37) bei der DAK versicherten Arbeitnehmern krank geschrieben. Demgegenüber bewegt sich der Krankenstand auf Landes- und Bundesebene bei 3,9 Prozent. Zum Vergleich: Den höchsten Krankenstand in Schleswig-Holstein meldet Neumünster mit 4,6 Prozent.

Dass Nordfriesland in der aktuellen Analyse relativ gut abschneidet, ist nach Aussagen von Hansen-Zobel unter anderem auf den kräftigen Rückgang bei Atemwegs-Erkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis sowie einem leichten bei Verletzungs- und Vergiftungsfällen zurückzuführen. Diese zählen mit zu den häufigsten Krankheitsarten. Ganz oben in der Rangliste stehen gesundheitliche Probleme mit dem Muskel-Skelett-System wie Rückenschmerzen, die 317 Fehltage je 100 Versicherte verursachten. Dann schon auf Platz zwei rangieren psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände, die weiter zunehmen und allein schon 198 Fehltage je 100 Versicherte verursachten. Insgesamt gesehen sind 3,8 Prozent der Fälle in Nordfriesland für 44,9 Prozent aller Fehltage verantwortlich.

„Um zum Beispiel längeren Erkrankungen durch Rückenleiden oder seelische Probleme vorzubeugen, können Arbeitgeber Hilfe anbieten“, betont die DAK-Chefin. In Schleswig-Holstein hätten sich nämlich zum Beispiel die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 131 Prozent erhöht. Den betroffenen Mitarbeitern könne ein betriebliches Gesundheitsmanagement gezielt helfen.

Den Trend, dass Leistungsdruck, Konkurrenzkampf und chronischer Stress vermehrt zu psychischen Belastungen führen, die krank machen können, beobachten Hansen-Zobel und Susanne Baum, Leiterin des Psychologischen Beratungszentrums beim Diakonischen Werk Husum, gleichermaßen. „Es herrscht ein ungeheurer Druck zur Selbstoptimierung“, sagt Susanne Baum. Sehr viele Menschen hätten das Gefühl, „funktionieren“ zu müssen.

In dieses Bild passen auch die Ergebnisse der Spezialanalyse „Doping am Arbeitsplatz“. Vor sechs Jahren war das Thema bereits einmal im Zuge eines DAK-Gesundheitsreports untersucht worden. Auch wenn sich der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten nicht – wie seinerzeit befürchtet – dramatisch, sondern offensichtlich nur leicht erhöht hat, spricht Hansen-Zobel von einem „Alarm-Signal“. Denn Nebenwirkungen und Suchtgefahr seien nicht zu unterschätzen.

Für die „Hirndoping“-Studie hatte die Krankenkasse Daten ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 5000 Männer und Frauen repräsentativ befragt. Das Ergebnis: Allein in Schleswig-Holstein nutzen demnach 25600 Beschäftigte mindestens zweimal im Monat verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen.

Dabei greifen Männer eher zu leistungssteigernden Mitteln, während Frauen häufiger sogenannte Stimmungsaufheller einnehmen. Und: Es sind nicht nur Führungskräfte oder kreativ tätige Leute, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen pushen wollen, sondern auch Menschen mit monotonen Tätigkeiten oder jene, die einen unsichereren Arbeitsplatz haben beziehungsweise Angst davor, ihren Job zu verlieren.

Für Susanne Baum ist es wichtig, dass Betroffene andere Wege finden, aus diesem „Hamsterrad“ und der gesellschaftlichen Individualisierung herauszukommen. Ein erster Schritt seien Gespräche im geschützten Raum. Diese bietet das Psychologische Beratungszentrum in kirchlicher Trägerschaft auch bei seinen regelmäßigen, für alle offenen Sprechtagen – ein Modell, für das Simone Hansen-Zobel voll des Lobes ist, zumal niedergelassene Psychotherapeuten meist lange Wartelisten haben. Eine schnellere Versorgung in diesem Bereich fehle derzeit im Gesundheitssystem: „Es wäre gut, wenn es mehr Anlaufstellen für Betroffene gäbe.“

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