Bürgermeister-Wahl auf Pellworm : Norbert Nieszery: Aus der zweiten Reihe zum Chef?

Norbert Nieszery lebt seit zwei Jahren auf Pellworm.
Norbert Nieszery lebt seit zwei Jahren auf Pellworm.

Der ehemalige Landespolitiker Norbert Nieszery strebt das Bürgermeisteramt von Pellworm an, obwohl ihm zunächst das Mandat fehlte.

shz.de von
19. Mai 2018, 17:00 Uhr

Auf der beschaulichen Insel Pellworm ist mächtig was los hinter den kommunalpolitischen Kulissen. Verantwortlich ist die Insel-SPD. Denn diese hat nicht nur erstmals in ihrer Geschichte bei der Kommunalwahl die Mehrheit geholt. Sie will jetzt auch ein politisches Schwergewicht auf dem Bürgermeisterstuhl platzieren. Es handelt sich um Norbert Nieszery, der von 2008 bis 2016 SPD-Fraktionschef im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern war. Und dort zum einen lange als Kronprinz des damaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering galt, zum anderen dafür bekannt war, die Fraktion mit harter Hand zu führen.

Auf Pellworm weiß man offensichtlich, was man an dem 57-Jährigen hat. Denn fraktionsintern ist der Weg zum Bürgermeisteramt für ihn bereits freigemacht worden. Gerd Nommsen (SPD) verzichtet auf sein Mandat. Allerdings wird aus dem ganzen Plan nichts, wenn die Wählergemeinschaft Pellworm (WGP) nicht mitspielt. Sie ist mit ihren drei gewonnenen Sitzen das Zünglein an der Waage, denn zwischen SPD und CDU besteht mit jeweils vier Sitzen eine Pattsituation in der Gemeindevertretung. Derzeit laufen die Gespräche.

Der seit zwei Jahren auf der Insel lebende Norbert Nieszery beendete 2016 seine politische Berufslaufbahn aus gesundheitlichen Gründen: „Ich möchte diesen Job zu 100 Prozent machen. Das werde ich auf absehbare Zeit aber nicht mehr hinbekommen. Deshalb setze ich mir einen Termin. Danach werde ich regenerieren müssen, ich will meinen Körper nicht auf Verschleiß fahren. Das wäre aber nötig, wenn ich dabeibliebe“, erläuterte er damals in einem Zeitungsinterview. Die private Entscheidung, nach Pellworm zu ziehen scheint dem gebürtigen Schleswiger gut zu tun, denn mittlerweile führt er den Vorsitz im Ortsverein und strebt nun auch das Amt des Chefs der Gemeindevertretung an – obwohl er ja keinen Sitz in der vierköpfigen SPD-Fraktion erlangte.

Möglich wird seine Kandidatur wie gesagt durch den freiwilligen Verzicht von Gerd Nommsen, der mit 326 Stimmen auf Platz zwei der SPD-Stimmen kam. Parteiintern sei diese Lösung ohne Probleme akzeptiert worden, da Nommsen beruflich stark eingebunden sei und sich lieber intensiv in die Ausschussarbeit einbringen wolle, berichtete Nieszery.

Er sehe in der aktuellen Situation den Wählern gegenüber keinen Konflikt, da er selbst 250 Stimmen bekommen habe. Insgesamt erzielte die SPD 1688 Stimmen, die CDU 1592 und die WGP 1161. „Drei Direktmandate waren für uns nicht vorhersehbar. Wir wurden von diesem historischen Ergebnis überrascht. Dadurch sind aber die Listenplätze nicht wie vorgesehen zum Tragen gekommen und deshalb mussten wir umdisponieren“, erläuterte der Anwärter. „Ich möchte hier mit allen Leuten aus allen Lagern zukünftig vernünftige Politik für die Insel machen. Denn auf kommunaler Ebene geht es nicht um Fraktionen“, erklärte er außerdem. „Ich stehe für das Amt zu Verfügung. Denn ich bin hier inzwischen gut angekommen und möchte meine Erfahrung nun aktiv vor Ort einbringen“, sagte Nieszery. In seinen Augen habe die Insel großes Potenzial.

Vorbereitend auf die konstituierende Sitzung der Gemeindevertretung am 12. Juni habe es bereits ein Gespräch mit der Wählergemeinschaft (WGP) gegeben, die bei der Pattsituation 4 : 4 zwischen CDU und SPD mit drei Sitzen die Rolle des Königsmachers innehat. „Es sind unterschiedliche Meinungen ausgetauscht worden. Ein weiteres Treffen wird kurzfristig folgen, sodass noch vor Pfingsten ein Ergebnis vorliegt“, teilte Norbert Nieszery dazu zuversichtlich mit.

Der Vorsitzende der WGP wollte sich zum Stand der Verhandlungen nicht äußern. Es seien in den kommenden Tagen weitere Gespräche, auch mit der CDU, geplant, sagte Rolf Holsteiner. Ob vor, an oder erst nach Pfingsten entschieden wird, könne er nicht sagen. „Auf jeden Fall werden wir nächste Woche einen Beschluss vorliegen haben.“ Auch der CDU-Vorsitzende Nico Nommsen wollte sich zu den Gesprächen nicht äußern. Er bemerkte allerdings, dass das Vorgehen der SPD durchaus kritisch beurteilt werde: „Das hat einfach ein Geschmäckle von Kalkül. Insbesondere, weil die SPD ihren Bürgermeisterkandidaten, anders als wir mit Martin Jansen, hinter dem Berg hielt und nicht mit offenen Karten gespielt hat.“


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