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Tetenbüll : Noch mehr Freiheit für Weiden-Tiere

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das erfolgreiche Pilotprojekt wird ausgebaut: Die Böschungen sollen jetzt auf 25 statt fünf Kilometern zaunlos bleiben, um Vögeln damit den Fischfang zu erleichtern.

Er ist ein kleiner Fisch und hat eine große Bedeutung, zumindest für die Aufzucht von Jungvögeln: der Stichling. Besonders die Küken der Trauerseeschwalbe sind in den Monaten Mai bis Juni auf das Fleisch des Fisches angewiesen, denn dessen Kalziumgehalt ist für sie überlebenswichtig. Das betonte der Vorsitzende des Vereins Weideland Eiderstedt, Claus Ivens, während der jüngsten Mitgliederversammlung der Natur-und Umweltschützer im „Theatrium“ in Tetenbüll. „Deshalb haben wir gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises in den Jahren 2014/2015 ein Grabenentwicklungsprogramm gestartet, das als Pilotprojekt erfolgreich verlaufen ist“, sagte er in seinem Jahresbericht. Das Programm sieht im Wesentlichen vor, dass durch den Verzicht auf Zäune Weidetiere den Bewuchs der Uferstreifen von privaten Parzellengräben kurz halten. Dadurch entsteht eine größere freie Wasseroberfläche, die den Vögeln den Fischfang erleichtert. Dabei spielt der Stichling als Wanderfisch eine besondere Rolle, denn er schwimmt zum Laichen von der Eider in die Gräben.

Jetzt ist das Programm von ursprünglich fünf auf 25 Kilometer Grabenlänge erweitert worden. Es hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Die Wasserläufe müssen jedoch im Flora, Fauna, Habitat (FFH)-Gebiet der Halbinsel liegen. Das Vorhaben wird mit 60.000 Euro öffentlich gefördert. Eigentümer und Pächter von Ländereien, die sich daran beteiligen, erhalten eine einmalige Entschädigung von 30 Cent für jeden Meter zaunfreier Böschung. Die bislang verhaltene Nachfrage führt Ivens darauf zurück, dass besonders auswärtige Landbesitzer aus Sicherheitsgründen nicht auf einen Weidezaun verzichten möchten. Auf seinem Weideland halten Pächter problemlos Rinder der Fleischrassen auf nicht eingezäunten Weiden. Deren Uferstreifen seien frei von Bewuchs.

Zu den weiteren Themen seines Berichts gehörte seine Mitarbeit in einem Arbeitskreis, der zu einem Managementplan des Landwirtschaft-Ministeriums für das FFH-Gebiet in sieben Jahren 14 Maßnahmenblätter erstellt hat. Darin geht es hauptsächlich um einzelne Maßnahmen zum Erhalt und der Wiederherstellung der Artenvielfalt. Besonders im Fokus steht dabei die Forderung, während der Brut – und Aufzuchtzeit der Wiesenvögel in den Gräben Mindestwasserstände einzuhalten. Ivens kritisierte, dass die Vorschläge bisher nur im geringen Umfang umgesetzt worden seien. „Insbesondere führen die Gräben weiterhin zu wenig Wasser und liegen teilweise sogar trocken“, sagte er. Dadurch stehe nicht genügend Nahrung für die gefiederten Gäste zur Verfügung.

Viel Zustimmung gab es für die neue Homepage der 2005 gegründeten Vereinigung, die Urte Andresen, eine der beiden stellvertretenden Vorsitzenden, vorstellte. Die Internet-Präsentation enthält Informationen über aktuelle Vorhaben zum Schutz der Eiderstedter Landschaft und Tierwelt, die ständig aktualisiert werden sollen. Diese Aufgabe hat Jürgen Kloss übernommen.

Einen in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichenen Kassenbestand des Vorjahres und einen vergleichbaren Haushaltsplan für 2017 präsentierte Schatzmeister Reinhard Schill den Anwesenden. Sie stimmten mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Vereinsvorsitzenden zu, aufgrund der soliden Finanzlage in diesem Jahr keine Mitgliedsbeiträge zu erheben.

Zum Auftakt der Veranstaltung hatte der Chef der 82 Mitglieder starken Vereins Antje Feldmann von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) begrüßt. Die Referentin aus dem hessischen Witzenhausen berichtete von dem Bemühen des 1981 gegründeten Vereins, zusammen mit Züchtern und Landwirten alte Rassen von Schafen, Rindern, Pferden, Hühnern und Schweinen zu erhalten. „Das ist in den vergangenen drei Jahrzehnten gelungen“, sagte sie. Allerdings habe sich die Anzahl der gefährdeten Rassen, die in einer Roten Liste geführt werden, im gleichen Zeitraum auf jetzt 137 knapp verdreifacht. In Schleswig-Holstein seien beispielsweise das Shorthorn-Rind, das Weißköpfige Fleischschaf und das Angler Sattelschwein vom Aussterben bedroht. Einen bedeutenden Anteil am Erhalt der zumeist besonders widerstandsfähigen Tiergattungen aus früherer Zeit haben Arche-Projekte auf Höfen sowie in Parks und Regionen. Dort werden diese Tiere in natürlicher Umgebung gehalten und auch genutzt. Das touristische Interesse an diesen Einrichtungen sei groß.

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