Schwabstedt : Noch ist nichts unterschrieben

Der neue Vorstand des HGV Kirchspiel Schwabstedt.
Der neue Vorstand des HGV Kirchspiel Schwabstedt.

Tombola-Streit: Der HGV will der Vereinbarung mit der Gemeinde nur zustimmen, wenn ein bestimmter Passus gestrichen wird.

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25. Februar 2018, 10:00 Uhr

Für heftige Diskussionen sorgte das Thema Bauernmarkt und wie es mit der Traditionsveranstaltung weitergehen soll im Hotel zur Treene. Dort waren die Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Kirchspiel Schwabstedt zu ihrer jährlichen Sitzung zusammengekommen.

Vorsitzender Mark Hansen berichtete von dem Treffen im Amt Nordsee-Treene Ende Januar, das als Vermittlungsgespräch zwischen der Schwabstedter Gemeindeführung und dem HGV dienen sollte. Seit langem liegen beide Parteien im Streit. Der Grund: die Bauernmarkt-Tombola. Moderiert wurde das Gespräch von dem Leiter der Kommunalaufsicht, Harry Schröder, und Amtsvorsteherin Eva-Maria Kühl. Dabei waren HGV-, Gemeinde- und Amtsvertreter. Ergebnis war eine Erklärung, die von der Kommunalaufsicht vorgeschlagen und ausgearbeitet wurde. Unter anderem ist festgehalten, dass der HGV weiter den Bauernmarkt organisiert, die Tombola nach Glücksspielrecht beim Amt beantragt, nummerierte Lose verwendet und Rechnungen von einer unabhängigen Fachkraft geprüft werden. Doch der letzte Punkt stößt bei vielen HGV-Mitgliedern auf Widerstand.

„Wir haben die Tombola nicht ordnungsgemäß durchgeführt. Dass das unter Vorsatz passiert ist, streite ich einfach mal ab – das war nicht so“, erklärte Mark Hansen. Im Hinblick auf die zu unterschreibende Vereinbarung sagte er: „Die Tombola soll durch eine unabhängige Fachkraft geprüft werden. Warum müssen Schützen- und Sportvereine nicht auch so unter die Lupe genommen werden? Trotzdem bin ich dafür, dass wir das unterschreiben.“ Mitglied Carsten Petersen schlug vor, darüber nachzudenken, die Tombola wegzulassen. „Mal leise in die Zukunft gedacht: Es wird auch 2018 Ärger geben.“ Doch viele der Mitglieder machten deutlich, dass das für sie keine Option sei. Mitglied Jörg Hansen erklärte, dass es vollkommen ausreiche, wenn in der Vereinbarung der Passus „und wird einvernehmlich von einer unabhängigen Fachkraft gesichtet, um die sachliche Richtigkeit zu bestätigen“ gestrichen werde. Der erste Teil, „Die gesamte Rechnungslegung für den jährlichen Bauernmarkt erfolgt wie bisher nach Vereinsrecht/Satzung“ soll bleiben. Das Ergebnis der Abstimmung: Bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme wurde die Vereinbarung mit Streichung des genannten Halbsatzes beschlossen.

„Rechtlich ist das in Ordnung“, erklärte Kommunalaufsichts-Leiter Harry Schröder auf Anfrage unserer Zeitung. Die Erklärung könne auch ohne den vorgeschlagenen Zusatz erfolgen. Grundsätzlich reiche nach der jeweiligen Vereinssatzung (BGB) die übliche Rechnungsprüfung anhand einer Checkliste aus. Das Wichtigste sei, und das habe er auch in einem Schreiben an den HGV-Vorsitzenden und den Bürgermeister vor einer Woche so formuliert, dass die Ausgaben sachlich gerechtfertigt, rechnerisch richtig und vor allem korrekt belegt sind. Pauschale Abrechnungen seien nicht zulässig. Sein Vorschlag: Eine „gläserne“ Abrechnung mit Bestätigung einer neutralen Person könne dem HGV auch als Eigenschutz dienen. „Ich hoffe als Kommunalaufsicht sehr auf eine Einigung zum Wohle der Gemeinde und des beliebten Bauernmarktes. Schwabstedt soll endlich aus den negativen Schlagzeilen raus.“ Schröder habe bei dem Gespräch Ende Januar den Beteiligten mit auf den Weg gegeben, dass ein gutes Miteinander und gegenseitiges Vertrauen nicht von einer Aufsichtsbehörde angeordnet werden kann und alle Beteiligten den Blick doch nach vorne richten sollten.

Ein weiteres heißes Eisen war an diesem Abend Thema. Es ging um die Satzungsänderung. Dazu sagte Ralf Bruhn: „In keinem anderen HGV sind Gemeinden Mitglied. Es ist gesünder, eine schiere Kante zu haben.“ Er würde es für eine unangenehme Situation halten, wenn die Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt austreten würde, gab Jürgen Meyer zu bedenken. „Um Ruhe reinzukriegen, sollten wir das mal ein Jahr liegen lassen“, sagte Hans-Jürgen Thomsen. Dennoch: Bei drei Gegenstimmen wurde die Satzungsänderung angenommen. Zukünftig sollen also Gemeinden nicht mehr Mitglied sein dürfen und austreten. Ramstedt hat diesen Schritt bereits getan.

In punkto Bauernmarkt meldete sich Marktvogt Hans Hermann Salzwedel noch einmal zu Wort. Er hatte von 2004 bis 2017 das Amt des Marktvogtes inne. „Der Konflikt zwischen HGV und Gemeinde hätte durch vertrauensvollere Kommunikation vermieden werden können – das ist meine Meinung“, bekundete er und fügte hinzu: „Ich verabschiede mich.“ Mit viel Beifall wurde ihm für seinen Einsatz gedankt. Der Bauernmarkt findet in diesem Jahr am Sonntag, 30. September, statt.

Aktuell zählt der HGV 46 Mitglieder. Es herrsche eine gesunde finanzielle Basis. Beim Bauernmarkt wurden erstmals 1700 Euro Überschuss erwirtschaftet, machte Kassenwart Willy Mommens deutlich. Die Wahlen erbrachten neue Besetzungen: 2. Vorsitzender ist Ralf Bruhn, 3. Vorsitzender Uwe Staack, Beisitzer Hans-Jürgen Thomsen. Kassenwart bleibt Willy Mommens.

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