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Erstaufnahme für Flüchtlinge in Husum? : Noch ist alles offen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Land hat das Multifunktionsgelände an der Messe für Asylsuchende ins Auge gefasst. Doch dies könnte ohnehin nur eine kurzfristige Lösung sein.

Der Bürgermeister war spürbar genervt. „Jetzt haben wir genau die Situation, die wir nicht haben wollten“, sagte Uwe Schmitz unter Hinweis auf eine Presseerklärung aus dem Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten. Darin hat Innenminister Stefan Studt klar gestellt, dass die Zahl der Erstaufnahmeplätze für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein bis zum Jahresende verdoppelt werden müsse, „damit niemand auf der Straße schlafen muss“. Und Studt machte deutlich: Die Zeit drängt. Entgegen anders lautenden Medienberichten fand sich in der ministeriellen Verlautbarung allerdings weder ein Hinweis auf den Standort Husum noch – speziell – auf das Messegelände als mögliche Fläche für eine neue Erstaufnahmeeinrichtung.

Schmitz und der Minister standen sich bei der Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Medaille an verdiente Kommunalpolitiker sogar persönlich gegenüber. „Aber über dieses Thema haben wir nicht gesprochen. Dafür war auch gar keine Zeit“, erklärte der Verwaltungs-Chef nach seiner Rückkehr aus Kiel.

Das heißt allerdings nicht, dass die Sache damit vom Tisch ist. Husum werde seinen Beitrag zur Bewältigung des Flüchtlingsstromes leisten müssen und das auch tun, betonte Uwe Schmitz. Und das Multifunktionsgelände zwischen Flensburger und Schleswiger Chaussee war dem Minister schon bei der Eröffnung der Windmesse ins Auge gefallen (wir berichteten). Nach Informationen unserer Zeitung ist diese Fläche für das Land auch weiterhin eine Option – doch auf keinen Fall die einzige. Außerdem ist die Sache nicht so einfach wie im Fall des brachliegenden Bundeswehrflugplatzes in Leck, da das Messegelände, wie der Name schon verrät, Leistungsschauen und Open-Air-Veranstaltungen vorbehalten und zu diesem Zweck an die Messe-Gesellschaft verpachtet ist. „Es gibt Gespräche“, deutete der Bürgermeister an. Aber deren Ergebnissen könne und wolle er nicht vorgreifen.

Tatsächlich hat es nach Informationen unserer Zeitung ein Treffen beim Kreis gegeben, zu dem auch Vertreter der Landespolizei und des Finanzministeriums anreisten. Erstere suchen nach geeigneten Liegenschaften für Erstaufnahmeeinrichtungen, letztere handeln Vereinbarungen und Verträge aus. Bei diesem Gespräch ging es auch um die Multifunktionsfläche. Aber ob Messe-Gesellschaft, Stadt und Ministerium zusammenkommen, ist noch völlig offen. Außerdem ist das Land natürlich an längerfristigen Lösungen interessiert. Denn die nächste große Messe ist die „New Energy“ und die findet bereits im März 2016 statt – und 2017 die „Husum Wind“. Spätestens dann würde das Gelände wieder geräumt sein müssen.

„Ich weiß nichts.“ Noch bevor die Frage gestellt war, kam schon die Antwort von Peter Becker. Die Flüchtlinge waren auch beim Geschäftsführer der Messe Husum & Congress GmbH & Co. KG das Hauptthema. „Wir haben keinen Vertrag mit dem Land.“ Nach seinen Worten ist der Messe-Chef lediglich informiert worden, dass Interesse bestehe. „Doch alles muss in unseren Geschäftsablauf passen“, formulierte es Peter Becker. Darüber sollte vernünftig geredet werden.

Mehr als 40 Wohnungen und Häuser hat die Stadt Husum inzwischen für Asylsuchende angemietet. Deren Zahl erhöhe sich täglich, erklärt Ordnungsamtsleiter Malte Hansen auf Anfrage.

Nach seinen Worten bekommt der Kreis Nordfriesland etwa 70 Flüchtlinge wöchentlich zugeteilt, sodass die Stadt gemäß Quote etwa zehn Menschen pro Woche aufnehmen muss. Bisher sind in diesem Jahr der Stadt Husum und dem Amt Pellworm, die eine Verwaltungsgemeinschaft bilden, 181 Flüchtlinge zugewiesen worden. Mit den Antragstellern aus den Vorjahren leben zurzeit rund 230 Asylsuchende in der Stadt und im Amt Pellworm, das erst seit Ende 2014 Flüchtlinge zugeteilt bekommt. Malte Hansen: „Auf Pellworm sind zwei alleinerziehende Mütter aus Syrien mit jeweils zwei Kindern untergebracht – und seit zwei Tagen lebt eine fünfköpfige syrische Familie auf Hallig Langeneß.“

Wohnraum ist ein Thema, dazu kommen die Dinge des täglichen Lebens. Trotz zahlreicher Spenden musste die Stadt „in großem Stil“ Betten, Matratzen und Kissen einkaufen – denn dieser Bedarf kann zurzeit nicht durch die Gaben von Bürgerinnen und Bürgern abgedeckt werden.


Wer für Flüchtlinge spenden möchte, sollte sich unter der Telefonnummer 04841/666-324 oder -321oder per E-Mail fluechtlingshilfe@husum.de an das Ordnungsamt wenden.

 

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