Kita-Bedarf in Husum : Nichts Genaues greifbar

Ein Recht auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind haben Eltern seit fünf Jahren.
Ein Recht auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind haben Eltern seit fünf Jahren.

Doppelanmeldungen verschleiern die realen Zahlen – die landesweite Datenbank soll Abhilfe schaffen.

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30. Juli 2018, 15:00 Uhr

Anspruch und Wirklichkeit: Seit fünf Jahren haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind – doch auch im Kreis Nordfriesland heißt das nicht zwingend, dass es diesen Platz wirklich gibt. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Kreissprecher Hartmut Pohl, dass sich seit einigen Monaten immer mehr Eltern aus eben jenem Grund an den Kreis wenden – weil sie keinen Platz für ihr Kind finden. Vor Gericht sind in Nordfriesland in den vergangenen fünf Jahren drei Fälle gelandet. „In einem Fall konnte während des Verfahrens eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. In den beiden anderen Fällen ging es um Art und Ausmaß der Betreuung. Der Betreuungsplatz war in beiden Fällen vorhanden“, berichtet Pohl.

In den beiden letztgenannten Fällen sind die Eltern vor dem Verwaltungsgericht Schleswig unterlegen.

Aber wie viele Eltern warten denn konkret auf einen Kita- oder Krippenplatz? Diese Frage kann man zumindest für die Stadt Husum nicht beantworten: Konkrete Zahlen liegen der Stadtverwaltung schlicht nicht vor. Eine Tatsache, die den SPD-Fraktionsvorsitzenden Horst Bauer einigermaßen fassungslos stimmen: „Das ist ein Zustand jenseits von Gut und Böse – gefühlt gibt es in Husum Hunderte von Kindern, für die ein Platz fehlt. Gesehen hat die allerdings noch niemand.“ Eltern, die seit Ewigkeiten vergeblich nach einem Platz suchen, träfe er bisher nicht an.

Als Grund für die fehlenden beziehungsweise vagen Zahlen – die Stadt arbeitet bei ihren Planungen mit „einem groben Bedarfsplan“ – nennt Stadtsprecherin Simone Mommsen unter anderem, dass einige Eltern ihre Kinder gleich bei mehreren Kitas anmelden – in der Hoffnung, so garantiert einen Platz zu bekommen. „Sobald sie diesen haben, vergessen sie allerdings oft, ihr Kind bei den anderen Kitas von den Wartelisten streichen zu lassen.“

Eine Lösung für diese Situation soll die geplante landesweite Kita-Datenbank bringen, an der sich die Kommunen in Nordfriesland bis Jahresende beteiligen müssen. Ziel ist, dass sich Eltern im Internet über Einrichtungen informieren und sich einen Überblick verschaffen, was wo angeboten wird und wie die Belegung der Einrichtungen aussieht. Auch haben die Eltern die Möglichkeit, sich über das Kita-Portal in den Einrichtungen anzumelden. Doppelanmeldungen soll es durch das neue System nicht mehr geben. „Für den Kreis Nordfriesland hat es den Vorteil, dass mit den eingepflegten Zahlen eine bessere Bedarfsplanung möglich ist“, sagt Kreissprecher Pohl.

Aber nicht nur die ungenauen Zahlen kritisiert Bauer in Husum – er schimpft auch darüber, dass sich die Planungen so lange hinziehen, um eine neue Kita auf dem Klinikgelände zu bauen. Die Stadt Husum und der Kreis Nordfriesland streben dafür einen Grundstückstausch an – der Kreis bekommt das Grundstück des Hauses der Jugend und die Stadt den Platz für die Kita (wir berichteten). Bauer dazu: „Zwei Gebietskörperschaften, die 500 Meter weit auseinander liegen, brauchen mindestens Jahre, um sich über so einen Grundstückstausch einig zu werden. Alles wird in der Schwebe gehalten. Ob es zu dem Kita-Bau kommt, weiß keiner. Ich weiß nicht, ob das ein bewusstes Verhalten ist oder ob es an professionellen Kapazitäten mangelt.“ Er sei sich nicht sicher, wie lange sich die Politik das noch gefallen lassen wolle: „Da geht es um Frustrationstoleranz und irgendwann ist die zu Ende.“

Dass es mit den Plänen nach der Sommerpause voran gehen wird, das vermittelt dagegen Landrat Dieter Harrsen: Der Grundstückstausch und Kita-Bau sei von beiden Seiten gewollt – an die Umsetzung gehe es im Herbst.

Info: In Nordfriesland gibt es 6575 institutionelle Betreuungsplätze (Stand 1. Juli 2018). 1200 Betreuungsplätze sind davon für Kinder von 0 bis 3 Jahren, 2008 waren für diese Altersgruppe nur 145 Plätze vorhanden. In 2018 stehen viele Baumaßnahmen an. Etwa 200 weitere Betreuungsplätze im Bereich 0 bis 3 Jahren werden bis 2020 dazukommen, heißt es vom Kreis.





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