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Hilfe für die Schwachen der Gesellschaft : Nicht nur um Flüchtlinge kümmern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Margit Jensen aus Viöl will sich auch um sozial schwächer gestellte Bürger bemühen, um so den Rechtspopulisten das Wasser abzugraben. Flüchtlinge haben eine Lobby, Hartz IV-Empfänger aber nicht, hat sie festgestellt.

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erstellt am 03.Jun.2016 | 09:00 Uhr

Margit Jensen hat ein großes Herz. Manchmal vielleicht ein wenig zu groß, doch aus Fehlern könne man nur lernen, sagt die 59-jährige Kragelunderin, die bereits seit rund 20 Jahren Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland, Ortsverband Viöl, ist. Neben dieser Arbeit hat sie sich seit Anfang des vergangenen Jahres, als die Flüchtlingswelle nach Deutschland schwappte, um die Menschen aus fremden Ländern gekümmert und war eine der ersten sogenannten Kümmerinnen. Mittlerweile allerdings hat sie neben vielen positiven auch einige negative Erfahrungen gemacht. Aus der Euphorie ist eine eher nüchterne Betrachtungsweise der Situation geworden. Künftig will sie sich verstärkt auch um sozial benachteiligte Deutsche kümmern.

Ein Beweggrund dafür ist das Fischen der Rechtspopulisten gerade in dieser Personengruppe und deren Umfeld. „Ich mache mir da sehr große Sorgen, dass wir auch bei uns einen deutlichen Rechtsruck erleben, wie bereits in Ungarn, Österreich, Frankreich oder Dänemark“, sagt Margit Jensen. Ihr schwebt vor, mit Gleichgesinnten vielleicht eine Kümmerer-Gruppe für benachteiligte Deutsche ins Leben zu rufen, denn diese Menschen würden vielfach keinerlei Unterstützung erfahren, würden von den Behörden oftmals hin und her geschoben, lediglich verwaltet, wie auch die vorgelegten Zahlen des Sozialverbandes belegten. Allein im Kreis Nordfriesland gab es im vergangenen Jahr 4074 Beratungen. In Widerspruchsverfahren konnten 167.260 Euro an Nachzahlungen und monatliche Zahlungen von 52.082 Euro erwirkt werden, immerhin eine Steigerung um zwölf Prozent gegenüber dem Jahr 2014.

Dies zeige deutlich, dass es an einer Lobby für die sozial schwachen Deutschen fehle. Für die Flüchtlinge gebe es Kümmerer-Gruppen, man sammele Kleidung, Haushaltsgeräte und -gegenstände und bemühe sich aller Orten, sie mit immensem Aufwand in die Gesellschaft zu integrieren. „Das ist sehr positiv und muss auch weiterhin geschehen“, doch Margit Jensen befürchtet, dass die Lobbyarbeit für die Flüchtlinge die vielfach im Abseits stehenden sozial Schwächeren verbittern könnten. „Als Kümmerin war es für mich kein Problem, für die von mir Betreuten Flachbildfernseher, Möbel und Kleidung zu organisieren, davon träumen viele deutsche Hartz IV-Empfänger nur“, unterstreicht die Kragelunderin.

„Ich bin nach wie vor voll Pro-Asyl“, sagt sie, betont aber, dass dabei nicht ein Teil der Gesellschaft hinten runter fallen dürfe. Und genau dies geschehe gegenwärtig. Viele Beispiele dafür könne sie anführen, etwa wenn in einem Berufsschulheim darüber entschieden werde, wer die wenigen zur Verfügung stehenden Zimmer beziehen könne. „Im Regelfall in der Ausbildung befindliche Flüchtlinge.“

Und genau diese Ungleichbehandlung treibt ihrer Überzeugung nach den Rechtspopulisten die Wähler in die Arme. Denn es werde pauschal behauptet, dass Flüchtlingen alle Wünsche erfüllt werden.

Margit Jensen hatte in ihrem eigenen Haus in der Dachgeschosswohnung unter anderem eine Familie aus dem Kosovo einquartiert. Doch erst im Laufe der Zeit zeigte sich, dass es sich dabei nach ihrer Überzeugung nicht um echte Flüchtlinge, wie beispielsweise aus Syrien oder dem Irak gehandelt habe, denn alle hätten im Kosovo einen Job gehabt, nur eben weniger gut bezahlt als in Deutschland. „Wir sollten unsere Hilfe auf die Menschen konzentrieren, die sie wirklich nötig haben, unabhängig ob Flüchtling oder Deutscher“, ist ihre Überzeugung.Sie würde gern mit Menschen in Kontakt kommen, die nicht nur Flüchtlinge an die Hand nehmen wollen, um ihnen beispielsweise bei Behördengängen behilflich zu sein. Auch viele Deutsche hätten eine solche Unterstützung dringend nötig, ist sie überzeugt. Margit Jensen ist unter Telefon 04843/1575 zu erreichen.

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