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Husumer Hafen : Nicht nur ein Becken für Kutter

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Staatssekretär Frank Nägele regt einen neuen Gipfel zur Hafenvertiefung an und will dazu möglichst alle Beteiligten an einen Tisch holen.

Es sind nur läppische 50 Zentimeter. Aber die haben es in sich. Und das schon seit zehn Jahren. Der Unterschied zwischen 4,20 und 4,70 Meter Hafentiefe ist millionenschwer. Und dabei geht es nicht nur um jene Kosten, die eine dauerhafte Vertiefung auf 4,70 Meter mit sich bringen würde, sondern auch um das, was die Husumer Hafen-Anrainer Jahr für Jahr erwirtschaften. Und damit letztlich auch um Arbeitsplätze.

Grund genug für die SPD, zu einem Hafentalk ins Rathaus einzuladen. Mit dabei Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, von dem sich die anwesenden Politiker und Hafenanrainer – einmal mehr – konkrete Weichenstellungen für die Zukunft erhofften. Der Gast aus Kiel machte aus seinem „maritimen Gen“ auch kein Hehl, erklärte aber ebenso unmissverständlich, dass er sich – noch dazu in Wahlkampfzeiten – nicht auf das dünne Eis politischer Versprechen begeben werde, „die nachher dann wieder einkassiert werden müssen“. Er wisse wohl, dass die Erwartungen hoch seien und, „dass ich nicht der erste bin, der aus unserem Haus hierher kommt“. Tatsächlich war Nägeles Chef, Minister Reinhard Meyer, zu diesem Thema schon mehrfach in Husum. Und der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Dr. Robert Habeck, hatte erst kürzlich „großzügig erklärt“, so Nägele, dass er den Wunsch der Husumer Hafenwirtschaft nach einer Hafenvertiefung gut nachvollziehen könne. Aber das Ganze sei eben ein dickes Brett, nahm der Mann aus Kiel eine Bemerkung des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Stadtverordnetenkollegium, Horst Bauer, auf. Immerhin gehe es um zweistellige Millionenbeträge, sagte Nägele und bemühte – wohl wissend, „dass ich mir damit womöglich keine Freunde machen werde“ – ein ministerielles Mantra, nach dem „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ geht.

Bauer hatte den Begriff des „dicken Brettes“ freilich in einem ganz anderen Zusammenhang verwendet – nämlich hinsichtlich der Frage, ob die Stadt den Landeshafen nicht übernehmen und somit ihren Teil dazu beitragen könnte, dass bei der Hafenvertiefung auch der Bund in die Pflicht genommen werden könne (was unter anderen Umständen in der Tat schwieriger wäre). Der Ortspolitiker machte deutlich, dass dies die Möglichkeiten der Stadt bei Weitem überstiege – selbst wenn Hafengebühren und Gewerbeeinahmen weiter üppig sprudelten.

Zuvor hatte Jan Thordsen erläutert, warum eine Vertiefung für die Hafenwirtschaft unerlässlich ist. 2000-Tonnen-Schiffe kämen noch in den Hafen rein“, so der Geschäftsführer von ATR-Landhandel, aber die würden nicht mehr gebaut. Und für die 3000-Tonnen-Frachter, von denen ATR gerade zwei erworben hat, reiche die derzeitige Hafentiefe nicht aus. Spekulationen, mit einer Hafenvertiefung auf 4,70 Meter werde es auf Dauer möglicherweise auch nicht getan sein, hielt Thordsen entgegen: „Für die klassische Futtermittel-Produktion sind 3000-Tonnen-Schiffe die ideale Größe.“ Zugleich machte er allerdings klar, dass „wir hier am Ende ein totes Loch haben, wenn der Hafen nicht schiffbar bleibt. Und ein totes Loch wird nie wieder lebendig“, sagte Thordsen und erinnerte daran, „dass wir vom Land schon eine feste Zusage für die Hafenvertiefung hatten“. Aber das war in einer anderen Legislaturperiode (Anmerkung der Redaktion).

Auf Nachfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Ilgen, der zum Hafentalk eingeladen hatte, versprach Nägele, einen neuen „Hafengipfel“ im April. Und damit es keine ähnlichen Überraschungen wie bei der Elbvertiefung gibt, regte der Gast aus Kiel an, dazu alle Beteiligten an den Tisch zu holen – also auch Umweltministerium und Umweltverbände. „Denn, um ein vollständiges Planfeststellungsverfahren werden wir vermutlich nicht herumkommen“, so Nägele. Dessen ungeachtet gab er sich zuversichtlich, dass im Laufe des Jahres alle Hausaufgaben verteilt und gemacht sein könnten. „Ein Wasserbecken, in dem ab und an ein Kutter liegt, ist nicht in unserem Interesse“, stelle Nägele abschließend fest.

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