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Pole-Poppenspäler-Tage : Nicht nur den Mainstream bedienen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husums Poppenspäler wollen auch nach 34 Jahren nicht beliebig werden, sondern weiter die ganze Bandbreite des Genres im Blick behalten.

von
erstellt am 02.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Das Festival ist vorüber– es lebe das Festival. 34 Jahre alt, kein bisschen leise und weit davon entfernt, in das abzugleiten, was der Volksmund neudeutsch Mainstream nennt. So waren sie, die Pole-Poppenspäler-Tage 2017, und so soll das auch im 35. Jahr und in der Zukunft bleiben – „selbst wenn nicht immer alle mit dem einverstanden sind, was ihnen geboten wird. Das gilt manchmal ja auch für uns selbst“, räumten Ruth Zimmermann und Birgit Empen vom Vereinsvorstand gestern beim Abschlussgespräch im sonnigen Innenhof des Schlosses ein. Aber so sei nun einmal die Idee dieses Festivals, das die ganze Bandbreite des internationalen Figurentheaters zeigen wolle, selbst wenn dies beim einen oder anderen Enttäuschung auslösen sollte. „Außerdem kannst Du es eh nicht allen recht machen“, bilanzieren die beiden Frauen.

Natürlich sei es nicht leicht, bei einem Festival mit mehr als 50 Vorstellungen und einem Etat von 100.000 Euro die richtige Mischung zu finden – modernes Figurentheater in all seinen Facetten zu zeigen und trotzdem keinen finanziellen Schiffbruch zu erleiden. „Aber nur noch das anzubieten, was gut ankommt, wird der Sache auch nicht gerecht“, ergänzt Astrid Fülbier. Und die Beobachtungen, die das Poppenspäler-Team während des 34. Festivals gemacht hat, scheint seinen Überlegungen recht zu geben. „Es kamen ganz unterschiedliche Leute zu den verschiedenen Spielen.“ Klar, einige träfe man immer wieder, „aber dieser Wechsel im Publikum war schon auffallend“, fasst Empen zusammen. Und wer ein solches Festival, mit vielen neuen Ideen und Entdeckungen wolle, der müsse halt auch mal ein Stück aushalten können, dass die eigenen Erwartungen nicht oder zumindest nicht in vollem Umfang erfülle, ergänzt Ruth Zimmermann. Jedes Festival sei ein Wagnis, resümiert Reinhard Jablonka und bringt die Sache auf die einfache Formel: „Entweder, es funktioniert, oder es funktioniert nicht.“ Das sei aber noch lange kein Grund, beliebig zu werden. „Und so haben die Leute nach der Vorstellung was zu diskutieren.“

Noch scheint all das also zu funktionieren, auch wenn die öffentlichen Zuschüsse von Stadt, Kreis und Land seit gefühlten drei Jahrzehnten gleich geblieben sind und zusammen nur etwa ein Zehntel des Festivaletats ausmachen. Umso optimistischer stimmt die Veranstalter daher, dass Kindergärten und Schulen bei diesem Festival wieder mehr gebucht haben als in den Vorjahren. Und einer wie Festival-Liebling Pavel Möller-Lück „kostet uns zwar mehr, bringt aber andererseits auch das Geld ein, das wir für so eine Misch-Kalkulation brauchen. Sicher, die Eintrittspreise seien hier und da gestiegen, aber das habe natürlich auch mit der Entwicklung des gesamten Genres selbst zu tun: „Die Bühnen sind teurer geworden, die technischen Anforderungen zum Teil erheblich höher“, erläutert Zimmermann. Und die Zeiten, da sich Puppenspieler nach der Vorstellung bereitwillig im Gästezimmer eines Mitveranstalters schlafen legten, gehörten ebenfalls der Vergangenheit an.

Aber die Grundformel – Erwachsenen-Programm finanziert Kinder-Programm – geht nach wie vor auf. Das Festival solle vor allem eines sein: ein Ort der Kreativität, der über den Augenblick hinausreicht – für heute und hoffentlich noch für lange Zeit.

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