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Guter Rat der Polizei : Nicht lange fackeln – 110 anrufen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wegen der Einbruchsserie in Husum und Umgebung fährt die Polizei abends und nachts verstärkt Streife und baut auf die Wachsamkeit der Bürger. Die Kripo rät, selbst im Zweifelsfall lieber einmal mehr die 110 zu wählen.

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erstellt am 13.Jan.2016 | 16:00 Uhr

„Es ist ein schmaler Grat zwischen Aufklärung und Verunsicherung“, räumt der Chef der Kriminalpolizeistelle Husum ein. „Wir haben uns dennoch entschieden, offensiv mit dem Thema umzugehen.“ Sven Knies meint die vielen Einbrüche, die seit Oktober 2015 in Husum und angrenzenden Gemeinden wie Mildstedt verübt worden sind. Tatsächlich hat sich die Zahl der Einbrüche in dieser Zeit mehr als verdoppelt. „2014 hatten wir 40 solche Taten. 2015 waren es knapp 100.“ Und für Januar droht bereits eine neue Rekordmarke. Seit dem Jahreswechsel sind 15 dieser Delikte hinzugekommen.

Die jüngsten beiden ereigneten sich in der Nacht zum Dienstag, 12. Januar. Zwischen 3 und 6 Uhr morgens verschafften sich Unbekannte Zugang zu einem Einfamilienhaus in der Schleswiger Chaussee. Neben einer Digitalkamera entdeckten sie auch den Autoschlüssel des Hauseigentümers und ließen dessen blauen Opel Zafira mitgehen. Und zwischen 3.30 und 3.45 Uhr entfernten Unbekannte in der Mommsenstraße gewaltsam den Schließzylinder eines Einfamilienhauses und eigneten sich neben Bargeld und einem Smartphone noch einen Laptop sowie Zigaretten an. Die Bewohner waren im Haus und schliefen.

Bei einem Einbruchsversuch blieb es gegen 3.30 Uhr im Meisenweg. Als die Täter das auf Kipp stehende Fenster eines Hauses aufzuhebeln versuchten, zerbrach das Fensterglas und schreckte die Bewohner auf. Die Diebe ergriffen die Flucht. In derselben Nacht bemerkte ein Hausbewohner in der Gerhart-Hauptmann-Straße gegen 3 Uhr vier dunkel gekleidete Männer auf seinem Grundstück. Zu einem Einbruch kam es nicht.

Kein Wunder, dass der Bekämpfung der Einbruchsdelikte bei der Kripo hohe Priorität eingeräumt wird. Doch mit verstärkter polizeilicher Präsenz besonders in den Abend- und Nachtstunden wollen es die Ordnungshüter nicht bewenden lassen. „Um Erfolge zu erzielen, sind wir auf die Wachsamkeit der Bürger angewiesen“, betont Knies. Dazu gehört auch die Prävention. Wie sich Haus- und Wohnungseigentümer schützen können, darüber informiert unter anderem eine Broschüre, die es bei der Polizei, aber auch im Internet gibt. „Licht schreckt ab“, nennt Knies eine von vielen Maßnahmen, wie ungebetene Besucher abgehalten werden können. Verschließbare Fenster auch, jedenfalls wenn der Schlüssel nicht im Schloss stecken bleibt. Es sind eben auch Gelegenheiten, die Diebe machen.

Nach bisherigem Stand der Ermittlungen schließt die Kripo allerdings aus, dass in Husum nur Gelegenheitstäter unterwegs sind. Es gebe klare Hinweise auf Bandenkriminalität mit osteuropäischem Hintergrund. Doch ganz gleich, um welchen Täterkreis und welche Vorgehensweise es sich handelt – im Falle eines Einbruchs oder Einbruchsversuchs rät der Kripo-Mann vor allem, Ruhe zu bewahren, jeder Konfrontation aus dem Weg zu gehen und unverzüglich die 110 anzuwählen. „Oft kommt der Anruf einen Tick zu spät, da die Betroffenen zunächst Hilfe und Rat bei Freunden oder Verwandten suchen. Dann geht uns wertvolle Zeit verloren.“

Bei Einbruchsdelikten gibt es eine Grundregel: „Das Überraschungsmoment liegt immer auf Seiten des Täters.“ Zusammenstöße mit den Opfern mieden Einbrecher wie der Teufel das Weihwasser. „Deshalb suchen sie meist das Weite, wenn sie entdeckt werden. Einbrecher sind in der Regel auf Geld, Schmuck und handliche Unterhaltungselektronik aus“, erklärt der Kripo-Chef. Auch parkten sie meist nicht direkt vor der Haustür. Umso wichtiger seien Beobachtungen verdächtiger Personen, Situationen und Fahrzeuge. „Wir kommen lieber einmal mehr als einmal zu wenig“, betont Knies. Er wisse wohl, dass es eine Scheu gebe, die Polizei anzurufen. „Aber sehen Sie es doch mal so: Jeder kann betroffen sein.“

Einbruchsdelikte waren in Husum bisher die Ausnahme. „Das betraf eher den Hamburger Rand.“ Wohl auch deshalb sei die Verunsicherung doppelt groß. Das beste Mittel gegen Verunsicherung sei aber, für mehr Sicherheit zu sorgen – also keine Fenster offen stehen zu lassen und mögliche Schwachstellen im und am Haus gegen Einbrecher zu schützen. Und – diesen Punkt kann Sven Knies gar nicht oft genug betonen: „Sofort die Polizei rufen.“

Nicht bestätigen kann der Kripo-Chef, dass die Taten seit Oktober 2015 bis zum 12. Januar ein und dieselbe Handschrift tragen. Das lässt auf mehrere Tätergruppen schließen. Zugleich macht Knies Schluss mit der Mär, dass Einbrecher stille, schwer einzusehende Gebäude belebten Ecken vorzögen. „An belebten Stellen ist weit mehr zu holen. Und wo viel los ist, kann man auch schneller untertauchen.“

Für Knies steht fest: „Wenn wir unsere Ermittlungsarbeit intensivieren, werden wir mittel- und langfristig auch mehr Erfolg haben.“ Außerdem steht die Husumer Polizei nicht allein da. Vielmehr ist sie mit den anderen Dienststellen im Lande bestens vernetzt und arbeitet auf der Basis eines gemeinsamen Ermittlungs- und Fahndungskonzeptes mit ihnen zusammen.

Ein gleichwohl schwacher Trost für alle, die Opfer eines Einbruchs geworden sind und seither von Ängsten geplagt werden. Auch sie finden Hilfe durch die Polizei und den Weißen Ring.

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