zur Navigation springen

Mehr Frauen in die Stadtpolitik : Nicht alles den älteren Herren überlassen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husums Gleichstellungsbeauftragte will Frauen die Kommunalpolitik näherbringen – und bietet den begleiteten Besuch von Sitzungen an.

von
erstellt am 05.Dez.2016 | 14:00 Uhr

Frauen, macht Politik! Das wünscht sich die Gleichstellungsbeauftragte Britta Rudolph. Frauen hätten oft zu hohe Ansprüche an sich selbst und würden sich daher nicht zutrauen, ein politisches Amt zu übernehmen. Britta Rudolph will Mut machen – zusammen mit ihren Kolleginnen in Schleswig-Holstein: Die Gleichstellungsbeauftragten haben dazu gemeinsam mit dem Landesfrauenrat und dem Sozialministerium die Kampagne „Frauen in die Kommunalpolitik“ gestartet. Mehr darüber gibt es im Internet unter www.frauen-sind-waehlerisch.de.

Warum wollen viele Frauen nicht in die Politik?

Politik, die ja mit Macht verbunden ist, ist gefühlt noch nicht das originäre Feld von Frauen und für sie eher ein noch negativ besetzter Bereich. Wenn man aber den Blickwinkel ändert und auf all die ehrenamtlich tätigen Frauen in Husum schaut oder auf die, die aufstehen, wenn sie unmittelbar von einer Veränderung betroffen sind wie beispielsweise in Sachen Schückingstraße oder Schobüller Sauna, kann man sagen: Wir haben politisch interessierte Frauen in der Stadt.

   In Gesprächen wird mir oft klar, dass es nur sehr vage Vorstellungen gibt, wie Kommunalpolitik funktioniert. Da kann das Gefühl entstehen, dass sehr viel Zeit und noch mehr Fachwissen nötig ist, um es zu schaffen. Einige scheitern dann schon an den überhöhten Ansprüchen an sich selbst. Diese Bedenken möchte ich den Frauen nehmen. Alle Politiker kochen schließlich nur mit Wasser.

Was für Eigenschaften sollten Frauen mitbringen, wenn sie sich politisch engagieren möchten?

Neben gesundem Menschenverstand und Interesse an der Stadt ist es gut, den Mut zu haben, Fragen zu stellen, aber auch einen eigenen Standpunkt zu vertreten. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist Geduld. Politische Beschlüsse brauchen Zeit, auch wenn vieles aus der Distanz einfach und klar aussieht.

Warum legen die Frauen aus den Fraktionen Wert darauf, sich ab und zu ohne ihre Kollegen zu treffen? Was wird dann besprochen?

Seit 1991 lädt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Frauen ein, die ein politisches Mandat haben – auch die, die nicht regelmäßig aktiv sind, weil sie etwa stellvertretendes bürgerliches Mitglied sind. Besprochen werden aktuelle Themen wie Kinderbetreuungsangebote oder der Rechnungshofbericht. Allerdings nicht mit dem Ziel, zu einem politischen Beschluss zu kommen, sondern um offen zu diskutieren. So bleiben Frauen, die nicht regelmäßig in Sitzungen sind, informiert. Für die anderen ist es wegen der Hintergründe, die sie hier erfahren, Teil ihrer Vorbereitung für die Beratungen.

Würden Sie Frauen raten, eher in den Finanz- und nicht in den Sozialausschuss zu gehen?

Wo spielt die Musik? Da, wo es um viel Geld geht, also im Finanz- oder Bauausschuss, mittlerweile aber auch im Sozialausschuss – Stichwort Kita-Finanzierung. Wenn Sie das Vorurteil widerlegen wollen, dass Frauen für Soziales und Männer für Geld zuständig sind, ist die Entscheidung klar. Frauen sollten sich ein Bild von den Gremien machen und sich dann entscheiden.

Welche Maßnahmen könnten die geringe Zahl von Frauen in der Kommunalpolitik erhöhen?

Ich werde 2017 Informationen für interessierte Frauen anbieten, unter anderem den gemeinsamen Besuch von Ausschuss-Sitzungen mit einer kurzen Einleitung und einer kurzen Nachlese. Wichtig ist mir, dass zeitlich einschätzbar ohne Verpflichtungen Kommunalpolitik im Echt-Betrieb erlebt wird. Die Parteien und die Wählergemeinschaft bieten bereits öffentliche Sitzungen an.

   Untersuchungen zeigen, dass es Frauen hilft, wenn sie persönlich angesprochen werden. Parteiintern ist es bei der Aufstellung der Listen natürlich interessant, wer welchen Wahlbezirk bekommt und wer welchen Listenplatz. Die Positionen der Parteien sind in Sachen Gleichstellung durchaus unterschiedlich. Je deutlicher die Haltung zu paritätischen Besetzungen, desto mehr Frauen sind auch vertreten. Auf Bundesebene sollte über ein Parité-Gesetz nachgedacht werden, dass eine Quote für Wahllisten sichert.

Der Weg in die Politik steht ja Frauen schon jetzt offen. Warum also all der Aufwand?
Als repräsentative Demokratie sollten wir ein ureigenes Interesse daran haben, das unsere Bevölkerung in all ihrer Buntheit repräsentiert wird. Nichts gegen das Engagement älterer Herren. Diesem haben wir einiges zu verdanken, aber einiges eben auch nicht, weil es nicht zu ihrer Lebensrealität gehört. Frauen oder junge Menschen haben Gestaltungskompetenzen für unsere Stadt. Manchmal braucht es mehr, als zu sagen: Der Weg steht euch offen, kommt dazu. Manchmal ist die Frage eben auch: Wenn wir es mit euch gemeinsam machen wollen, was muss sich dann ändern?




Frauen, die sich für die Arbeit in der Kommunalpolitik interessieren, wenden sich an Britta Rudolph unter Telefon 04841/666196 oder per E-Mail an britta.rudolph@husum.de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen