Nordstrand : Neujahrsempfang mit Wehmut

Amtsvorsteherin Eva-Maria Kühl (3. v. l.) und Bürgermeister Werner Peter Paulsen (2. v. l.) waren ebenfalls Gäste des gut besuchten Neujahrsempfang.
Amtsvorsteherin Eva-Maria Kühl (3. v. l.) und Bürgermeister Werner Peter Paulsen (2. v. l.) waren ebenfalls Gäste des gut besuchten Neujahrsempfang.

Zum letzten Mal fand die Veranstaltung in der Gaststätte Kiefhuck statt. Auf Nordstrand gibt es nun nur noch einen Gasthof mit Saal.

shz.de von
08. Januar 2018, 12:45 Uhr

Das Motto „The same procedere as every Year“ traf zwar einmal mehr auf den traditionellen Neujahrsempfang des Nordstrander Heimatvereins in Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Nordstrand-Pellworm des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa) zu, doch es schwang Wehmut mit hinein. Definitiv war es nämlich der letzte im gewohnten Domizil, dem Gasthof Kiefhuck.

Nach 29 Berufsjahren hatte Hausherr Gerd Höfer das Anwesen aus Altersgründen verkauft. Seit 2004 war er Gastgeber gewesen. „Ich habe sechs Jahre lang vergeblich nach einem Nachfolger gesucht, der bereit gewesen wäre, meine Arbeit weiterzuführen“, begründete er in seinem Grußwort diesen Schritt. „Dass der Käufer das Haus jetzt privatisiert und auch keine Ferienwohnungen daraus macht, konnte ich mir nicht aussuchen. Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht. Der Abschied geht mir hart ab“, erklärte Höfer sichtlich bewegt. Es bleibe festzustellen, dass sich das Verhalten seiner Gäste geändert habe. Man feiere eher in Zelten, Scheunen oder zu Hause. Auf der Halbinsel gebe es praktisch nun nur noch einen Gastronomie-Betrieb mit Saal. Mit Standing Ovations verabschiedeten sich die Nordstrander von dem beliebten Wirt.

Im Reigen der Grußworte bedankte sich die Bürgermeisterin der Nachbarkommune Elisabeth-Sophien-Koog, Ute Clausen, noch einmal besonders bei Höfer. Er habe sein Haus nicht nur für Feste und Einkehr zum Essen zur Verfügung gestellt, sondern sich auch sozial engagiert. Ohne auf Kostendeckung zu sehen, habe er viele ältere Mitbürger, die selbst nicht mehr kochen konnten, mit frischen Mahlzeiten versorgt. Dass das auch so weitergehe, dafür habe er gesorgt. Ein Kollege aus Horstedt werde das übernehmen.

In der Tat, so Nordstrands Bürgermeister Werner Peter Paulsen, sei die Aufgabe des Gasthofs ein Verlust. Als vor etwa 13 Jahren der Bau einer Mehrzweckhalle im Gespräch gewesen sei, habe es von Seiten der Gastronomen Proteste gehagelt. So schnell könne sich das Blatt wenden. Es müsse daher gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden. Zuallererst werde er möglichst zusammen mit Vereinsvertretern Gespräche mit dem Inhaber des Engländer Kruges aufnehmen, denn dort gebe es ja noch einen Saal. Auf die Anregung aus der Runde, das ehemalige Kinderheim umzubauen, erklärte der Gemeinde-Chef, dass das Grundstück im Außenbereich dem Erzbistum Hamburg gehöre und das Gebäude mittlerweile eine Ruine sei.

Amtsvorsteherin Eva-Maria Kühl rührte die Werbetrommel für die Kommunalwahlen im Mai. „Wir brauchen neue Leute im gesamten Amtsbereich, die sich politisch engagieren und damit mit gestalten möchten“, sagte sie. Bis zum 12. März müssten die Listen in trockenen Tüchern sein.

Mit Geschichten und Gedichten auf Platt bereicherte die „plattdeutschen Runde“ in der Archivgruppe des Heimatvereins, Heinke und Bernhard Paulsen, Heidrun Bienat, Holger Winkel und deren Leiterin Sabine Knappe-Gröger, die Veranstaltung.

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