Wohnprojekt : Neues Leben in alten Klassenräumen

Die denkmalgeschützte alte Schule am Trommelberg ist noch immer als Ort für ein Wohnprojekt im Gespräch.
Die frühere, heute denkmalgeschützte Osterhusumer Schule in Husum ist ein Modellprojekt für generationenübergreifendes Wohnen.

Das Husumer Wohnprojekt staTThus wurde im Hauptausschuss vorgestellt. Bürgermeister Uwe Schmitz hofft auf einen baldigen Vertragsabschluss, schließt aber auch einen Rückbau nicht aus.

23-1861369_23-55417960_1384516728.JPG von
02. Dezember 2014, 07:30 Uhr

„Wir sind derzeit 17 Personen“, erklärten die drei Vertreter der Wohnprojekt-Initiative staTThus den Vertretern im Hauptausschuss – „und möchten neues Leben in alte Klassenzimmer bringen“. Gemeint sind die Klassenräume der früheren Osterhusumer beziehungsweise Pestalozzischule am Trommelberg. Die steht seit dreieinhalb Jahren leer und soll verkauft werden. StaTThus interessiert sich für das Gebäude und hat es „schon ein bisschen in Besitz genommen“. Elf Wohnungen möchte die Initiative dort einrichten – wenn die Gruppe wächst, auch mehr.

Dass staTThus am Trommelberg nach dem Rechten schaut, kann nicht schaden. Zuletzt verlor das Gebäude doch sehr an Substanz. Heizung und Wasser waren zeitweise abgeschaltet (wir berichteten). Inzwischen hat die Gruppe den Keller des Gebäudes trockengelegt und einen der Räume so weit hergerichtet, dass sie darin tagen und gegebenenfalls auch „Hof halten“ kann – wie bei einem „parlamentarischen Abend“ mit Vertretern aus der Politik.

Diese „Wächter“-Funktion gegenüber dem denkmalgeschützten Gebäude würde staTThus durch einen Vornutzungsvertrag gern verstetigen, erklärten Irene Fröhlich, Michael Graf und Ronald Unger. Darüber sei mit der Stadt auch schon gesprochen worden, fuhren sie mit Blick auf Bürgermeister Uwe Schmitz fort. Der bestätigte dies, machte aber deutlich, dass „von der Gruppe in einem solchen Fall neben ideeller auch eine finanzielle Unterstützung erwartet“ werde. Beide Seiten hätten Interesse an einer gewissen Verbindlichkeit, so der Verwaltungschef.

Bis April sollten dann auch die Eckpunkte für einen Erwerb feststehen, sagte Schmitz und kündigte an, dass dem Stadtverordnetenkollegium nach der Sommerpause ein entsprechender Beschlussvorschlag unterbreitet werde. „Sollten die Verhandlungen scheitern, müssten wir uns nach einer anderen wirtschaftlichen Nutzung umschauen und parallel über einen Rückbau nachdenken“, so der Bürgermeister.

Ein Satz, der Elisabeth Mewaldt mit Sorge erfüllt. Das Landesamt für Denkmalschutz habe das Gebäude für erhaltenswert erklärt, sagte die Leiterin der Unteren Denkmalbehörde des Kreises Nordfriesland auf Anfrage. Und nachdem sich die Stadt zunächst Bedenkzeit erbeten hatte, sei aus dem Rathaus das Signal gekommen: „Ihr könnt das eintragen.“

Das lasse sich jetzt nicht mal eben zurückdrehen, erklärte Mewaldt unter Hinweis auf eine ergänzende Bemerkung von Stadtkämmerer Peter Seidel. Der hatte – ebenfalls auf Anfrage – erklärt, der Landesdenkmalschutz habe die Möglichkeit eines Abrisses für den Fall in Aussicht gestellt, dass eine wirtschaftliche Nutzung des Gebäudes nicht zu realisieren sei. „Nicht, dass wir das wollten“, sagte Seidel, aber so sei es der Stadt vermittelt worden.

„Also, dass mach’ ich nicht mit“, spielt Mewaldt den Ball zurück und kann sich nicht vorstellen, dass Kiel überhaupt derlei Signale aussendet. „Wenn das Gebäude dennoch abgerissen werden würde, müsste die Weisung hierfür schon von ganz oben kommen“, fasst sie zusammen. Das hieße in diesem Fall aus dem Ministerium für Justiz, Kultur und Europa.

Aber noch steht ein „Rückbau“ nicht in Rede, beschäftigt sich staTThus mit ganz anderen Fragen: Welche Rechtsform wählen wir für unser Wohnprojekt? Wie kann das Gebäude Denkmalschutz-konform umgebaut werden? Und wie soll das Projekt im Falle einer Vertragsunterzeichnung fachmännisch weiterentwickelt werden? Außerdem hat sich staTThus im Gegensatz zur Vorgängergruppe entschlossen, eine Dreiteilung des Grundstücks zu akzeptieren. Der nordwestliche Teil umfasst die Schule sowie einen (möglichen) Neubau. Den südwestlichen Teil sieht die Gruppe als Erweiterungsfläche und am östlichen Teil hat sie – jedenfalls derzeit – kein Interesse. Zum Schluss ihrer Ausführungen vor dem Hauptausschuss machten auch die drei staTThus-Vertreter dann noch einmal deutlich, dass „wir das Gebäude erhalten und hier kein Luxusleben führen wollen“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen