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Deichsicherheit in Gefahr : Neuer Super-Deich auf Nordstrand hat Schwachstellen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nordstrands neuer Klimadeich muss nachgebessert werden: Beim Bau wurden Steine verarbeitet. Bis Herbst müssen die raus.

von
erstellt am 22.Jun.2017 | 07:00 Uhr

Es ist gerade einmal drei Monate her, dass der erste Klimadeich Nordfrieslands von Ministerpräsident Torsten Albig auf Nordstrand eingeweiht worden ist. Und schon muss dringend nachgebessert werden, damit nicht schon die erste Herbstflut verheerende Folgen haben könnte. Denn für das Jahrhundertbauwerk zwischen Strucklahnungshörn und Norderhafen im Westen der Halbinsel wurden nicht nur 400.000 Kubikmeter Erde bewegt, sondern darin vermischt auch eine ganze Menge Steine. Und die müssen raus, damit zum Herbst wieder die volle Deichsicherheit gegeben ist.

32 Millionen Euro hat das moderne Bollwerk gegen den Blanken Hans mit einer Länge von 2,5 Kilometern gekostet. Das Besondere daran ist, dass spätere Generationen den Deich noch um einen Meter erhöhen können, ohne ganz von vorn anfangen zu müssen – sollte der Meeresspiegel weiter steigen. Jetzt ist er 8,70 Meter hoch.

Doch erstmal müssen die Steine im Deichkörper raus, sie sind zumeist faustgroß, etliche sollen aber auch deutlich größer sein. Ein Abschnitt von 700 Meter Länge ab dem Hafen Strucklahnungshörn, wo die Pellworm-Fähren und Ausflugsdampfer ablegen, ist betroffen. Die Sammelaktion funktioniert ähnlich wie die Kartoffelernte im Herbst. Zunächst wurden die obersten 30 Zentimeter Boden außendeichs aufgefräst, wie der zuständige Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) in Husum auf Anfrage mitteilt. Wo vorher grünes Gras wuchs, präsentiert sich jetzt der nackte, braune Boden den Spaziergängern, die auf der Deichpromenade unterwegs sind. Anschließend kommt das Sammelgerät zum Einsatz, das den Boden durchsiebt. Es sieht aus wie ein Kartoffelernter. Zum Schluss wird die Oberfläche glatt gemacht. Die Arbeiten sollen diese Woche beendet werden. In den kommenden Monaten, je nach Wetterlage, wird Gras einsät, so der LKN.

Einer, der die Arbeiten mit Befriedigung beobachtet, ist Nordstrands Deichgraf Hans Erich Hansen, der nicht weit vom Deich entfernt wohnt. „Wir als Sielverband Nordstrand haben bei den Bauarbeiten immer davor gewarnt, dass da so viele Steine mit verarbeitet werden“, erklärt er auf Anfrage. Das sei ein wenig grobfahrlässig gewesen. „Das hätte es früher nicht gegeben, da hat man immer sehr darauf geachtet, dass keine Steine oder andere Fremdkörper im Deich verbaut werden.“ Seiner Ansicht nach sei schon bei der Wegnahme des Materials nicht ausreichend sortiert worden. Da seien mit dem Sand aus dem Wattenmeer und dem Klei aus dem Altenkoog auf Nordstrand Steine aus dem bestehenden Deich vermengt worden und schließlich in das neue Bauwerk gelangt. Der LKN bestätigt, dass die Steine aus dem alten Deich stammen. Wer nun die Schuld daran hat, dazu hält sich der Landesbetrieb derzeit bedeckt.

Wären sie drin geblieben, hätte das böse Folgen haben können, sagt Deichgraf Hansen. Bei stärker auflaufendem Wasser oder Sturmflut würden die Wellen das Erdreich um die Steine abtragen oder diese sogar mit sich fortreißen. In den Löchern könnten die Wellen dann richtig angreifen. „Ein Deich muss homogen sein, die Oberfläche muss von Schafen festgetreten werden, und sie müssen das Gras kurzhalten.“ Und während der LKN sagt, dass die Sammelaktion nicht wiederholt werden muss, ist Hansen skeptisch. „Da stecken doch auch in der Tiefe welche drin, die werden nach außen wachsen, genau wie auf einem Acker.“

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