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Protest in Tating : Neuer Anlauf für Umgehungsstraße

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Landesregierung macht sich für das Projekt Tating stark. Noch bis zum 2. Mai dürfen sich Bürger an das Bundesverkehrsministerium wenden.

Es gibt neue Hoffnungen für die Realisierung der Tatinger Umgehungsstraße. Die wichtigste Botschaft in der Einwohnerversammlung zu diesem Thema hatte Nordfrieslands stellvertretender Landrat Jörg von Sobbe im Gepäck. „Die Zusammenführung einer Umgehung Garding /Tating soll im Bundesverkehrswegeplan auf die Eingabe des Landes hin gekippt werden. Es geht nun nur noch um die Umgehungsstraße Tating. Das habe ich heute in einem Telefonat mit der Kieler Staatskanzlei erfahren“, verkündete er. Starker Beifall war die Reaktion der 70 im „Eiderstedter Krug“ erschienenen Bürger. Eine schriftliche Bestätigung von Verkehrsminister Reinhard Meyer, so von Sobbe weiter, sei unterwegs. Das Land habe seine Hausaufgaben gemacht und den Fehler, der sich irgendwann in der „Bearbeitungskette“ eingeschlichen habe, korrigiert. „Der Kreis steht hinter Ihnen. Tating ohne Umgehung geht nicht“, bekräftigte von Sobbe. Bekanntlich habe sich auch der Kreistag dafür ausgesprochen. Zum Erstaunen aller Beteiligten auf Eiderstedt war im Bundesverkehrswegeplan eine Umgehung Garding-Tating geprüft und aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt worden. Allerdings war von der Stadt Garding eine solche Straße gar nicht beantragt worden, auch in der Amtsverwaltung finden sich keine Unterlagen dazu, In den vergangenen Jahren ging es immer nur um Tating (wir berichteten).

Umso wichtiger sei es jetzt, betonte Bürgermeister Hans Jacob Peters, dass alle Betroffenen im laufenden Anhörungsverfahren Stellung beziehen und dem Bundesverkehrsminister ihre persönliche Situation ausführlich schildern. Es müsse ihm anschaulich dargestellt werden, wie wichtig die Umgehungsstraße für Tating sei. Das gelte umso mehr für die Anlieger der Dorfstraße. Den Vorschlag eines Bürgers, ein Foto zur Untermauerung der persönlichen Situation beizufügen, gab er als Anregung weiter. Vielleicht helfe auch eine Luftbildaufnahme. Diesbezüglich hatte sich ein Einwohner bereiterklärt, sich darum zu kümmern, insbesondere um das Abklopfen der rechtlichen Seite. Der Countdown laufe, so Peters, bis zum kommenden Montag, 2. Mai. Bis dahin muss eine schriftliche Eingabe beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, abgegeben sein. Vorsorglich hatte der Gemeinde-Chef bereits mit Adressen versehene Briefumschläge mitgebracht. Viele versorgten sich damit. An den Kosten, so Peters, könne das Projekt Umgehungsstraße ja nun eigentlich nicht mehr scheitern. Es gehe nicht mehr um 12,1 Kilometer (mit Garding) und Kosten von 34,2 Millionen, sondern nur noch um 3,815 Kilometer für Tating sowie Kosten von rund sieben Millionen Euro. Er sei froh, über die Unterstützung des Kreises sowie der Nachbargemeinden St. Peter-Ording und Garding. Sowohl Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt als auch ihr Amtskollege Rainer Balsmeier hätten sich für die Umgehungsstraße Tating ausgesprochen und werden sich durch Eingaben dafür stark machen, nicht zuletzt auch Ministerpräsident Torsten Albig, mit dem er persönlich gesprochen habe. Er selbst habe für die Gemeinde Tating bereits Stellung bezogen. „Ich bitte euch alle um Unterstützung“, so sein eindringlicher Appell.

Damit eröffnete Peters eine Diskussionsrunde und bat um weitere Ideen. Die kamen spontan, mit viel Kampfgeist gewürzt. Vielleicht helfe an einem stark frequentierten Wochenend-Tag eine Sitzblockade der Anlieger oder das Parken vieler Fahrzeuge, um die größere Öffentlichkeit und bundesweite Medien aufmerksam zu machen. Auch die komplette Sperrung der Dorfstraße hätte, so ein weiterer Kommentar, eine solche Wirkung. Bis zur endgültigen Umsetzung müssten aber dringend Maßnahmen erfolgen, regte ein weiterer Bürger an. Er forderte eine zweite Fußgängerampel im mittleren Bereich der Dorfstraße. Ein Geschwindigkeitsmessgerät, das alle Fahrzeuge erfassen kann, so ein anderer, müsse her, nicht zuletzt für ein Protokoll und eine Statistik. „Ich plädiere dafür, dass wir den Bundesverkehrsminister herholen. Der hat doch gesagt, dass genug Geld da ist für den Bau. Er soll sich mal einen Tag in der Dorfstraße einmieten, damit er sieht, was hier läuft“, so eine verärgerte Anwohnerin. Sie habe junge Leute, die in St. Peter-Ording arbeiten, zur Miete. Die wollten in ihrer Freizeit Ruhe haben und nicht das Desaster im Dorf. „Es geht auch um die Sicherheit der Menschen, vor allem Schulkinder. Viele Beinahe-Unfälle habe ich schon beobachtet. Lkw-Fahrer beachten das Durchfahrverbot einfach nicht“, so eine weitere Anmerkung. Für aus St. Peter-Ording kommende Rettungswagen sei die Straße eine Herausforderung. Für die Einschaltung der Denkmalbehörde sprach sich ein Bürger aus. Es sei doch wichtig, das historische Dorf zu erhalten. Die Kommune habe extra einen Bebauungsplan aufgelegt.

„Ich nehme mit, dass wir eine zweite Ampel in der Dorfstraße sowie ein dauerhaftes Geschwindigkeitsmessgerät für alle Fahrzeuge beantragen“, so Peters. Die Stellungnahmen sind an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Invalidenstraße 44, 10115 Berlin, zu richten. Weitere Info: www.bvwp2030.de.

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