Neue Schätze im Museum

Familie Niesche hat viel Geld investiert, um das historische Bauernhaus in Drelsdorf noch attraktiver zu machen

shz.de von
17. August 2018, 16:45 Uhr

Ihr ganzes Leben lang widmete sich Traute Boockhoff den Nachforschungen zur Tradition der Trachten im Kirchspiel Drelsdorf. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 sammelte sie mit großer Leidenschaft an die 40 Trachten aus ganz Norddeutschland. Allerdings konnte sie auch bei vielen anderen schönen Dingen nicht Nein sagen. Was sie sammelte und in drei liebevoll eingerichteten Stuben auf der Tenne des Bauernhauses präsentierte, stieß auch bei interessierten Besuchern auf Begeisterung, und so entstand auf dem Hof Lehn 2 im Drelsdorfer Osterfeld mit der Zeit ein kleines, aber feines Trachten- und Heimatmuseum.


Möbel, Trachten, Kameras

Unter ihren Schätzen aus mehreren Jahrhunderten fällt eine Truhe aus dem Jahr 1699 besonders ins Auge. Aber auch der Bilegger-Ofen von 1850 ist ein echter Blickfang. Ebenso die Möbel aus unterschiedlichen Epochen, auf denen lebensecht wirkende Schaufensterpuppen in aufwendig gefertigten Trachten sitzen. Zusammen mit all den altvertrauten Haushaltsgegenständen und Küchenutensilien vermitteln sie den Besuchern mehr als nur eine Idee vom Leben in früheren Zeiten. Da auch Hans Ingwer Boockhoff Zeit seines Lebens Schätze hortete, hinterließ er 2002 eine große Anzahl antiker Kameras und Ansichtskarten, die ebenfalls hier ausgestellt sind. Und altertümliche Steine – darunter mehr als 300 Flint-Artefakte, die er in den 1970er-Jahren auf einem Acker fand. Einer dieser Funde ist besonders wertvoll, denn er beweist, dass tatsächlich der Neandertaler hier in der Gegend gelebt haben muss.

So gab es immer schon Gründe genug, dem Museum mit der besonderen Atmosphäre einen Besuch abzustatten. Allerdings gab es da auch ein winziges Manko, denn um zu den Räumen oben auf der Tenne zu gelangen, musste man mühsam eine sperrige Betontreppe erklimmen und sich dort dann damit abfinden, dass unter dem luftigen Dach auch mal Schwalben ein- und ausflogen.


Zwei neue Räume

Das ist jetzt ganz anders, denn nachdem Tochter Annette, Schwiegersohn Carsten-Heinrich und Enkel Andy Niesche von Pobüll aus hierher gezogen sind, um das Museum im Sinne ihrer Tante und mit genau der gleichen Begeisterung weiterzuführen, hat sich eine Menge getan. Von der Lohdiele aus führt jetzt ein breiter, gefliester Treppenaufgang nach oben. Dort wurden die Decken so weit heruntergezogen und die Wände erneuert, dass zwei völlig neue Räume entstanden sind. Der eine beherbergt die beeindruckende Radio- und Volksempfänger-Sammlung des ehemaligen Drelsdorfer Bürgermeisters Harald Paulsen, der andere eine urige Waschküche mit antiken Textilien und alten Bügeleisen sowie eine gemütliche Wohnküche mit ebenso sehenswerten Relikten aus dem Besitz des Schobüller Sammlers Erwin Jacobsen. Mit diesen beiden zusätzlichen Zimmern verfügt das Museum nun über insgesamt neun Stuben, die allesamt ihren ganz eigenen Charme haben.

Gut besucht

Dass es sich lohnt, diese Neuerungen in Augenschein zu nehmen, scheint sich schon herumgesprochen zu haben, denn viele Vereine und Reisegruppen kommen mittlerweile nach Drelsdorf, um ihre jeweilige Veranstaltung mit einem Museumsbesuch zu krönen. „Es wäre schön, wenn sich interessierte Besucher vorher unter Telefon 04673/813 bei uns anmelden würden“, sagt deshalb Annette Niesche, die keinen Eintritt verlangt, sich aber immer über Spenden zur Erhaltung des Museums freut.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen