Süderoogsand : Neue Leuchtbake auf Süderoogsand in Betrieb

Mitten im Watt setzte ein Kran das Laternenhaus und den Container mit der Schalt- und Aggregatkabine auf den Turm auf
Mitten im Watt setzte ein Kran das Laternenhaus und den Container mit der Schalt- und Aggregatkabine auf den Turm auf

Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning reißt altes Bauwerk ab und errichtet ein modernes Seezeichen.

shz.de von
02. Januar 2018, 16:00 Uhr

Einen neuen Standort erhält die ehemalige Leuchtbake auf der größten der nordfriesischen Sandbänke, Süderoogsand, südwestlich der Insel Pellworm gelegen. An diesem markanten Bauwerk orientierten sich bereits viele Jahrzehnte Seeleute und auch Piloten. Weil häufig Segelschiffe strandeten, von der Brandung zerstört wurden und im Sand versanken, veranlasste 1867 die preußische Verwaltung den Bau einer 24 Meter hohen Bake aus Holz mit einem Schutzraum für Schiffbrüchige.

Wegen Veränderungen des Außensandes folgten mehrere Neubauten. 1940 erhielt die Bake anstelle des kugelförmigen Topzeichens eine Gaslaterne und wurde damit zum Leuchtturm.

Nachdem eine Bake bei Schweißarbeiten abgebrannt war, fand der letzte Neubau in den Jahren 1985 bis 1987 statt. Verlagerungen eines Priels vor der an der Seeseite gelegenen Bake und starker Sandabtrag führten mittlerweile dazu, dass die Gründungspfähle bis zu einer Höhe von zwei Metern freigelegt wurden und unterhalb der Bake eine Auskolkung von eineinhalb Metern stattfand. Das gefährdete die Standfestigkeit. Um die Lage zu stabilisieren, wurden am Fuß des Turmes 825 Sandsäcke in zwei bis drei Schichten ausgelegt.

Weil das die Probleme nur für gewisse Zeit milderte, entschied man sich von Seiten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zum Abriss der alten Bake und plante einen Neubau an einem anderen Platz. Da der Sand jährlich bis zu 40 Meter ostwärts wandert, favorisierte man den neuen Standort etwa zwei Kilometer weiter gen Osten auf der aktuell am höchsten gelegen Stelle. Mit Rücksicht auf die Brut seltener Wanderfalken konnte mit dem Abriss der alten Bake erst Mitte Juli des Vorjahres begonnen werden. Die alten Pfähle wurden bis auf einen Meter abgesägt und die restlichen Stümpfe herausgerüttelt. Zeitgleich begann die Gründung mit leistungsstarken Maschinen. Neun Pfähle aus Basralocus, einer extrem widerstandsfähigen Tropenholzart, wurden im üblichen Verfahren mit Spül-Lanze und Ramme bis zu 15 Meter tief in den Boden getrieben, um darauf die weiteren Aufbauten aus Bongossiholz – wie im Wasserbau üblich – zu befestigen.


Harte Arbeit im Takt der Tide

Rund 15 Handwerker sowie die Mitarbeiter der Bauaufsicht leben auf einem an der Südspitze des Sandes platzierten Wohnschiff, um von hier aus im wöchentlichen Schichtwechsel bei Wind und Wetter die notwendigen Arbeiten durchzuführen. Besondere Schwierigkeiten beim Aufbau ergaben sich bisher aufgrund der exponierten Lage von Süderoogsand durch zum Teil extreme Tide- und Windbedingungen.

Rund 100 Tage im Jahr ist der Sand überflutet, insbesondere in dieser Jahreszeit. Außerdem sind die Wege zwischen Wohnschiff, Lagerplatz für für Materialien, Maschinenplatz und Baustelle knapp drei Kilometer lang. Für ergänzende Arbeiten mussten zeitweise Fachkräfte und Material mit dem Hubschrauber eingeflogen werden. Das Sturmtief Bastian zerstörte eine speziell für die Sicherung der Maschinen und Geräte angehäufte Warft und richtete damit immensen Schaden an. Alle Geräte wurden überschwemmt und zum Teil in den Sand gespült. Eine aufwendige Bergung war erforderlich.

Die Arbeitsweise der neuen Bake wird jetzt auf einen modernen energetischen Stand nach ökologischen Gesichtspunkten gebracht. Solarzellen und neuerdings auch Windkraft erzeugen die notwendige Energie für das 19 Meter hohe, an der Spitze platzierte Leuchtfeuer, das als Quermarkenfeuer für das Fahrwasser Hever dient und aus einem Halogen-Leuchtmittel (24 Volt / 100 Watt) besteht. Ein mit Diesel betriebenes Notstromaggregat wird nunmehr aussortiert. Die Schalt- und Aggregatkabine sowie das Laternenhaus bestehen aus Aluminium. Betrieb und Unterhaltung regelt das Wasser- und Schifffahrtsamt in Tönning.

Nun geht die Bake voll in Betrieb. Die Verantwortlichen erhoffen sich gegenüber der alten Bake eine 20 Jahre längere, also rund 50 Jahre währende Lebensdauer, wenn nicht unvorhergesehen Tide, Stürme oder andere Einflüsse diesen Plan durchkreuzen.

Auf alle Fälle können nach Ende der Arbeiten und Abzug der Bauhandwerker Seevögel und Robben dieses ständig im Wandern begriffene, der Natur überlassene Eiland wieder vollständig in Besitz nehmen und dort ungestört von Menschen im Wechsel von Ebbe und Flut ihre Zeit verbringen.

Das Betreten von Süderoogsand ist übrigens, da es in der Kernzone des Schleswig-Holsteinischen Nationalparks liegt, nur mit einer Sondergenehmigung der Nationalparkverwaltung erlaubt.

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