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Vogelschutz auf Eiderstedt : Neue Kinderstube für bedrohten Vogel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei Poppenbüll legt die Stiftung Eiderstedter Natur ein Brutrevier für die Trauerseeschwalbe an. Es entsteht eine Tränkekuhle. Zwei bestehende Gräben werden verbreitert.

Der Bagger ist fleißig am Werk. Schaufel für Schaufel schafft er hier mitten auf einer Wiese zwischen Poppenbüll und Westerhever eine Kinderstube für die bedrohte Trauerseeschwalbe. Es ist eine Art Teich, nämlich eine für Eiderstedt typische Tränkekuhle, sie ist bereits im Rohbau fertig. Fehlt nur noch ein wenig Bewuchs und, ganz wichtig, Nistflöße, denn auf diese ist die Trauerseeschwalbe auf der Halbinsel angewiesen. Sie werden erst im kommenden Frühjahr eingerichtet, rechtzeitig zur Brutsaison im Mai. Und damit die Küken auch etwas zu futtern haben werden, macht der Bagger auch gleich noch eine Speisekammer zurecht, nämlich zwei Gräben auf der gut zwölf Hektar großen Fläche. Sie werden den Elternvögeln als Jagdrevier dienen. Denn für die Aufzucht benötigen sie kleine Fische, Insektenlarven und Kaulquappen.

Mit diesem Projekt startet die Stiftung Eiderstedter Natur ihre Maßnahmen zur Rettung der vom Aussterben bedrohten Trauerseeschwalben. Wie dringend etwas getan werden muss, zeigen Zahlen aus dem vergangenen Jahr: Da zogen 16 Brutpaare gerade einmal sieben Jungvögel groß, 2015 waren es 18 Brutpaare und zehn Jungvögel. Für dieses Jahr liegen noch keine Daten vor, doch sollen es wieder weniger als 20 sein. Die Trauerseeschwalbe droht aus der Landschaft zu verschwinden.

Früher fühlte sie sich auf Eiderstedt mit seinen Weiden, zahlreichen Tränkekuhlen und offenen Gräben sehr wohl. Ende der 1960er Jahre gab es noch um die 800 Paare, 2002 waren es rund 100 Paare, 2008 nur noch 32. 2009 wurde zum Schutz der Trauerseeschwalbe nach vielen Protesten ein EU-Vogelschutzgebiet in den Bereichen Westerhever, Poppenbüll und Kotzenbüll ausgewiesen. Dennoch sinken die Bestandszahlen rapide. Die Veränderungen in der Landnutzung, die zunehmenden Bestände an Beutegreifern wie Fuchs, Marderhund und Marder und auch das mangelnde Nahrungsangebot machen dem amselgroßen Flieger das Überleben schwer. Seit Jahren wird von Naturschützern beklagt, dass in Eiderstedts Gräben zu wenig Wasser steht, sie keinen Lebensraum für Nahrungstiere bilden. Der Nabu zog in dieser Sache sogar vor Gericht und erhielt recht.

Mit der neuen Tränkekuhle in der Nähe des Süderhever Siels will die Stiftung Eiderstedter Natur nun Abhilfe schaffen. Auch wenn sie alleine natürlich nicht ausreicht, wie Dr. Bernd Scherer, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung, im Pressegespräch betont. Natürlich seien auch die Bemühungen des Arbeitskreises, der sich um die Umsetzung des Managementplans im Vogelschutzgebiet kümmert, wichtig. „Ein weiterer wichtiger Baustein ist beispielsweise die Durchgängigkeit der Sielzüge und Gräben von der Nordsee bis in die Brutgebiete.“ Denn nur dann könne der Dreistachelige Stichlinge, der Hauptnahrungsfisch der Trauerseeschwalbe, zum Laichen ins Landesinnere gelangen. Derzeit müssen die Schuppentiere noch durch den Menschen zu den Vögeln gebracht werden, bisher hat das der Verein Weideland Eiderstedt übernommen. Doch die Durchgängigkeit hat einen Haken: Würden alle Stauplatten und Schotts entfernt werden, würde das Wasser aus den Gräben in die Nordsee abfließen, auch dann könnten keine Stichlinge einwandern, wie Scherer erklärt.

Und noch etwas ist wichtig: Damit Gräben und Kuhle nicht wieder zuwachsen und damit für die Trauerseeschwalbe unattraktiv werden, soll die Fläche von Rindern beweidet werden, wie Thorsen Stegmann, Maßnahmenmanager der Stiftung Naturschutz, erklärt.

Die Arbeiten vor Ort überwacht der Biologe Niels Damm von der Firma Amphi aus Odense/Dänemark. Er achtet drauf, dass die Gräben nicht zu tief, zu breit oder zu steil gebaggert werden. Bis Ende der 32. Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

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erstellt am 08.Aug.2017 | 16:00 Uhr

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