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Volkskrankheit „Schweres Übergewicht“ : Neue Hoffnung nach langem Leiden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Trotz Ablehnung der Krankenkasse verhilft das Husumer Adipositas-Zentrum einer 52-Jährigen zum Magenbypass.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Julia Holst leidet, und das mittlerweile seit 14 Jahren. Nach ihrer dritten Schwangerschaft nahm sie dramatisch an Gewicht zu. Heute bringt die 52-Jährige 132 Kilogramm auf die Waage, ist frühverrentet, häufig auf einen Rollator angewiesen, hat starke Schmerzen, hohen Blutdruck, Diabetes und nächtliche Atemaussetzer. Die gebürtige Kasachin, die heute in Rendsburg lebt, kämpft mit schwerem Übergewicht, einer chronischen Krankheit, auch als Adipositas bekannt. Diverse Diäten blieben ohne nachhaltigen Erfolg, ein Schicksalsschlag verschärfte das Problem: „Dabei ist mir mein Gewicht wieder entglitten. Am Ende war ich schwerer als vorher“, schildert sie ihren Leidensweg.

Ungeachtet dessen hat ihre gesetzliche Krankenkasse es abgelehnt, die Behandlungskosten
für einen operativen Eingriff zu übernehmen, der die Probleme lösen oder doch zumindest massiv lindern kann. Hilfe erhält Julia Holst nun trotzdem: Gestern bekam sie im Adipositas-Zentrum des Klinikums Nordfriesland einen sogenannten Magenbypass, bei dem ein kleines Stück des Magens hinter dem Speiseröhren-Eingang abgetrennt und direkt mit dem Dünndarm verbunden wird. Dadurch reduziert sich die Nahrungsmenge, die aufgenommen werden kann, ebenso wie die Aufnahme von Dickmachern.

Das Besondere an dem Fall von Julia Holst: Das Klinikum Nordfriesland übernimmt im Rahmen des Aktionstages zur Volkskrankheit „Schweres Übergewicht“ mit 40 anderen zertifizierten Adipositas-Zentren in Deutschland exemplarisch die Kosten für den Eingriff, um diese dann von der Krankenkasse gegebenenfalls mit Hilfe eines Sozialgerichtsverfahrens einzuklagen. Das Klinikum ist damit Partner einer europaweiten Kampagne zur „Epidemie Adipositas“. Diese verfolgt das Ziel, von den Kassen und ihren Medizinischen Diensten mehr Verständnis und vor allem eine Orientierung an den medizinischen Leitlinien einzufordern, die Fachverbände für die Therapie von schwer übergewichtigen Patienten erarbeitet haben, so das Klinikum.

Wichtiger Aspekt der Kampagne ist es aber auch, erfolgreich zu vermitteln, dass Übergewicht eine chronische Erkrankung – therapierbar, aber nicht heilbar – ist mit teils gravierenden Begleit- und Folgeerkrankungen, wie Gelenkproblemen, Herz/Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ II und nicht zuletzt einer höheren Gefahr, an Krebs zu erkranken.

Ebenso wünschen sich die Initiatoren der Kampagne, dass schwer Übergewichtige nicht darauf reduziert werden, selbst schuld an ihrer Erkrankung zu sein. Ebenso könne die Therapie nicht auf die Formel „Weniger Essen = weniger Gewicht“ vereinfacht werden.

Diese Vielschichtigkeit der Ursachen, Wirkungen und Behandlungsstrategien verbiete es, schwer Übergewichtigen mit Ablehnung und abfälligen Bemerkungen gegenüberzutreten – „Verhaltensweisen, die die Betroffenen aber täglich erfahren“, so die Fachleute des Adipositas Zentrums Nord. Um Betroffene zu einer medizinischen Behandlung und zur Integration in die Gesellschaft zu motivieren, müsse aber gerade diese Isolation durchbrochen werden.

Näheres: www.klinikum-nf.de

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