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Rettung aus der Luft : Neue Helikopter für Inseln und Halligen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Luftrettung für die nordfriesischen Inseln und Halligen wird durch Helikopter erweitert, die bisher nur für Offshore-Windparks Einsätze fliegen. Das ist eine Neuigkeit von der Insel- und Halligkonferenz auf Sylt.

Sylt | In Notfällen sollen künftig zusätzliche Rettungshubschrauber die Inseln und Halligen anfliegen. Der Rettungsdienst Nordfriesland hat jetzt auch eine Maschine des privaten Betreibers Northern Helicopter (NHC) in seine Rettungskette integriert, die bisher meist nur offshore für Windparks wie Dan Tysk oder Butendiek zum Einsatz kam. Dadurch werden künftig Notfalleinsätze von Hubschraubern der DRF Luftrettung und der Bundesmarine (SAR) unterstützt.

Mitunter dauert es länger als sonst üblich bis Rettungskräfte die Inseln und die Halligen erreichen. Durch den Einsatz des neuen Hubschraubers soll es im Notfall schneller gehen und eine ständige Bereitschaft gesichert sein.

Der in St. Peter-Ording stationierte NHC-Hubschrauber passe sehr gut in das Notfallkonzept für die nordfriesischen Inseln, weil die Halbinsel Eiderstedt ins Meer hineinrage und daher in Extremsituationen schneller auf den Inseln und Halligen geholfen werden könne, sagte Manfred Uekermann gestern während der Tagung der Insel- und Halligkonferenz (IHKo) in Wenningstedt auf Sylt.

Seit wenigen Tagen informiert die Rettungsleitstelle Nord in Harrislee den Offshore-Hubschrauber, falls die Maschinen aus Niebüll oder Rendsburg nicht kommen können. Hintergrund des dringend notwendigen Ausbaus der fliegenden Rettungsflotte seien auch fehlende medizinischen Strukturen nach der Schließung der Geburtsstationen auf Sylt und Föhr sowie die neue Ausrichtung und zunehmende Spezialisierung von Kliniken auf dem Festland, erläuterte Uekermann.

Doch darüber hinaus gestaltet sich die medizinische Notfallversorgung auf den Halligen ohnehin schwierig. Während auf größeren Inseln und dem Festland nach spätestens zwölf Minuten ein Rettungswagen vor Ort sein sollte, braucht die ärztliche Hilfe im Wattenmeer oft länger – besonders bei schlechtem Wetter. Was es bedeutet, auf einer Hallig in Not zu geraten, schilderte auf der Konferenz eindrucksvoll Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras, der auch zum Vorstand der IHKo gehört.

2015 habe er wegen Verdachts auf Herzinfarkt in ein Krankenhaus gemusst. Weil jedoch wegen Nebels kein Helikopter fliegen konnte, habe eine fünfstündige Odyssee begonnen, ehe er in Husum ankam. Denn auch ein zu Hilfe geeilter Seenotrettungskreuzer habe den Hafen auf dem Festland wegen Ebbe zunächst nicht anlaufen können. Schließlich musste die Feuerwehr den 60-Jährigen vom Schiff holen. „Aufgrund von Nebel, Eisregen oder wenig Wasser haben wir immer mal wieder Probleme, Patienten von der Insel zu bekommen“, berichtete Rettungsassistent Thomas Frank, der sich auf Hooge um Patienten kümmert – ein Arzt komme nur alle zwei Wochen im Wechsel. „Wir müssen auch mal auf Rettungsmittel zurückgreifen, die eigentlich keine sind“, ergänzte Jens-Peter Lindner.

Auf der Sylter Tagung von rund 30 Insel- und Hallig-Bürgermeistern erinnerte der Leiter des Fachdienstes Rettungswesen Nordfriesland an den Fall, dass sogar schon mal eine Fähre in den Nachtstunden mit nur einem Patienten von Föhr zum Festland fahren musste.

„Wir helfen bei Notfällen natürlich gerne und springen ein, wenn Hubschrauber nicht fliegen können. Obwohl das nicht zu unseren Aufgaben gehört und bisher gesetzlich nicht geregelt ist“, erklärte Holger Schwalbe von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes wies auf politische Probleme hin, die es dringend zu lösen gelte.

Die Probleme der Notfallversorgung auf den Inseln und Halligen waren das zentrale Thema der 37. Mitgliederversammlung, zu der zahlreiche Referenten eingeladen waren. Eine langjährige Forderung der Konferenz, dass endlich alle Akteure zusammenkommen und die beste Versorgung für Inseln und Halligen finden, sei zufriedenstellend umgesetzt. „Wir können es als einen Erfolg der intensiven Zusammenarbeit von Kreis Nordfriesland sowie Insel- und Halligkonferenz verzeichnen, dass für unsere Region Uthlande bald die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen werden, wie sie auf den Offshore-Plattformen bereits Standard sind“, dankte Matthias Piepgras.

Auf den Weg gebracht werden soll aber auch ein Pilotprojekt zur telemedizinischen Versorgung auf einer der Halligen. Dazu laufen aktuell Gespräche mit einem Anbieter, dem Uniklinikum Kiel sowie mit der Landesregierung. „Denn jeder Hubschraubereinsatz, den wir vermeiden können, spart nicht nur Geld. Der Einsatz von Telemedizin bietet auch mehr Sicherheit für Notfallpatienten und das geschulte Personal vor Ort“, sagte IHKo-Vorstand Piepgras. „Wir fordern einfach die beste Notfallversorgung, die technisch möglich ist, egal woher sie kommt.“

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erstellt am 14.Apr.2016 | 15:00 Uhr

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