Fischbesatz in der Treene : Neue Heimat für französische Aale

Björn Ove Peters vom Schwabstedter Anglerverein entlässt gerade Aale in die Treene. Neben ihm steht der Vorsitzende Dirk Sönksen und daneben kniet Mitglied Finn Buchholz.
Björn Ove Peters vom Schwabstedter Anglerverein entlässt gerade Aale in die Treene. Neben ihm steht der Vorsitzende Dirk Sönksen und daneben kniet Mitglied Finn Buchholz.

Der Schwabstedter Angelsportverein will mehr Aale in der Treene heimisch machen und beteiligt sich an einer Fischbesatz-Aktion des Landessportfischerverbandes.

shz.de von
14. Juni 2018, 09:00 Uhr

Der steife Wind war nicht bestellt – die vielen Aale schon: Vorstandsmitglieder mehrerer Angelvereine aus Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie Fischereiberater Martin Purps vom Landessportfischerverband Schleswig-Holstein hatten sich gestern Morgen an der Nato-Brücke bei Süderhöft zu einer gemeinsamen Aktion zusammengefunden. Als Vertreter des Landesamtes für Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt (LLUR) waren Dirk Vowe und Dirk Milanowski vor Ort.

„Der Aal ist gefährdet“, machte der Vorsitzende Dirk Sönksen vom Fischerei- und Angelsportverein Schwabstedt von 1966 (FASV) deutlich. „Und Ziel dieses Besatzes ist die nachhaltige Förderung des Aalbestandes, der sich in den vergangenen Jahren aufgrund der verringerten natürlichen Zuwanderung auch in Schleswig-Holsteins Küsten- und Binnengewässern negativ entwickelt hat.“ Es bestehe Hoffnung, durch diesen Besatz mittelfristig die Anzahl der abwandernden laichreifen Blankaale zu erhöhen. Sollten sie ihr Laichgebiet in der Sargassosee vor der mittelamerikanischen Küste erreichen, könnten sie für zusätzliche Nachkommen sorgen, was dann wiederum zu einer vermehrten Zuwanderung von Glasaalen an den europäischen Küsten führen würde.

Für wissenschaftliche Untersuchungen werden die Aale in bestimmten Gewässersystemen vor dem Aussetzen mit Alizarinrot markiert. Dazu kommen sie drei Stunden lang in ein Farbbad. Der Farbstoff lagert sich im Aal-Körper fest an das in den Knochen enthaltene Calcium an. Unter einem Spezialmikroskop lässt sich später feststellen, ob ein Aal aus dem Besatz oder auf natürlichem Wege in ein Gewässer gelangt ist.

Die neuerliche landesweite Besatz-Gesamtmaßnahme kostet 100.000 Euro und wird zu 60 Prozent mit EU-Geldern bezuschusst. Die jetzt an der Treene ausgesetzten Glas-Aale haben bereits einen längeren Weg hinter sich - sie stammen aus Frankreich und wurden von dort zum „Vorziehen“ nach Dänemark befördert. „Es handelt sich hier also um sogenannte Farm-Aale“, berichtete der Diplom-Boiologe Martin Purps, „die im Durchschnitt 15 Zentimeter groß sind. Der Aal ist auch deshalb so bedroht, weil er in großen Mengen nach China und Japan verschifft wird.“

Die beiden LLUR-Mitarbeiter prüfen, ob auch die entsprechenden Mengen in den entsprechend vorgesehenen Gewässern eingesetzt werden und nicht woanders hingelangen. Das müssen sie dokumentieren, da diese Maßnahmen von der EU bezuschusst werden. Landesweit werden an diesem Tag 2,2 Tonnen Aale „zu Wasser gelassen“. Die Fische seien drei Monate alt. Den Antrag hatte der Landessportfischerverband gestellt. „Die Aale sind von guter Qualität, wir haben noch kein totes Tier darunter gefunden“, bescheinigte Dirk Vowe.

Vor Ort – an der Natobrücke – entlässt Björn Ove Peters die Aale aus einem Eimer heraus in die Treene. Nur kurze Zeit verbleiben sie in einem Pulk – dann schwimmen alle in unterschiedlichen Richtungen davon. Anschließend geht es weiter – der FASV verteilt noch Aalbesatz in Höhe Winnert, Rott und Rheider Au in der Treene.

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