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„Eckpfeiler“ in Nordfriesland : Neue Gesellschaft gegen Wohnungsnot gegründet

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von Arbeiterwohlfahrt bis Diakonisches Werk: Soziale Einrichtungen bündeln in gemeinnütziger Gesellschaft Angebot und Nachfrage für Wohnraum.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 15:00 Uhr

Behörden, Gemeinden und Einrichtungen in Nordfriesland, die in ihrer Sozialarbeit professionell für bedürftige Klienten täglich nach bezahlbarem Wohnraum suchen, scheitern immer wieder am Mangel am Markt. Beklagt wird dies schon über Jahre. Aufrufe an Kommunen oder Wohnungsbaugesellschaften, den öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbau wieder aufzunehmen, verhallen bis auf wenige Ausnahmen. Jetzt haben sich Experten aus den vielen Einrichtungen, die nicht länger mit dem Mangel leben wollen, im Kreishaus getroffen und zu einer umfassenden Gegenstrategie verabredet.

Wichtigste Entscheidungen: Sie halten zusammen. Sie wollen ihre Recherchen bündeln, damit sie nicht länger neben- oder gar gegeneinander die Wohnungsangebote abklappern. Eine Kerngruppe aus Arbeiterwohlfahrt Bredstedt, Arche Unterstütztes Wohnen, Brücke SH, Diako Nordfriesland (Husumer Insel) und Diakonisches Werk sowie Land in Sicht gründen mit bereits beantragten Fördermitteln des Landes eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH). Die soll „Eckpfeiler NF“ heißen und zum zentralen Instrument bei der Vermittlung von bezahlbarem Wohnraum werden. Die Gruppe hatte bereits kürzlich auf sich aufmerksam gemacht, als sie in Husum an der Ecke Neustadt  / Schlossstraße gemeinsam ihre Begegnungsstätte „Eckhus“ eröffnet hatte, die nicht nur für ihre Klienten, sondern auch für die Öffentlichkeit gedacht ist (wir berichteten).

An die von ihnen geschaffene gGmbH wollen sie darüber hinaus so viele Akteure wie möglich binden, die im weitesten Sinne mit dem Wohnungsmarkt zu tun haben. Folglich saßen mit Michael Siegmund und Jürgen Sönnichsen auch Vertreter des Eigentümerverbandes Haus & Grund mit in der Runde. Sie erläuterten, dass durchaus weitere der von ihnen vertretenen Eigentümer zu gewinnen seien, zusätzlichen Wohnraum bereitzustellen. Viele wünschten sich aber im Kontakt miteinander mehr Verbindlichkeit. Michael Siegmund riet daher zur Professionalisierung und Standardisierung von Abläufen. „Unsere Mitglieder sind keine Großgrundbesitzer, sondern zu ihnen zählt auch das alte Mütterchen, das die Miete braucht, um ihr Haus halten zu können.“ Für Vermieter wie sie sei es daher wichtig, verlässliche Ansprechpartner zu haben. Dabei könne die in Gründung befindliche gGmbH eine zentrale Rolle spielen.

Mehrere Akteure aus dem Sozialraum Mitte stießen in die selbe Kerbe und rieten, die Zusammenarbeit so zuverlässig zu organisieren, dass der Erfolg nicht vom Engagement momentan handelnder Personen abhängt. Dr. Dirk Wassermann (Awo Bredstedt): „Die sind womöglich drei Wochen im Urlaub – und dann geht nichts voran.“

Damit war allen klar, dass die gGmbH genau diese von allen geforderte Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit schaffen werde. So hatten auch die beiden Moderatoren und Projektkoordinatoren Taike Claußen und Mali Schumann immer wieder die zentrale Rolle betont, die „Eckpfeiler NF“ spielen werde. Hinter der Idee stehen auch die Mitarbeiter der Kreisverwaltung, die dafür nun in den Dienstversammlungen der Bürgermeister werben wollen. Carsten F. Sörensen (SPD) will das Thema in den von ihm geleiteten Arbeits- und Sozialausschuss des Kreises mitnehmen. Und „Eckpfeiler“ wird sich zudem auch in Versammlungen von Haus & Grund vorstellen.

Die Projekt-Koordinatorinnen hoben allerdings auch hervor, dass die neue Gesellschaft vor allem Prozesse optimieren wolle und nicht in der Lage sei, neuen Wohnraum zu schaffen. Einzelne in der Runde fragten daher, ob die gGmbH folglich nur den Mangel am Markt verwalte. Ute Christiansen, Abteilungsleiterin Wohnen bei den Mürwiker Werkstätten in Niebüll, riet dazu, „Eckpfeiler NF“ dazu zu nutzen, Investoren für den Bau neuer Wohnungen zu gewinnen – wie es den Werkstätten in Südtondern mit der Gewoba Nord gelungen sei. Dort stehen jetzt neue, barrrierefreie Wohnungen zur Verfügung. Telse Jacobsen, Kreistagsabgeordnete der CDU, empfahl ebenfalls, mit den Wohnungsbaugesellschaften zu kooperieren – und sie und andere denkbare Investoren stets auf die Kredite hinzuweisen, die es für sozialen Wohnungsbau gebe.

Taike Claußen und Mali Schumann drückten ihre Freude über die positive Resonanz in der Runde aus. Mali Schumann führt das auf die ohnehin enge Zusammenarbeit der Einrichtungen in den drei nordfriesischen Sozialräumen zurück. Im Frühjahr wollen sich „Eckpfeiler NF“ und Partner erneut in der großen Runde beraten.

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