Nordfrieslands Sielverbände : Neue Gefahr in Nordfriesland: Landunter binnendeichs

Überwachung: Thies Horn in der Anlage Schlüttsiel.
Überwachung: Thies Horn in der Anlage Schlüttsiel.

Womöglich prallen bald der Blanke Hans von der Nordsee und das Hochwasser aus den Vorflutern aufeinander – wie Wasser- und Bodenverbände sich wappnen.

shz.de von
06. Januar 2018, 07:10 Uhr

Das vom Himmel stürzende Wasser soll so schnell wie möglich ins Meer befördert werden. Darum kümmern sich in Nordfriesland zentral der Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel in Risum-Lindholm und der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt in Garding mit ihren vielen Mitgliedsverbänden. So verändert sich sachte die Gefahrenlage. Bislang hatte an der Westküste der Kampf gegen Sturmfluten oberste Priorität, jetzt gilt es auf einmal, Landunter im Binnenland zu verhindern. Die Mitarbeiter sorgen sich vor allem in dieser Jahreszeit davor, dass beide Probleme zusammenfallen. Dann müssen sie ihre Sieltore nämlich schließen, weil der Schutz vor dem Blanken Hans Vorrang hat.

Dabei säuft das Land jetzt schon ab, obwohl die Entwässerung noch einigermaßen problemlos funktioniert. Wie wird Nordfriesland eigentlich trocken gelegt? Frage an die Geschäftsführer und ehrenamtlichen Deichgrafen in den Verbänden.

Was ihnen zunehmend zu schaffen macht:

Versiegelung: Der Bau von Häusern, Parkplätzen oder von neuen Straßen verschließt immer größere Flächen. Folglich sickert weniger Regen in die Böden. Die Folge davon: Gewässser und Gräben müssen stetig angepasst werden.

Klimawandel: Allenthalben nehmen regionale Starkregen zu.

Veränderung der Tiden: Das Hochwasser wird gegenüber dem Niedrigwasser überproportional ansteigen.

Sturmfluten: Sie steigen höher und halten länger an.

Sielbetrieb: Durch diese natürlichen Veränderungen wird das Zeitfenster für die Entwässerung immer kleiner. „Schotten dicht“ heißt es dann öfter an der Küste.

Freie Entwässerung: Immer öfter staut sich das Wasser binnendeichs, steht vor verschlossenen Toren. Dann kann nur noch mittels kostenintensiver Schöpfwerke über den Deich ins Meer entwässsert werden – und das bei weiter steigenden Strompreisen.

Sanierungsstau: Nach Angaben von Thies Horn, Geschäftsführer des Verbandes in Risum-Lindholm, werden landesweit bis 2050 allein zwei Milliarden Euro benötigt, um Schöpfwerke zu erneuern. Die Unterhaltung des Gewässernetzes und der Deiche sowie der laufende Betrieb werde noch einmal die gleiche Summe verschlingen. Die größten Sielbauwerke im Norden stehen in Schlüttsiel, Dagebüll und in Verlath (Aventoft).

Horn erinnert daran, dass die Wasser- und Bodenverbände schon vor Jahren gewarnt haben: „Größere Niederschlagsmengen im Winter führen zu veränderten Grundwasserständen und zu größeren Ablussmengen.“ Tatsächlich drückt inzwischen das Grundwasser allenthalben in die Keller der Bevölkerung.

Die beiden Verbände haben mit recht verschiedenen Landschaftsformen zu kämpfen. Während die Eiszeiten von der Geest zur Marsch eine Art Pult gebildet haben, von dem das Wasser nach Westen abfließt, bildet Eiderstedt grob gesagt eine Badewanne, aus der das Wasser hoch- und außendeichs gepumpt werden muss.

Die Eiderstedter haben sich kürzlich die Arbeit erleichtert, indem sie für fünf Siele eine Fernwartung in Betrieb nehmen konnten. Die Anlage, die von Umweltminister Robert Habeck Ende November eingeweiht wurde, „erleichtert das Wassermanagement innerhalb das Verbandsgebietes Tetenbüllspieker, das überwiegend im Vogelschutzgebiet liegt“, hatte Oberdeichgraf Jan Rabeler anlässlich der kleinen Feier betont.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen