Hattstedt : Neue „Augen“ für St. Marien

Maßarbeit aus Spezialglas: Der Glasmaler und Kunstglaser Bernhard Loers ist in diesen Tagen dabei, die Scheiben in die sanierten Fensterrahmen der Hattstedter St.-Marien-Kirche einzusetzen.
Maßarbeit aus Spezialglas: Der Glasmaler und Kunstglaser Bernhard Loers ist in diesen Tagen dabei, die Scheiben in die sanierten Fensterrahmen der Hattstedter St.-Marien-Kirche einzusetzen.

Das Hattstedter Gotteshaus erhält neue Kirchenfenster. Für den 1. Juli ist ein Einweihungs- und Dankgottesdienst geplant.

shz.de von
27. Mai 2018, 08:00 Uhr

Weithin sichtbar erhebt sich der Turm der Hattstedter St.-Marien-Kirche über das Marschland und den Deich. Noch heute dient das weit mehr als 500 Jahre alte, trutzige Bauwerk der Küstenschifffahrt als verlässliche Landmarke. Das Gotteshaus ist jedoch nicht nur für Seefahrer von Belang. Auch die 2.800 Mitglieder der Kirchengemeinde, zu der Hattstedt, Horstedt, Wobbenbüll und Hattstedtermarsch zählen, fühlen sich dem erstmals im Jahr 1240 urkundlich erwähnten Gebäude verbunden.

Deutlich wird dies aktuell einmal mehr bei der Instandsetzung der maroden Kirchenfenster auf der Nordseite und im Altarraum, die komplett aus Spendengeldern finanziert wurde. Nicht einmal drei Jahre hat die Gemeinde gebraucht, um die benötigten 45.000 Euro zu sammeln. „Jedes Mal wenn in der Kirche etwas ansteht, ist die Unterstützung groß. Darauf kann ich mich absolut verlassen. Für die neuen Fenster gab es mehrere Spendenaufrufe bei Beerdigungen, zahllose Einzelspenden sowie eine Großspende“, erzählt Pastor Jörn Jepsen nicht ohne Stolz.

Seit einigen Wochen sind nun fachkundige Handwerker, darunter der Hattstedter Maurer Sönke Heldt, dabei, die „Augen“ der Kirche wieder herzurichten. Dazu wurden zehn alte Fenster vorsichtig ausgebaut und die Öffnungen provisorisch mit Brettern geschlossen. „So dunkel war unsere sonst lichtdurchflutete Kirche noch nie. Das war für uns alle eine merkwürdige Erfahrung“, berichtet der Hausherr, der seit 27 Jahren in der Gemeinde arbeitet. Die alten Fassungen wurden von einem Kieler Kunstschmied restauriert. „Fünf Rahmen waren allerdings so durchgerostet, dass sie neu angefertigt werden mussten“, so Jepsen weiter.

Nach dem Wiedereinbau widmet sich derzeitig der erfahrene Glasmaler und Kunstglaser Bernhard Loers dem Einsetzen der Scheiben. „Verwendet wird ein Spezialglas, das für seine unregelmäßige, antik wirkende Oberfläche zunächst in eine zylindrische Form mundgeblasen wird. Die noch heiße Masse wird dann senkrecht aufgeschnitten und aufgeklappt, sodass ein flaches Rechteck entsteht, aus dem nach dem Auskühlen schließlich die Scheiben zugeschnitten werden“, erklärt der Experte.

Ein paar Tage wird es noch dauern, bis die Arbeiten gänzlich abgeschlossen sind. Doch die Vorfreude auf den Einweihungs- und Dankgottesdienst am 1. Juli sieht man Jörn Jepsen schon heute an. „Gottesdienste kann man am Meer, im Reitstall oder einer Obstwiese feiern. Aber die feierliche Atmosphäre in einer Kirche bleibt immer etwas Besonderes“, erklärt der Pastor.

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