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Ein Husumer Schicksal : Neuanfang nach Boxenstopp

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der 55-jährige Volker Finke musste nach einer Herzklappen-Operation sein Leben grundlegend ändern – und hält jetzt den Stress von sich fern.

Zum Thema Neuanfang kann Volker Finke eine Menge sagen. Vor Jahren machte der heute 55-Jährige einen Besuch im Krankenhaus, bestieg den Fahrstuhl und wurde im vierten Stock wieder wach. Ärzte und Pflegepersonal beugten sich über ihn. Wie lange er auf dem Fahrstuhlboden gelegen hatte und warum, wusste er nicht. Er wurde untersucht, doch es wurde nichts gefunden.

Der Betreiber einer Auto-Waschstraße im Gewerbegebiet Ost bestieg daraufhin wieder sein Arbeits-Hamsterrad, funktionierte während seines langen Tages, war verantwortlich für Betrieb und Angestellte, erledigte bis in die Nacht hinein erforderliche Büroarbeiten und hatte dementsprechend Stress.

Vorsichtshalber konsultierte er 14 Tage nach dem Vorfall dann doch noch einen Spezialisten, „obwohl ich ja eigentlich gar keine Beschwerden hatte“.

Der Kardiologe stellte jedoch schnell fest, dass eine defekte Herzklappe seine Probleme verursachte. Und dass deren Abstellung – nach der notwendigen Operation und dem Ersatz der Klappe – eine Änderung der Lebenumstände verlangte.

„Das war wie ein Boxenstopp beim Autorennen mit all den nötigen Reparaturen, Feineinstellungen und dem anschließenden Auftanken während der Reha-Maßnahmen“, sagt Finke. Der Mann mit der Figur eines Kleiderschranks und dem Lachen eines fröhlichen Jungen gibt zu, in dieser Zeit gelernt zu haben, ruhiger und gelassener zu werden. „Stress versuche ich nun am langen Arm weit weg von mir zu halten.“ Es dauerte aber schon eine Weile, bis er den Spurwechsel hinbekam. „Mir wurde damals klar, dass auf jeden Fall eine komplette Neuorientierung nötig war“, erzählt er.

Heute dienen ihm als Mittel der Entschleunigung seine im Wohnbereich stehenden Aquarien, in denen sich viele exotische Fische tummeln. „Ruhig ziehen die ihre Kreise und das zu beobachten, tut mir ausgesprochen gut.“ Gleich danach kommen für den Gemütsmenschen mit dem großen Herzen für Tiere seine Hunde, wobei er es mit Heinz Rühmann hält: „Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht!“ Und wie auf Kommando drängen sich ein American Staffordshire Terrier und ein Rhodesian Ridgeback an seine Seite und fordern ihre Streicheleinheiten ein. „Ich bin mit sechs Neufundländern groß geworden, das prägt.“
Volker Finke wuchs in Sachsen-Anhalt auf und fuhr nach seiner Lehre als Schiffsmaschinenbetriebstechniker 15 Jahre zur See, wobei er die halbe Welt gesehen hat. „Dreizehn Monate dauerte meine längste Schiffsreise“, sagt er. Und gibt gern zu, vom Wasser fasziniert zu sein. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er seine Urlaube am Mittelmeer, aber lieber noch am Atlantik verbringt.
Der Vater zweier erwachsener Kinder hat sich vor rund 22 Jahren hier in Husum selbstständig gemacht – und ist sehr glücklich darüber. „Die Nähe zur See ist für mich enorm wichtig. Darum bin ich so froh, hier an der Küste zu leben. Dazu kommt noch, dass die Menschen im Norden besonders freundlich und offen sind.“ Den menschlichen Kontakt schätze er sehr, der sei durch nichts zu ersetzen – auch nicht im Geschäft. „Natürlich kann man alles automatisieren. Der Kunde fährt vorne in die Waschanlage und – tschüss! – hinten wieder raus. Aber das ist nicht meine Vorstellung. Es muss lebendig bleiben, voll am Menschen dran“, betont er. Und so hat er immer ein offenes Ohr für die kleinen und großen Sorgen seiner Kunden.

Zu seinen Hobbys gehört die Gestaltung seines Gartens, in dem er einen wunderschönen Teich angelegt hat. Überhaupt bastelt der Garten-Fan gerne. Und als Familienmensch renovierte er nicht nur das Haus seiner Tochter, sondern ist derzeit seinem Sohn beim Umbau dessen Hauses behilflich. „Ich weiß, das hört sich wieder nach Stress an“, sagt er lachend. „Aber ich bin wesentlich gelassener als früher, genieße es, meinen Kindern zu helfen und kann dabei ganz entspannt im Hier und Jetzt sein. “ Und wie stellt er sich die Zukunft vor? „Ich möchte arbeiten, so lange es geht und so lange es mir Spaß macht. Vor allem aber will ich hier in Nordfriesland bleiben. Was auch passiert, hier gehe ich nicht wieder weg.“ Und was würde er anders machen, könnte er noch einmal von vorne beginnen? „Eigentlich nichts – nur zum Kardiologen würde ich früher gehen.“


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