Neandertaler in Drelsdorf : Neandertaler in Nordfriesland auf der Jagd nach Mammuts

Der Neandertaler hat sich in die Feier geschlichen. Bürgermeisterin Antje Hansen und Heinrich Becker vom Verein Natur und Kultur um den Stollberg sprechen zu den Gästen.
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Der Neandertaler hat sich in die Feier geschlichen. Bürgermeisterin Antje Hansen und Heinrich Becker vom Verein Natur und Kultur um den Stollberg sprechen zu den Gästen.

Info-Station erinnert an den nördlichsten Lebensraum der Frühmenschen – archäologische Funde hatten auf ihre Spur geführt.

shz.de von
06. Januar 2018, 14:52 Uhr

Hätte der Drelsdorfer Landwirt und Hobby-Archäologe Hans-Ingwer Boockhoff in den 1970-er Jahren nicht 300 Flint-Artefakte auf einem Acker seines Heimatdorfes gefunden, läge das Geheimnis des Schatzes immer noch in der Erde. Die Objekte fielen dem inzwischen Verstorbenen nur auf, weil darunter neben bearbeiteten Feuersteinen und Schabern, auch zwei Faustkeile waren, die er von den bisherigen steinzeitlichen Fundstellen an der Westküste nicht gekannt hatte.

Da er ein sehr hohes Alter vermutete, meldete er die Stücke Anfang der 1980-er Jahre dem Archäologischen Landesmuseum in Schleswig. Prompt hatten die Steinzeit-Spezialisten seine Annahme bestätigt und die Funde in die Mittlere Altsteinzeit datiert. Somit stand für die Experten fest, dass die Neandertaler vom Süden über die Elbe in den Norden vorgedrungen waren. „Ja, es ist ein Verdienst Boockhoffs, diesen bedeutendsten Fundplatz in Schleswig-Holstein entdeckt und der Wissenschaft zugänglich gemacht zu haben. Es ist großartig. Im kommenden Jahr werden wir mit Fachleuten nach weiteren Artefakten suchen“, erklärte Dr. Simon Hartz vom Landesmuseum im Feuerwehrgerätehaus Drelsdorf.

Anlass für die Zusammenkunft war die Einweihung von zwei Info-Tafeln mit dem Titel „Spuren der Neandertaler in Drelsdorf“. Sie wurden an passender Stelle installiert, in Nähe der Kirche und direkt gelegen am Radwanderweg „Ostenautal-Route“, der von Almdorf über Drelsdorf nach Joldelund und zurück führt. Mit von der Partie waren interessierte Bürger, Mitglieder der Familien Boockhoff und Niesche (Verwandte des Verstorbenen) sowie Vertreter der Sponsorin, der Stiftung der ehemaligen Spar- und Leihkasse zu Bredstedt, Hayo Dethleffsen, Claudia Weinbrandt und Hans Feddersen. Dabei waren auch die Initiatoren, nämlich Drelsdorfs Bürgermeisterin Antje Hansen sowie der Vorsitzende des Vereins Natur und Kultur um den Stollberg, Heinrich Becker, mit Vorstandsmitglied Heiner Ehlers und weiteren Mitgliedern.

„Wir, die Gemeinde Drelsdorf und unser Verein, können mit den beiden Tafeln auf etwas Besonderes und Bedeutsames aufmerksam machen“, erklärte Becker. Zum einen werde die wohl nördlichste Fundstelle mit ältesten Spuren menschlicher Besiedlung im Lande anschaulich dargestellt. Zum anderen werde Hans-Ingwer Boockhoff gewürdigt, der Entdecker der Fundstelle Drelsdorf-Schmallacker. Schließlich werde das Angebot des Heimat- und Volkskundemuseums der Familie Andy Niesche in Drelsdorf hervorgehoben. Dort können unter vielen anderen auch diese Funde in Augenschein genommen werden.

„Diese Konstellation hat uns geradezu elektrisiert, ein Projekt für die Region Mittleres Nordfriesland anzustreben“, so Becker weiter. Hierbei sei der Verein sehr von der Gemeinde Drelsdorf, Birte Anspach und Dr. Hartz vom Archäologischen Landesmuseum, der Familie Niesche, ferner der Sponsorin unterstützt worden.

Im Verein sei Heiner Ehlers kenntnisreicher Motor gewesen. Die Tafeln informieren über die archäologische Bedeutung und Entdeckung der Fundstelle, die Funktion des Ortes, der von den Neandertalern offensichtlich als Rastplatz auf ihren Jagdzügen genutzt wurde, sowie Fundstücke.

Im Gebiet des Amtes Mittleres Nordfriesland sind 90 derartige Erlebnis-Standorte eingerichtet werden. „Diese Neandertaler-Station wird sicher als besonderer Anlaufpunkt wahrgenommen“, so Becker. „Die Neandertaler, Frühmenschen, die hier in der letzten Eiszeit vor 40.000 bis 75.000 Jahren unterwegs waren, haben hier in der Gegend Mammuts, Wildpferde oder Rentiere gejagt“, führte Dr. Hartz weiter aus.

Viel weiter als bis nach Drelsdorf seien die Frühmenschen offenbar nicht in den Norden gelangt, denn in Dänemark und noch weiter nördlich gibt es bislang keine gesicherten Spuren ihrer Existenz. Vermutlich sei das Klima zu problematisch oder das Nahrungsangebot zu gering gewesen. Nähere Infos: 04843/1421 oder 813.

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