Vorsicht, Rechtsextremisten! : Nazi-Gedankengut geschickt in Songs verpackt

Hans-Joachim Stockschläger referierte in  der Gemeinschaftsschule Bredstedt – und hatte aufmerksame Zuhörer.
Hans-Joachim Stockschläger referierte in der Gemeinschaftsschule Bredstedt – und hatte aufmerksame Zuhörer.

Die achten Klassen der Gemeinschaftsschule Bredstedt beschäftigten sich eingehend mit rechtsextremer Thematik. Ein Dozent der Friedrich-Naumann-Stiftung forderte die Jugendlichen zum Nachdenken und zum kritischen Hinterfragen auf.

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10. November 2013, 12:00 Uhr

„Musik ist für Jugendliche viel interessanter als die Wahlprogramme von politischen Parteien.“ Das weiß Hans-Joachim Stockschläger, Dozent der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit aus langjähriger Erfahrung. Die Naziszene mache sich diese Tatsache zu Nutze, in dem sie Musik mit Nationalsozialismus verherrlichenden Texten spicke. – Ein großes Thema, dem sich drei achte Klassen der Gemeinschaftsschule Bredstedt über eine Stunde lang stellten.

Der Dozent hatte Musik unterschiedlichster Couleur – von hartem Rechtsrock bis hin zu seichten Songs aus der rechten Szene – im Gepäck und spielte sie den Schülern lautstark von einer CD ab. Dazu gab es die Texte mittels Beamer zum Mitlesen, die sich größtenteils brutal gegen Ausländer richten. Je häufiger man sich die Texte anhöre, umso eher würde man sie im Kopf behalten, sagte Stockschläger. Doch nicht nur gegen Ausländer würden sich die Texte wenden, sondern auch gegen das deutsche System. Auszug eines Liedes als Beispiel: „Stürmt den Reichstag, räuchert sie aus, macht der Rattenbande den Garaus.“ Das sei eine klare Ansage, was die rechte Szene haben wolle, so der Dozent. Demokratie lebe von Auseinandersetzungen und dem Suchen nach gemeinsamen Lösungen. Menschen mit rechtsextremem Hintergrund würden jedoch anders denken: Deutschland den Deutschen. Nur wenn sich ein Volk auf sich selber besinne, sei es stark, erklärte Stockschläger das Motiv der rechten Szene. Er machte deutlich, dass diese gerade Jugendliche für sich gewinnen wolle. Auch über das Internet, wo sie beispielsweise „auf sehr gut getarnten Seiten“ einen Button anklicken könnten und damit zeigen, dass ihnen der Internetauftritt gefalle. Stockschläger forderte die Jugendlichen auf, aufmerksam und kritisch zu sein. Die Argumente der Nazis seien gerade für Schüler sehr verführerisch. „Ihr seid eine beliebte Zielgruppe, seid wachsam“, appellierte er und zeigte ein Plakat der rechten Szene mit der Aufschrift „In der Jugend steckt die Zukunft“. In der Musik steckten Themen, die Angst machen würden, allerdings so verpackt, dass sie interessant seien. Mittlerweile könne man Nazis nicht mehr auf Anhieb erkennen: Springerstiefel, Bomberjacke und Glatze – das war gestern. „Es gibt viele von ihnen, denen man ihre Gesinnung nicht ansieht. Sie nutzen die Medien, um Jugendliche zu erreichen. Wehrt euch gegen die Ideen“, rief Stockschläger die Schüler zum Nachdenken auf.

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