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Nationalpark Wattenmeer : Naturschatz vor der Haustür

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vor 30 Jahren wurde der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gegründet. Er bietet 10.000 Tieren und Pflanzen eine Heimat und ist das vogelreichste Gebiet Europas.

Er gilt mit seinen 700 Pflanzen- und 2500 Tierarten und bedeutenden Brut- und Mausergebieten als ökologisches Juwel: Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer besteht seit 30 Jahren. Am 1. Oktober 1985 trat das Nationalparkgesetz in Kraft. Natur und Mensch profitieren seitdem von dem größten Nationalpark zwischen dem Nordkap und Sizilien, der 2009 zusammen mit den anderen Wattenmeer-Schutzgebieten von der Unesco auch zum Weltnaturerbe der Menschheit erklärt wurde.

Aus Sicht von Umweltminister Robert Habeck ist der Nationalpark Wattenmeer eine der großen Erfolgsgeschichten des Landes. Vorbehalte, die es bei seiner Gründung noch gab, haben sich nach Einschätzung des Ministeriums in breite Zustimmung gewandelt. „Wir tragen für den Nationalpark und das Weltnaturerbe aber auch eine hohe Verantwortung. Die weitere Entwicklung dieses sensiblen Lebensraums liegt in unseren Händen. Wir müssen das Watt fit für die Zukunft machen. Wir dürfen es nicht übernutzen und wir müssen dafür sorgen, dass seine natürliche Dynamik erhalten bleibt und mit dem Klimawandel Schritt halten kann“, erklärte Grünen-Politiker Habeck.

Detlef Hansen, heute Leiter der Nationalparkverwaltung, war von Beginn an der Entwicklung des Nationalparks beteiligt. Er resümiert: „30 Jahre sind nicht mehr als ein Wimpernschlag im Weltenlauf. Aber es waren 30 mit wichtigen Ereignissen und Entwicklungsschritten prall gefüllte Jahre. Die Menschen in der Region haben längst erkannt, welcher Naturschatz sich vor ihrer Haustür erstreckt. Sie nehmen ihn als solchen wahr und freuen sich auch an seiner Wirtschaftskraft, von der wir alle sehr profitieren.“

Die Einrichtung des Nationalparks und der Nationalparkverwaltung in Tönning erzeugte viele Schubkräfte: In Zusammenarbeit mit Dänemark und den Niederlanden wird der Kenntnisstand über das Wattenmeer ständig erweitert. Seehunde und Rastvögel werden gezählt, Grünalgen kartiert, Nährstoffgehalte und wirtschaftliche Daten dokumentiert. Dieses umfassende Monitoring ermöglicht es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Auf Grundlage dieses Wissens konnten qualifizierte Nationalpark-Regelungen getroffen werden. Wasservögel werden nicht mehr bejagt, die ökologisch schädliche Herzmuschelfischerei wurde eingestellt. 1999 wurde das Nationalparkgesetz dem Wissen angepasst: Der Nationalpark wurde um ein Drittel erweitert, die Kernzonen besser geschnitten und ein Walschutzgebiet eingerichtet. Viele Regelungen gründen sich auf freiwillige Nationalpark-Vereinbarungen, die spezielle Schutzbereiche ausweisen, beispielsweise für den Nachwuchs von Brutvögeln und Kegelrobben an Stränden oder für mausernde Brandgänse im Dithmarscher Wattenmeer.

Der verbesserte Schutz ist an vielen Orten schon sichtbar: Die Vorländer werden in großen Teilen nicht mehr beweidet, sondern durch ein natürliches Mosaik salzwiesentypischer Kräuter und Gräser geprägt. Hunderte Insektenarten haben wieder einen Lebensraum und Urlaubsgäste eine Natur-Attraktion. Der Küstenschutz ist dadurch allerdings nicht gefährdet. Die Fläche der Salzwiesen am Festland ist seit der Nationalparkgründung sogar um mehr als ein Drittel angewachsen. Der Nationalpark ist zudem ruhiger geworden, denn auch Störungen durch tief fliegende Flugzeuge sind stark zurückgegangen.

Habeck und Hansen sind sich einig, dass die guten Erfolge nur wegen der einzigartigen Kooperation mit Naturschutzverbänden, den Nationalpark-Kuratorien, den Nachbarländern und den Nationalpark-Partnern möglich waren und sind. Die Naturschutzverbände engagierten sich schon vor seiner Einrichtung für den Naturschutz und informieren heute umfangreich und vielfältig über den Nationalpark, beteiligen sich an der Umweltbeobachtung und an neuen strategischen Konzepten.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer umfasst 4400 Quadratkilometer Watt- und Meeresflächen, Strände und Salzwiesen. Erdgeschichtlich ist es ein sehr junger Naturraum, maximal 10.000 Jahre alt, der seitdem von Ebbe und Flut, Wind und Wellen stetig neu geformt wird. Er bietet etwa 10.000 Arten von Tieren und Pflanzen eine Heimat, von denen viele nur hier leben. Millionen Brut- und Zugvögel machen das Wattenmeer zum vogelreichsten Gebiet in Europa.

Zur Feier des 30-jährigen Jubiläums war Mittwoch (30.) eine gemeinsame Sitzung der Nationalpark-Kuratorien aus Nordfriesland und Dithmarschen geplant. Doch sowohl die Tagung als auch der Jubiläumsempfang mit Umweltminister Robert Habeck im Multimar Wattforum wurden abgesagt. Der Grund: Alle Landräte – und damit auch die Vorsitzenden der beiden Kuratorien – wurden von der Kieler Staatskanzlei und dem Innenministerium zu einer Kommunalkonferenz zum Thema Asyl und Flüchtlinge eingeladen.

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