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Welterbe Wattenmeer : Natur-Tourismus ohne Grenzen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Deutsche und dänische Touristiker und Naturschützer entwickeln unter dem Dach des Weltnaturerbes Wattenmeer gemeinsam innovative Angebote für Gäste.

von
erstellt am 12.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Vor acht Jahren wurde das deutsch-niederländische Wattenmeer in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen. Vor drei Jahren kam der dänische Teil des Wattenmeeres hinzu. Und nun folgt der nächste Meilenstein: die erste deutsch-dänische Kooperation von insgesamt sechs Partnern im Bereich der grenzüberschreitenden Tourismus-Entwicklung unter dem gemeinsamen Dach des Weltnaturerbes. Dazu entwickeln Touristiker und Naturschützer gemeinsam neue Naturerlebnis-Angebote und Produkte, um die Region noch attraktiver für Gäste zu machen. Beackert werden beiderseits der Grenze die Themenfelder Radfahren, Wandern, Vogelbeobachtung, Routen und Touren sowie Kulturangebote.

Möglich macht dies alles das neue Projekt „Nachhaltiger Natur- und Kulturtourismus im Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer“, kurz NAKUWA. Für diesen Zweck fließen aus dem Regionalfonds der Europäischen Union und dem Interreg-5A-Programm 1,1 Millionen Euro.

„Grenzübergreifend bieten sich damit ganz große Chancen, attraktive, nachhaltige Ferienangebote zu entwickeln“, freute sich Frank Ketter, Geschäftsführer der Nordsee-Tourismus-Service GmbH (NTS), bei der Vorstellung des Projekts im Husumer Kreishaus. Von der gemeinsamen Vermarktung des Wattenmeer-Welterbes werden alle Beteiligten profitieren, erwartet er und betont: „Die Gäste unterscheiden nicht, ob es eine Grenze gibt oder nicht – sie möchten das Gesamtgebiet erleben.“

„Da steckt ’ne Menge Potenzial in dem Projekt“, ist sich auch Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen sicher. Er begrüßte ausdrücklich die gemeinsame Basis mit Partner-Organisationen in Dänemark, um den naturverträglichen Natur-Tourismus zu fördern. Und genau das steht im Fokus, wie Christiane Gätje von der Nationalparkverwaltung in Tönning deutlich machte: „Das neue grenzüberschreitende Projekt soll Lösungen finden für die Frage, wie man gemeinsam den Tourismus fördern und gleichzeitig einen optimalen Schutz für die Natur gewährleisten kann.“ Eben dies liege immer mehr Menschen am Herzen, erläuterte sie. 79 Prozent der Gäste möchten demnach mehr über die Natur und das Wattenmeer erfahren, ein Viertel habe zudem ein spezielles Interesse an vogelkundlichen Führungen.

Der konkrete Projektansatz: mehr Marketing und neue Arrangements mit örtlichen Partnern aus Gastronomie und Beherbergung. Geplant sind außerdem besondere Schulungen, um naturkundliche Führer weiterzubilden und Vogelguides in die Lage zu versetzen, erlebnisreiche Touren anbieten zu können. Als gelungene Beispiele nannte Christiane Gätje die Ringelganstage und den Westküsten-Vogelkiek. „Aber da geht noch mehr aus unserer Sicht“, sagte sie.

Die „Qualifizierung der Leistungsträger der gesamten Region“ ist – neben einer Kommunikations-Strategie aus einem Guss – ohnehin ein Kernziel des deutsch-dänischen Tourismus-Projektes. So sollen Gastgeber und andere Tourismus-Akteure in Sachen Servicequalität, Onlinemarketing und Vertrieb geschult werden, um sich noch besser auf die wachsende Zielgruppen der Naturinteressierten einstellen zu können. Der Clou dabei: Vieles soll via Internet laufen. „Es wird immer schwieriger, Leistungsträger durch Präsenzveranstaltungen zu erreichen“, weiß NTS-Geschäftsführer Frank Ketter. Deshalb wird künftig verstärkt auf sogenanntes E-Learning gesetzt, um auf speziellen Plattformen und mit verschiedenen Modulen Mitarbeiter von Betrieben hinsichtlich Qualität und Service zu schulen.

Auf moderne Technik setzt auch die Umweltstiftung WWF, die sich von deutscher Seite aus des Themas Wandern annimmt. So werden Video- und GPS-gestützte Natur-, Kultur- und Tourentipps beiderseits der Grenze erarbeitet, erläuterte Anja Szczesinski. Gäste sollen so in die Lage versetzt werden, die Wattenmeer-Region selbst zu erwandern – in eigenem Tempo und auf selbst gewählten Wegen.

Auch andere innovative NAWUKA-Projekte sollen Gästen die einzigartige Natur sowie die Kultur und Geschichte in der Wattenmeer-Reisedestination näher bringen. So wird ein Reiseführer mit Wattenmeer-Erlebnissen entwickelt, ebenso soll es grenzüberschreitend Übernachtungsmöglichkeiten für urlaubende Radler geben.

Davon, dass diese Vorhaben den Tourismus in der Wattenmeer-Region voranbringen werden, ist Frank Ketter überzeugt. Mit Blick auf Erfahrungen im Bereich des Unesco-Welterbes am Neusiedler See sagt er: „Da geht wirklich was, wenn das professionell ausgebaut wird.“

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