Tönning : „Natürlich bin ich nicht ganz raus“

Dorothe Klömmer fühlt sich auch als werdende Mutter an ihrem Schreibtisch im Rathaus wohl. Inzwischen ist sie im Mutterschutz.
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Dorothe Klömmer fühlt sich auch als werdende Mutter an ihrem Schreibtisch im Rathaus wohl. Inzwischen ist sie im Mutterschutz.

Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer freut sich auf ihr zweites Kind. Acht Wochen nach der Geburt will sie wieder ins Rathaus zurückkehren

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20. Januar 2018, 12:00 Uhr

Dorothe Klömmer ist nicht nur die erste Frau, die in Eiderstedt die Aufgabe einer hauptamtlichen Bürgermeisterin wahrnimmt, sie ist mit Mitte 30 auch eine der jüngsten, die diesen Posten je übernommen haben. Nun stellt sich Tönnings Verwaltungs-Chefin einer weiteren Herausforderung: Sie ist mit ihrem zweiten Kind schwanger, das Mitte Februar zur Welt kommen soll.

Wie geht es Ihnen in der Schwangerschaft? Wie waren die letzten Arbeitstage und -wochen? Waren Sie eingeschränkt?


Klömmer: Mir geht es sehr gut! Ich freue mich sehr, dass wir, das heißt mein Mann und ich, noch einmal Eltern werden dürfen. Und auch unsere bereits vierjährige Tochter freut sich sehr darauf, ein Geschwisterchen zu bekommen. Ich habe bis zum Eintritt in den Mutterschutz arbeiten können. Natürlich waren die letzten Sitzungen im Dezember, die sich teilweise bis 23 Uhr hingezogen haben, schon etwas anstrengender, aber dennoch hat alles gut geklappt. Ich bin froh und dankbar, dass ich das alles bewerkstelligen konnte. Auch in der ersten Schwangerschaft hatte ich das Glück, dass es mir gesundheitlich sehr gut ging, und ich bis zuletzt arbeiten konnte und auch sonst fit war.

Sind Sie von Bürgern auf Ihre Schwangerschaft angesprochen worden? Auch nach dem Motto: Eine Bürgermeisterin, die schwanger ist, geht das überhaupt?


Klömmer: Ich bin zu meiner Schwangerschaft nur beglückwünscht worden, und ich hatte den Eindruck, dass sich die Bürger aufrichtig mit meinem Mann, meiner Tochter und mir über dieses Glück freuen.

Wer übernimmt während Ihrer Abwesenheit die Verantwortung im Rathaus und die Arbeit? Sind Sie im Hintergrund noch ansprechbar?


Klömmer: Zunächst habe ich zwei Stellvertreter im Amt, Herrn Clasen und Herrn Ziegert, die mich offiziell vertreten. Aber natürlich können ehrenamtliche Vertreter nicht die Arbeit einer hauptamtlichen Bürgermeisterin ersetzen, dies erwartet auch niemand. Insofern entfällt sicherlich vorübergehend etwas mehr Arbeit auf den Büroleiter der Stadt sowie auf seine Stellvertreterin. Aber natürlich bin ich nicht ganz „raus“. Ich habe einen Homeoffice-Arbeitsplatz, von dem ich vieles erledigen kann, und natürlich schaue ich öfter im Rathaus vorbei. Der telefonische Kontakt besteht regelmäßig. Und auch per E-Mail bin ich nach wie vor für jeden erreichbar.

Wann wollen Sie in Ihr Büro zurückkehren? Wie werden Sie dann die Kinderbetreuung organisieren?

Klömmer: Nach den gesetzlichen Schutzfristen für den Mutterschutz werde ich wieder regelmäßig im Büro anzutreffen sein. Die Kinderbetreuung ist innerfamiliär geregelt. Dies gibt mir die Möglichkeit, aber auch die Kraft, mich dann wieder ganz auf die Arbeit als Bürgermeisterin zu konzentrieren. Ich weiß, dass meine beiden Kinder gut aufgehoben und betreut sind. Das ist mir wichtig! Bei meinem ersten Kind habe ich ein Jahr Elternzeit genommen und habe dann wieder in Teilzeit angefangen zu arbeiten. Auch hier ist die Betreuung innerfamiliär und durch die Kindertagesstätte geregelt. Als ich mich entschieden habe für das Bürgermeisteramt in Tönning zu kandidieren, war unsere Tochter gerade ein Jahr alt. Bisher hat es noch nicht einen Tag in den vergangenen drei Jahren meiner Amtszeit gegeben, an dem ich meiner Arbeit aus persönlichen Gründen nicht nachgehen konnte. Ich schätze mich sehr glücklich darüber, denn ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, und man das auch nicht immer selbst in den Händen hat.

Wie sehen Sie generell sozusagen als Betroffene die Doppelbelastung als Mutter und Berufstätiger?


Klömmer: Ich selbst habe mir immer eine Familie gewünscht. Dennoch wollte ich auch gerne weiterhin berufstätig bleiben. Durch die Unterstützung in der Familie und die gute Betreuung in der Kindertagesstätte ist mir dies möglich. Unsere erste Tochter ist damit groß geworden, und für sie war es glücklicherweise nie ein Problem, wenn ich noch mal zu Terminen musste oder auch den ganzen Tag bei der Arbeit war. Damit hat sie es auch mir leicht(er) gemacht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Darüber bin ich sehr glücklich.

Hätten Sie Vorschläge für die Regierenden, was sich ändern müsste?

Ich stelle fest, dass die Mütter zunehmend wieder schneller in ihren Beruf zurückkehren. Dadurch ändern sich die Anforderungen an die für die Kinderbetreuung zuständigen Kommunen. So nehmen wir auch in Tönning einen gestiegenen Bedarf insbesondere im Bereich der U3-Betreuung wahr. Damit die Mütter ihrer Arbeit nachgehen können, bedarf es auch längerer Betreuungszeiten. Hier sind wir in unserer städtischen Kindertagesstätte mit Betreuungszeiten bis 17 Uhr gut aufgestellt. Aber wir müssen die Anforderungen weiter im Blick behalten und gegebenenfalls darauf reagieren. Genau mit diesem Thema werden wir uns in diesem Jahr intensiv beschäftigen.

Und was müsste auf kommunaler Ebene noch getan werden?

Von der Landesregierung erwarte ich, dass sie die Kommunen bei dieser Aufgabe unterstützt und dazu insbesondere weitere finanzielle Mittel für den Ausbau der Kindertagesstätten und die Betreuung zur Verfügung stellt. Insofern freue ich mich, dass es jüngst einen Kompromiss zwischen der Landesregierung und den kommunalen Spitzenverbänden gegeben hat, dessen zentraler Bestandteil die weitere Kita- und Krippenfinanzierung ist. Für den U3-Bereich hat das Land im vergangenen Jahr 50,4 Millionen Euro bereitgestellt. Diese Summe soll in 2018 auf 80 Millionen Euro und 2019 auf 95 Millionen Euro steigen. Hinzu kommen Entlastungsmittel im Ü3-Bereich von 15 Millionnen Euro im laufenden Jahr. Damit ist das Thema jedoch noch nicht erledigt. Die Kita-Finanzierung muss grundlegend neu geordnet werden und das schnellstmöglich.



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