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Erweiterungspläne in Tönning : Nationalpark-Zentrum als Otter-Revier

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für gut vier Millionen Euro soll das Multimar Wattforum erweitert werden und dank einer neuen Otter-Anlage eine zusätzliche Attraktion erhalten.

Gute Freunde sind sie nie gewesen: Jahrhundertelang hat der Mensch den Fischotter aus Zeitvertreib oder wegen des Fells gejagt, seine Lebensräume zerschnitten oder zerstört und Gewässer verschmutzt. In Deutschland gilt er nach wie vor als stark bedrohte Art. Erst seit einem Vierteljahrhundert wird in größerem Umfang versucht, Mardern das Leben zu erleichtern. Schnappschüsse aus Foto-Fallen, Kot-Spuren an Gewässern und Totfunde an Straßen belegen, dass der Fischotter auch im Norden wieder zunehmend heimisch wird. Dennoch bekommen die meisten Menschen das scheue und vor allem nachts aktive Tier kaum jemals zu Gesicht.

Doch das wird sich bald ändern. Der Fischotter kommt künftig im Tönninger Multimar Wattforum ganz groß raus: Für gut vier Millionen Euro soll das größte Nationalpark-Zentrum an der Westküste erweitert werden und dank einer neuen Otter-Anlage eine zusätzliche Attraktion erhalten.

„Wir sind mit unserem Haus erfolgreich unterwegs“, so der Leiter der Nationalparkverwaltung Dr. Detlef Hansen. Seit 1998 zählte das Multimar Wattforum in Tönning mehr als drei Millionen Gäste, im vergangenen Jahr waren es rund 180.000. Um für Besucher attraktiv zu bleiben, müsse eine Einrichtung dieser Art alle fünf Jahre ergänzt oder umgebaut werden, erläuterte Hansen vor den im Husumer Kreishaus tagenden Mitgliedern des nordfriesischen Nationalpark-Kuratoriums.

Angestrebt wird, die Besucherzahl auf 200.000 pro Jahr zu steigern. „Das ist ein hochgestecktes Ziel, aber es kann möglich sein“, zeigte sich Marén Bökamp zuversichtlich. Sie ist in der Tönninger Nationalparkverwaltung zuständig ist für schulische Umweltbildung. Durchschnittlich besuchen 25.000 Schüler jährlich das Nationalpark-Zentrum an der Eider. „Bildung soll Spaß machen“, sagte sie. Und getreu diesem Motto wird angestrebt, nicht nur Schlechtwetter-Betrieb für einige Stunden zu sein, sondern die Besucher möglichst einen ganz Tag lang zu fesseln.

Tiere seien ideale Botschafter für den Naturschutz, sagte Marén Bökamp – und der Otter das ideale Bindeglied zwischen Wasser, Land und Küste. Und: „Otter könnten als Leittier stehen für Gewässergüte.“ Denn sie brauchen klares und reines Wasser als Lebensraum.

Das sollen sie dank Sand-Filtertechnik in der geplanten Außenanlage beim Multimar Wattforum finden, wo Besucher sie auch bei Fütterungen werden beobachten können. Die barrierefreie Otter-Anlage wird zentraler Teil des geplanten Erweiterungsbaus mit In- und Outdoor-Angeboten. Das Otter-Gebäude mit großer Panoramascheibe soll direkt an der Zuwegung zum Multimar entstehen, aber nicht über die Deichkrone hinausragen. Bei den Planungen arbeiten die Nordfriesen mit verschiedenen Partnern zusammen, unter anderem dem bekannten Otter-Zentrum im niedersächsischen Hankensbüttel.

Nach heutigem Stand soll Ende 2018, Anfang 2019 mit dem inzwischen fünften Erweiterungs-Abschnitt des Tönninger Nationalparkzentrums begonnen werden. „2020 können wir die Ausstellung hoffentlich eröffnen“, wünscht sich Marén Bökamp. Dann soll auch das Multimar-Team aufgestockt werden.

Als „Anker für die Zusammenarbeit von Tourismus und Naturschutz“ und „starker Magnet“ lobte der Kuratoriums-Vorsitzende Landrat Dieter Harrsen das Nationalpark-Infozentrum. Das Multimar genieße hohe Akzeptanz – „und diese Wertschätzung ist wichtig“. Deshalb sei der Ansatz genau richtig, immer wieder neue Bildungsangebote zu schaffen, sagte er.

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erstellt am 13.Feb.2017 | 15:00 Uhr

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