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Tod am Bahnübergang : Nach Unfall in Kotzenbüll: Bahn lehnt mehr Sicherheit ab

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Trotz des tödlichen Unfalls will die Bahn nichts ändern. Die Ursache der Tragödie ist noch nicht geklärt. Dabei starb am Pfingstsonntag ein 51-jähriger Mann.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 11:00 Uhr

Nach wie vor groß ist das Entsetzen über den tragischen Bahnunfall am Pfingstsonntag bei Kotzenbüll. Dabei starb ein 51-jähriger Autofahrer aus dem Kreis Schleswig-Flensburg. Zwei Kinder im Alter von zwölf und neun Jahren, die mit in dem Wagen saßen, wurden schwer verletzt. Die drei wollten zu einer Konfirmation in Kotzenbüll, waren zu früh dran und starteten zu einer Tour durch das Umland, wie Bürgermeister Andreas Jacobs sichtlich betroffen berichtet. Die Unfallursache steht noch nicht fest. Die Bahnstrecke ist gut einsehbar.

Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein zu schweren Unfällen an Bahnübergängen gekommen. Bürger und Verkehrsverbände fordern von der Bahn, die nur mit Andreaskreuz gekennzeichneten Übergänge besser zu sichern.

Wie konnte es zu der tödlichen Begegnung an dem nur mit Andreaskreuzen gesicherten Bahnübergang im Schlagbaumweg kommen? Das fragen sich nicht nur er, sondern viele Menschen im Land. Und warum tut die Bahn, warum tut der Gesetzgeber nichts, um solche Tragödien zu verhindern? Auch diese Fragen bewegen nicht nur die Eiderstedter und ihre Gäste. Denn ziemlich genau vor einem Jahr, am 11. Mai 2015, wurde ein fünfjähriger Junge bei einer Kollision zwischen Auto und Zug kurz hinter Garding getötet.

Die Liste an tragischen Zwischenfällen ist noch länger. Das Archiv der Husumer Nachrichten weist zwischen 2003 und 2013 zwölf Bahnunfälle aus, dabei starben vier Menschen. Schon lange wird gefordert, diese technisch ungesicherten Übergänge, die zumeist an kleine Wirtschaftswegen liegen, zumindest mit Blinklichtern auszustatten.

Doch wie schon bei dem Unglück im Vorjahr beruft sich die Deutsche Bahn als Streckenbetreiberin auf die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). Demnach sind an eingleisigen Nebenstrecken wie auf Eiderstedt, die mit Geschwindigkeiten von maximal Tempo 80 befahren werden, nicht technisch gesicherte Bahnübergänge zulässig. Dort ist also die Aufmerksamkeit des Autofahrers gefragt. Auf Eiderstedt gibt es laut Bahn insgesamt 73 Übergänge, von denen einige auch an kleineren Straßen oder Feldwegen liegen. Etliche von ihnen sind nur mit Andreaskreuz gesichert. Der Einbau von weiterer Sicherungstechnik wäre dort unverhältnismäßig, so die Bahn. Über 90 Prozent der Kollisionen bundesweit seien auf das Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern zurückzuführen. Im Jahr 2012 wurden laut Deutsche Bahn in Deutschland 193 Unfälle an Bahnübergängen gezählt, bei denen 44 Menschen starben.

Eine überaus engagierte Mitstreiterin für mehr Sicherheit hätten die Eiderstedter in der Mutter des Fünfjährigen, der im vergangenen Jahr starb. Die Frau aus der Nähe von Pinneberg startete noch während ihres Krankenhausaufenthaltes eine Petition im Internet für mehr Sicherheit an Bahnübergängen. Sie fordert Schranken, Ampeln oder wenigstens Blinklichter, Stoppschilder oder Bremskissen. Bislang hätten mehr als 50.000 Menschen die Petition unterschrieben, sagt sie. Außerdem wandte sie sich an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bahn-Chef Rüdiger Grube. Über deren Antworten sei sie enttäuscht. Sie hätten ihr zwar ihr Beileid und Bedauern ausgedrückt, wären aber überhaupt nicht auf ihre Vorschläge eingegangen. Dobrindt weist lediglich auf die 500 Millionen Euro hin, die der Bund, die Bahn und Straßenbaulastträger jährlich investieren, um die Zahl der technisch ungesicherten Übergänge zu reduzieren.

Das reiche nicht, sagt die Mutter des Fünfjährigen. Auch hält sie nichts von den Unfallzahlen der Bahn. Laut Statistischen Bundesamt seien sie höher. Sie und ihr Vater, der bei dem Unfall am Steuer saß, wollen nicht aufgeben und ein unabhängiges Gutachten zur Wirkung von Stoppschildern in Auftrag geben. Deren Wirkung sei ihrer Meinung nach größer als der von Andreaskreuzen. Außerdem soll an Fahrschulen mehr aufgeklärt werden. Wie es zu dem Unfall damals gekommen ist, wisse sie bis heute nicht. Ihr Vater könne sich an nichts erinnern. Laut Gutachten habe er den Zug übersehen. Und dabei sei er einer der sichersten Autofahrer, den sie kenne.

Bürgermeister Jacobs will das Thema in der Fraktion ansprechen. Eine Schließung des Übergangs kommt seiner Ansicht nach nicht in Frage, da der Weg von vielen Radfahrern und Joggern genutzt wird und als Abkürzung nach Tönning beliebt ist. Aber etwas müsse geschehen. Eiderstedts Amtsdirektor Herbert Lorenzen sieht keine Möglichkeit, ordnungsrechtlich einzuwirken. „Der Übergang ist Sache der Bahn. Aufgabe der Gemeinden ist es für ein sicheres Umfeld zu sorgen, also die Sichtfelder frei von Bewuchs zu halten.“

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