Tourismus in Husum : Nach Schobüll – trotz alledem

Das Areal um das Freibad sieht noch so aus wie un den 1970er Jahren.
Das Areal um das Freibad sieht noch so aus wie un den 1970er Jahren. Fotos: Heyse

Husums Ortsteil ohne Deich zum Meer ist eine Besonderheit, doch touristisch ein Sanierungsfall: Was lockt Gäste dennoch hierher?

shz.de von
11. Juli 2018, 06:00 Uhr

Der Ortsteil Schobüll gehört mit seiner einmaligen Lage an der Nordsee zu den Sahnestücken, die Husum zu bieten hat. Eigentlich kein Wunder also, dass viele Touristen schon seit Jahrzehnten kommen, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Und dass das Areal mit Freibad und Campingplatz immer noch eine beliebte Anlaufstelle für Einheimische ist. Obwohl hier doch einiges sehr im Argen liegt: Nicht umsonst ist die Aufwertung dieses Bereichs in den vordringlichen Fokus der Touristiker gerückt.

Doch was zieht die Besucher trotzdem hierher, obwohl sich seit den 1970er Jahren wenig getan hat? Vielleicht ist es genau das? Die Touristen sehen ihren Urlaubsort offenbar mit anderen Augen als Husums Wirtschaft und die Stadtpolitiker. Das Ehepaar Gerd und Renate Butz aus Coburg beispielsweise verbringt seit 1969 den Urlaub in Schobüll. „Was uns überzeugt und zu Stammgästen macht, sind die Gegend und die vielen Möglichkeiten“, sagt der 71-jährige Rentner. „Man kann das Meer genießen, ohne einen Deich vor Augen zu haben“, fügt seine 69-jährige Ehefrau mit Blick auf das Alleinstellungsmerkmal dieses Küstenabschnitts hinzu. „Ungestört direkt in der Natur spazieren gehen.“ Sicherlich könnte so manches aufpoliert und verbessert werden, das ist auch Butz klar. „Doch wer sich erholen möchte, schaut nicht auf den Kiosk, sondern orientiert sich an den Vorteilen, die das Umfeld bietet.“

Die Einschätzung von Reiner-Hermann Hansen aus Husum klingt dagegen nicht ganz so euphorisch: „Natürlich ist der deichfreie Ort Schobüll eine Besonderheit. Aber mit diesem Pfund sollte man besser wuchern.“ Und zeigt auf das flache Gebäude, wo unter anderem der Kiosk untergebracht ist. „Das ganze Areal sollte unbedingt auf Vordermann gebracht und modernisiert werden“, lautet seine erste Forderung. Und die zweite betrifft das Schwimmbad: „Das ist ein Goldstück – nur muss es aufpoliert werden, damit es wieder glänzt.“

Das bekommt Heike Stiebler, die Betreiberin des Kiosks, von ihren Kunden häufiger zu hören. „Die Gäste kommen aber trotzdem hierher, um sich zu erholen und am Meer zu erfreuen.“ Das bestätigt auch die 64-jährige Cornelia Karte aus Hamburg. „Die Weite und die Seeluft, direkt am Meer Fahrrad fahren oder spazieren gehen, wo kann man das schon.“ Aber auch sie hat Kritik, zum Beispiel an den Öffnungszeiten des Freibads. „Von 12 bis 18 Uhr – ich dachte zuerst, das ist ein Witz.“ Gerade in aller Frühe schwimmen gehen zu können, sei doch etwas ganz Besonderes. Stiebler stimmt ihr zu: „Wenn die Touristen erst am späten Nachmittag von einem Ausflug zurück kommen und noch ins Freibad gehen wollen, stehen sie vor verschlossenen Türen. Das darf sich eine Touristenstadt wie Husum nicht leisten“, sagt Stiebler. „Die Stadt muß mehr aus diesem Fleckchen Erde machen, wenn sie Touristen anlocken möchte.“

Bezüglich der Öffnungszeiten hat Bademeister Holger Clausen eine gute Nachricht: „Wir werden ab Sonnabend, 14. Juli, auf 19 Uhr verlängern.“ Auch er weiß jedoch: „Hier muss ordentlich investiert werden, um das Bad attraktiver zu machen.“ Ganz oben auf seiner Wunschliste steht eine Heizung: Bei schlechtem Wetter seien nicht nur die Lufttemperaturen, sondern auch die Wassertemperaturen im Keller. „Wenn Husum mit einem beheizten Freibad werben könnte, hätte das sofort positive Auswirkungen auf die Gästezahlen“, ist sich Clausen sicher.

All diese Sorgen lassen das Ehepaar Ursula und Klaus Weichert aus Berlin kalt. „Wir genießen lieber die wunderschöne und einmalige Landschaft.“ Vor gut 25 Jahren sei er zum letzten Mal in Schobüll gewesen, so Weichert. Tatsächlich habe sich optisch kaum etwas verändert. „Wir kommen aber nicht wegen des Schwimmbads hierher, sondern um von hier aus Ausflüge zu unternehmen.“

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