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Unterricht für junge Filmemacher : Nach Profi-Stunden zum Dreh

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Workshop bei Regisseurin Hanna Doose: Einen besseren Auftakt für neue Dreharbeiten konnte sich eine Gruppe des Husumer Vereins „Tabu“-Filmprojekte nicht wünschen.

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erstellt am 20.Jun.2016 | 15:00 Uhr

Es sind Talent und Disziplin, die einen guten Schauspieler oder Regisseur ausmachen: ob in Hollywood oder Husum. In der nordfriesischen Kreisstadt ist es eine Gruppe von jungen Frauen und Männern im Alter zwischen 14 und 20 Jahren, die diese Qualitäten auszeichnet: Sie sind Mitglieder des Vereins „Tabu-Filmprojekte“ – 2012 gegründet von der Wahl-Husumerin Helga Lütjens, die ursprünglich aus Bargteheide stammt, wo sie eine Musikschule geleitet hatte. Gemeinsam mit Uli Heid vom Filmklub Husum entdeckt Lütjens junge Talente über Casting-Termine.

Geht es los, halten sich die beiden bewusst im Hintergrund. Ob Kamera, Schnitt, Schauspiel, Filmmusik, Regie, Drehbuch, Maske, Kostüm, Ton- und Lichttechnik: Der Nachwuchs deckt alle Bereiche im wahrsten Sinne in Eigenregie ab. Der Name „Tabu“ ist dabei Programm – denn aufgegriffen werden Tabu-Themen. Im Mai 2012 war es gleich unter dem Titel „Tabu“ der Tod: Der Film feierte 2013 Premiere bei den Husumer Filmtagen – wie auch 2014 „Ich bin“ über die Suche nach der eigenen Identität und 2015 „Laila“, ein Film über das Fremdsein. Hatte Lütjens bei diesen Projekten noch die Leitung übernommen, sind es bei zwei neuen „Tabu“-Filmen erfahrene Jugendliche – „wir sind aber da, falls es Chaos geben sollte“, versichern sie und Heid.

Jetzt widmen sich Lasse Fromberg, Kristin Lätari und Josephine Kobarg dem Thema Flucht – sie stehen allerdings noch ganz am Anfang und suchen Menschen, die bereit sind, über ihr Schicksal zu erzählen. Um eine plötzliche Behinderung geht es in dem neuen Streifen, an dem Michelle Mainitz, Meike Leibner, Kjell Steingrüber, Vanessa Sierakowitz, Simon Krämer, Jasmin Kögel, Lina Jansen, Marvin Burmester und auch Lasse Fromberg mitwirken. Hauptdarsteller in dem etwa 30-minütigen Werk „Inklusion – Menschen mit Handicap“ ist Simon Krämer (22). Dass es ihm schon immer leicht fiel, für den Deutschunterricht Gedichte auswendig zu lernen, kommt ihm als Schauspieler ohne Frage zugute. Er brauche einfach nicht lange, um sich einen Text zu merken, erzählt er. Das Drehbuch ist das Werk von Michelle Mainitz. Die 19-Jährige hat sich die Geschichte von Konstantin ausgedacht, in dessen Leben sich alles um das Klavierspiel dreht. Dann verliert er durch einen Unfall sein Gehör..  . „Doch Konstantin lernt, dass es andere Dinge gibt, die einen glücklich machen. Aber er trifft auch auf abwertende Menschen“, erklärt die junge Autorin, die jetzt schon weiß, dass Schreiben ihr beruflicher Weg sein wird. Das Drehbuch hat sich als erste kritische Leserin Jasmin Kögel vorgenommen – die 19-Jährige ist die Regisseurin, muss einen Blick für das große Ganze haben und sich durchsetzen können. Die Erkenntnis, dass sie nur ans Ziel kommt, wenn sie sich wirklich auf alle verlassen kann, gehört bereits zu ihrem Erfahrungsschatz.

Das nötige Rüstzeug erhalten die jungen Filmemacher in Workshops und Seminaren. Wenn es die finanzielle Lage erlaubt, dürfen Einzelne sogar die Filmklasse der Kulturskole in Tønder besuchen.

Ein besonderes Erlebnis war der Unterricht der Gruppe bei Hanna Doose (Jahrgang 1979) im Kulturkeller. Die Regisseurin und Drehbuchautorin – übrigens aufgewachsen in Bargteheide – ist bekannt durch ihren mehrfach ausgezeichneten Spielfilm „Staub auf unseren Herzen“ (2012), in dem ein Machtkampf zwischen einer Mutter und ihrer Tochter geschildert wird. Es war der letzte Film der Schauspielerin Susanne Lothar (1960-2012). Die Stunden mit Hanna Doose waren gleichzeitig der Auftakt für die Dreharbeiten.

Uli Heid zeigte sich am Ende begeistert über die Lehr- und Motivationskünste der Regisseurin: „Sie hat den Ressourcen und Qualitäten angemessen alle dort abgeholt, wo sie gerade stehen.“

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